Boxen &Drama &Geheimtipp &TopFilm Benjamin on 31 Mrz 2005 09:17 pm

Million Dollar Baby (Clint Eastwood, USA 2004)

Gestern nun bin ich endlich nach langem Warten endlich in den genuß von Eastwoods oscarprämierten Werk gekommen. Oscars für den besten Film, beste Regie, beste weibliche Hauptdarstellerin und bester männlicher Nebendarsteller – da geht man natürlich mit hohen Erwartungen in diesen Film der in 30 Tagen abgedreht wurde und in den 10 Wochen vor seiner Oscarnominierung eine Million Dollar eingespielt hat, um nach der Oscarnominierung bis heute 50 Mio $ eingespielt zu haben.

Klischee ist ein Wort dass ich in letzer Zeit in Zusammenhang mit aktuellen Filmen sehr oft gehört habe. Hostage wimmelt vor Klischees heißt es es, die Geschichte in M$B sei von Klischees durchzogen. Da fragt man sich natürlich was Klischee eigentlich bedeutet. Das Lexikon sagt “Klischee (v. französ.: cliché Abklatsch, billige Nachahmung)”. Trifft dies zu? Ich würde sagen nein. Menschliche Schicksale gehen nunmal bestimmte Wege und das Leben wiederholt sich oft. Doch selten geschehen Dinge aus dem gleichen Grund, selten führen sie zum selben Ergebnis. Genauso ist es in M$B.

Frankie Dunn (Clint Eastwood) ist ein alternder Boxtrainer, der eine eigene Boxhalle betreibt. Sein Kumpel und Ex-Preisboxer Eddie (Morgan Freeman) arbeitet dort und hält die Halle sauber und kümmert sich um die Boxer die dort trainieren. Er wohnt in einem Zimmer in der Boxhalle. Frankie hat schon einige Talente kommen und gehen sehen. Er hat sie hochgebracht, sie so weit gebracht, dass sie um einen Titel kämpfen können, doch er hat nicht die richtigen Kontakte für die große Kohle, so dass ihn alle seine Schützlinge vor ihrem großen Kampf verlassen haben. Die meisten war zu ungeduldig, denn Frankie lässt seine Schützlinge lieber zwei, drei Kämpfe mehr kämpfen, damit sie auch wirklich fit sind und den Sieg holen können, da jeder nur eine Chance hat, um den Titel zu kämpfen. Und er möchte seine Boxer davor bewahren, sich diese Chance zu verbauen. Er hat diesen Beschützerinstinkt seit dem er Cutman bei einem Kampf von Eddie war, seinem 109. Kampf. Eddie hat nach diesem Kampf ein Auge verloren und Frank gibt sich dafür seitdem die Schuld.

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Eines Tages taucht dann Maggie Fitzgerald (Hillary Swank) bei Frank auf und will von ihm trainiert werden. Frank weigert sich, er trainiert keine Frauen. Schon gar keine Frauen anfang 30. Er will sie kurzerhand wieder rauswerfen, doch sie hat schon die Gebühren für 6 Monate im voraus bezahlt, worauf Frank natürlich nicht verzichten will.

Sie trainiert unermüdlich allein, ohne große Fortschritte zu machen. Nachdem sie zunächst einige Tipps von Eddie bekommt, schafft sie es irgendwann Frank zu überreden sie doch zu trainieren. Wenn sie alles tut was er sagt, keine Fragen stellt, kein Warum, kein Wieso und unerbittlich trainieren wird, sei er bereit zu vergessen dass sie eine Frau sei. So beginnt das Training und Maggie macht schnell Fortschritte und Frank denkt sie sei bereit für einen ersten Kampf. Allerdings möchte er damit nichts zu tun haben, und sucht einen neuen Manager für Maggie. Dieser organisiert ihr auch schnell einen Kampf doch er benutzt sie nur als Kanonenfutter um für eine anderer seiner Boxerinnen einen Kampf zu bekommen. Ihre Nase wird gebrochen und sie droht den Kampf zu verlieren, als Frank eingreift und kurzerhand wieder den Trainerjob übernimmt und sie dank ein paar Tipps von ihr den Kampf doch noch gewinnt.

Fortan organisiert Frank Kämpfe für Maggie und trainiert sie auch wieder. Maggie ist sehr erfolgreich und nockt ihre Gegnerinnen reihenweise in der ersten Runde aus und verliert keinen einzigen Kampf. Schließlich bekommt sie einige Kämpfe in Europa und schließlich handelt Frank nachdem er bereits einige Angebote ausgeschlagen hat, einen Titelkampf für Maggie aus, ausgerechnet Gegen die unfairste Boxerin im Geschäft, die jede Gelegenheit für Unfairnisse im Ring nutzt um sich einen Vorteil zu verschaffen.

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Es passiert, was passieren muss, die zweite Runde ist vorbei, Maggie unkonzentriert und wendet sich ab, der Ringrichter sieht gerade woanders hin, als ihre Gegnerin ihr einen Schlag versetzt worauf Maggie stürzt und mit dem Kopf auf den Hocker in ihrer Ecke prallt.

Sie kommt im Krankenhaus wieder zu sich, an eine Beatmungsmaschine angeschlossen und halsabwärts gelähmt. Frank versucht zwar alles, aber es gibt für Maggie keine Heilung, sie wird ihr Lebenlang ans Bett gefesselt bleiben. Da sie sich nicht bewegen kann, bekommt sie Druckgeschwüre und ihr muss sogar ein Bein amputiert werden. Sie will so nicht weiterleben. Sie bittet Frank ihr beim Sterben zu helfen, doch dieser weigert sich. Schließlich zerbeißt sich Maggie die Zunge um zu verbluten, doch zweimal kann sie in letzter Sekunde gerettet werden und ihr wird die Zunge fixiert. Schließlich kann Frank Maggie nicht mehr so daliegen sehen und erfüllt ihr ihren letzten Wunsch…

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Dieser Film hat zwar das Boxgeschäft als Letifaden, doch es ist nicht wirklich ein Boxfilm. Es geht viel mehr um die Charaktere, ihre Beziehung untereinander und ihre Geschichten.
Da ist zum einen Frank, der wie oben schon beschrieben mehr oder weniger erfolgreich eine Boxhalle betreibt, und der seit über 20 Jahren Woche für Woche seiner Tochter schreibt, und Woche für Woche kommen die Briefe wieder zurück. Seine Schuldgefühle gegenüber Eddie, weswegen er es vermeiden will, jegliches Riskio einzugehen. Als er schließlich doch wieder ein Risiko eingeht, kommt es wie es kommen muss und passiert wieder was und Frank hat erneut große Schuldgefühle.

Dann ist da Maggie. Seitdem sie 13 ist arbeitet sie als Kellnerin und muss sich oft übriggebliebene Reste ihrer Kundschaft “für ihren Hund” einpacken und mit nach Hause nehmen um überhaupt etwas zu Essen zu haben. Sie träumt von ihrer großen Chance und ist bereit alles dafür zu geben. In Frank sieht sie nicht nur einen Trainer sondern auch eine Vaterfigur und die Beziehung die die beiden zueinander entwickeln kommt einer Vater Tochter Beziehung mit der Zeit auch immer näher, als sie im Krankenhaus liegt, ist Frank jeden Tag bei ihr.

Alle Charaktere in diesem Film sind Underdogs. Die Boxhallte ist alt und in einem desolaten Zustand, Eddie kann sich sicher sein, dass er seinen Job als Hausmeister und Putzfrau wohl nie verlieren wird, da es immer etwa zu tun gibt. Viele Szene haben ein sehr ausgewogenes Licht und Schattenspiel und die Bilder sind stellenweise sehr dunkel gehalten, ganz so als wolle man die Bedrückung der Charaktere bildlich darstellen.
In so einem Film ist eine Portion Witz und Ironie sehr wichtig. Diese wird wunderbar durch Frank und Eddie abgeliefert die sich in bester Lemon – Matthau Art ständig kabbeln und schonmal eine Minute über Eddies Socken debattieren.
Der Umgang der drei Hauptakteure miteinander ist das was den Film ausmacht. Die Beziehungen die sich entwickeln und verändern.

Gerade in der Schlußphase in der es um das Thema Sterbehilfe geht kommt das exzellente Mienenspiel der Darsteller voll zur Geltung. Oft bedarf es nicht vieler Worte um etwas auszudrücken und Sympathien für die Charaktere zu entwickeln
Das Ende ist sehr schwer, sehr erdrückend, aber es gefällt das Eastwood kein typisches Hollywoodende gewählt hat. Ich habe selten so für einen Charakter im Kino mitgefühlt wie für Maggie Fitzgerald.

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Clint Eastwood hat hier sicherlich ein Meisterwerk abgeliefert, dass mir besser gefallen hat als Mystic River, bei dem mich vor allem die letzte Szene sehr gestört hat. Man darf schon sehr auf “Flags of Our Fathers” gespannt sein, Eastwoods nächster Film der für 2006 angesetzt ist.

Man kann zu diesem Film eigentlich garnicht viel schreiben, man sollte ihn einfach gesehen haben. Sämtliche Oscars gehen vollkommen in Ordnung und prinzipiell hätte das gesamte Trio einen Darstelleroscar verdient doch an Jamie Foxx führtein diesem Jahr kein Weg vorbei.

Dass sich das Voice Over von Morgan Freeman letzlich als Brief an Franks Tochter, nachdem Frank verschwunden ist herausstellt fand ich übrigens ziemlich überraschend und genial.

Fazit: Clint Eastwood hat ein Meisterwerk, mit großartigen Darstellern und einer mehr als überzeugenden Geschichte abgeliefert. Solche Filmperlen gibt es leider viel zu selten. Prädikat “Besonders Empfehlenswert”

Persönliche Wertung: 10 / 10

P.S.: Rechtschreib- oder Satzbaufehler bitte ich zu entschuldigen.

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