Abenteuer &Epos &Fantasy &Orlando Bloom &Peter Jackson Benjamin on 14 Mai 2005 03:21 pm
Der Herr der Ringe – Die Gefährten (Special Extended Edition) (Peter Jackson, Neuseeland / USA 2001)
Ich bin mir sicher ob ich dankbar oder betrübt sein soll. Dankbar, weil ich diesen Epos, dieses filmische Meisterwerk in so jungen Jahren schon sehen durfte und mich mein ganzes weiteres Leben daran erfreuen kann oder aber ob ich betrübt sein soll, dass es defintiv in den nächsten Jahrzehnten mit Sicherheit kein größeres Kinoerlebnis geben kann. Größér, epischer, monumentaler als dieses Filmtrilogie geht es einfach nicht. Klar, wird es und gibt es Filme, die inhaltlich wesentlich mehr zu bieten haben, die interessantere Charaktere haben, und die einen auf emotionaler Ebene wesentlich mehr berühren. Aber dieses dreimal drei Stunden lang im Kinosessel sitzen und einfach den Mund nicht mehr zu bekommen vor lauter staunen über das was man da auf der Leinwand erlebt, das wird es so schnell nicht wieder geben.
Aber ich denke mal alles in allem bin ich eher glück darüber, dass der Film jetzt schon gedreht wurde. Vor allem sehr dankbar, dass die Leute von New Line Peter Jackson damit beauftragt haben. Der einzige Film den ich bis jetzt von ihm gesehen habe ist “Meet the feebles”, aber seine anderen Filme wie Brain Dead sollen doch sehr ähnlich sein … und ich glaube mal, wenn ich Entscheidungsträger gewesen wäre, PJ wäre nicht unbedingt meine erste Wahl gewesen. Wobei ich die anderen Filme von ihm eigentlich auch noch kucken muss, um das wirklich bewerten zu können, aber das ist im Grunde egal, denn was dabei rausgekommen ist, ist mehr als überzeugend.

Ich habe die Bücher im Alter von ca. 15 Jahren gelesen, sie regelrecht verschlungen und war wie millionen Andere absolut fasziniert von dem Universum, das J.R.R. Tolkien da erschaffen hat. Jedes Volk mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Sprache, die zahlreichen mit Namen und Sagen versehen Orte, Geschehnisse, die Waffen und Helden, das ist wirklich beeindruckend. Auch die Sprache in den Büchern wirkt anfangs sehr altbacken und ist gewöhnungsbedürftigt, nach kurzer Eingewöhnungszeit, findet man es aber als sehr zur Atmosphäre passend. Eine absolut faszinierende Trilogie. Und wie sehr viele andere habe ich sie für absolut unverfilmbar gehalten, bzw. wenn verfilmbar, dann so dass sie nicht ansatzweise ans Buch herankommen kann. Ich möchte hier gar keinen Vergleich Buch Film machen, denn es ist natürlich vollkommen klar, dass ein Film eigentlich nie an das Buch herankommen kann, gerade weil man da seine eigene Phantasie gebrauchen kann, aber der Mythos der Unverfilmbarkeit ist dem Herrn der Ringe genommen. Vieles im Film war so, wie ich es mir auch beim Lesen vorgestellt habe, Minas Tirith zum Beispiel, Kankra, Aragorn, Gandalf, das Auenland. Neuseeland als Location zu wählen war eine sehr weise Entscheidung, denn man denkt wirklich in sehr vielen Szenen man sei wirklich in einer anderen Welt sei.

Peter Jackson hat einfach ein Gespühr dafür, die für die Szenen passenden Landschaften zu finden und diese auch entsprechend in Szene zu setzen, so dass man ein Gefühl für die Größe bekommt, bzw. dafür wir klein doch eigentlich ein paar Menschen (Zwerge, Hobbits, etc.) sind. Die ganzen Kostüme, Rüstungen, vor allem aber auch die Größenverhältnisse, etwa dass die Hobbits, Halblinge auch wirklich immer und in jeder Szene nur etwa halb so groß sind, wie normale Menschen, das alles versetzt einen nach Mittelerde.
Aber noch mehr als die tollen Landschaften, Kostüme und Spezialeffekte tragen die Schauspieler da. Leider ist der eigentliche Held der Geschichte auch gleich die größte Enttäuschung, Elijah Wood als Frodo Baggins. Er beherrscht im Grunde nur zwei Gesichtsausdrücke und hat von allen Schauspielern des Films wie ich finde am wenigsten Ausstrahlung und ihm fehlt absolut das nötige Charisma, was sehr schade ist, da die Figur eigentlich für so einen Film doch sehr viel hergibt. Aber im Prinzip hat die Geschichte nicht einen, sondern zehn Helden und diese machen den Herrn der Ringe zu etwas ganz besonderem. HIer erweist es sich als sehr geschickt, dass man auf größtenteils unbekannte Gesichter gesetzt hat. Zwar größtenteils durchaus etablierte Schauspieler, aber keine absoluten Megastars, wer kannte vorher schon Viggo Mortensen? Ich zumindest nicht. Gandalf, Aragorn, Legolas sind für mich die drei am tollsten dargestellten Figuren, sie haben eine unglaubliche Ausstrahlung und verkörpern ihre Rolle mit Herz und Blut. Gerade Orlando Bloom ist für mich in der Beziehung ein Rätseln. Der Herr der Ringe war sein erstes Filmprojekt direkt nachdem er von der Schauspiel Schule kam und er spielt Legolas absolut top, einfach ein sehr cooler, sehr gelungener Elf. Nur wenn man seine Leistung aus diesem Film mit allem anderen einschließlich Kingdom of Heaven vergleicht, so liegen da Welten zwischen und man denkt, man hätte zwei vollkommen verschiedene Schauspieler vorischt. Nach wie vor ist die Figur des Legolas in diesem Film für mich seine mit Abstand beste Rolle. Auch Viggo Mortensen IST einfach Aragon, aus dem Hause der Dunedàin. Wobei der Bart und die Haare da sehr, sehr viel ausmachen, aber gerade im O-Ton kommt rüber, wie sehr er in seiner Rolle aufgeht. Im Grunde macht er keine wirklich Entwicklung im Laufe der Filme durch, er wirkt von Anfang an sehr edel, charakterstark, königlich.

Die strahlenste, charismatischste Figur im ganzen Herrn der Ringe aber ist Ian McKellen als Gandalf. Für mich eine der mir liebsten Figuren der Filmgeschichte. Dieser herzensgute, warme Zauberer wächst einfach jedem ans Herz. Sein freudiger, sorgenvoller Blick, sein hoffnungsvolles aber zugleich schweres Lächeln und seine Stimme, die Stimme eines alten, weisen Magiers und einfach die Rolle des Gandalfs an sich, machen ihn zu einem DER Symphathieträger des ganzen Films. Ein Grund warum einen sein trauriges Schicksal auch besonders mitnimmt.
Die anderen Rollen kommen erst in späteren Filmen zu größerer Bedeutung, allen voran Sean Astin als Sam Gamgee, aber Bernard Hill als König Théoden und der bis dato genialste animierte Charakter der Filmgeschichte, Gollum. Aber dazu mehr, bei den späteren Filmen. Sean Bean spielt irgendwie in allen Filmen in denen ich ihn bisher gesehen habe, Loosertypen, im Grunde genommen tut er das hier auch wieder, wobei er es ziemlich gut macht. Christopher Lee als Saruman liefert ein sehr passendes Gegenstück zu Ian McKellen als Gandalf ab, auch wenn seine Rolle natürlich deutlich kleiner ausfällt.

Aber natürlich, bei diesem Meisterwerk passen nicht nur Bilder und Schauspieler perfekt zusammen, auch der Musikscore gehört zum Besten was in der Filmgeschichte bisher geboten wurde. Wahrlich episch, jeder Situation angepasst, Stimmungen perfekt unterstreichend, bleibt sie eindrucksvoll in Erinnerung, der Soundtrack wird fast zum Pflichtkauf. Jedes Volk hat sein eigenes Thema, Elfen, Orcs, Hobbit, wobei mir persönlich das der Rohirrim am Besten gefällt, aber leider hören wir auch dies erst im zweiten Film. Das Ring-Theme ist ebenfalls sehr perfekt und stimmungsvoll gewählt, eine Melodie die im Gedächnis bleibt und die man auf dem Nachhauseweg noch desöfteren Summen wird. Bei diesem Film passt einfach alles zusammen, ich habe für mich persönlich noch keinen Schwachpunkt ausmachen können, mal abgesehen von der Länge, denn der Film ist selbstverständlich viel zu kurz. Für die Special Extended Edition bin ich sehr dankbar, denn sie gibt dem Film vieles, was den Lesern der Bücher sehr gefehlt hat, wenngleich beim ersten Teil der größte Teil der zusätzlichen Länge aus dem Fanabspann kommt, aber nun gut, als Fan ist man dankbar für jede Minute Filmmaterial und Story, dass man mehr geboten bekommt.

Der erste Teil hält sich noch sehr stark ans Buch, die Einführung der Hobbits, Bilbos Abschied, Frodos Reise nach Bruchtal, die Verfolgung durch die Neun, der Rat von Elrond, die Gemeinschaft des Ringes, der Versuch den Pass über den Berg zu nehmen, die gefährliche und tragische Reise durch die Minen von Moria, die Reise durchs Land der Elfen und das Finale und die Trennung der Gemeinschaft am Fluß bei den Argonath. Besonders hervorzuheben sind dabei die Minen von Moria, der Auftritt des Balrog zählt sicher zu den Magic Moments des Kinos. “They got a cave troll”. Im Prinzip müsste ich in diesen Beitrag viele kleine Trailer einbauen, da man diesen Film gar nicht wirklich beschreiben kann, man muss ihn einfach sehen. Es ist einfach absolut perfekte, stimmige Unterhaltung, mir ist vollkommen unverständlich, wie man diesen Film nicht mögen kann. Am besten genießt sich dieser Film auf einem großen Fernseher und einer richtig geilen Anlage … am besten man sieht ihn sich im Kino an, hier in Göttingen gab es Ende letzten Jahres sogar ncohmal eine Aufführung der gesamten Trilogie, aber ich habe seinerzeit als der dritte Teil in die Kinos kam, alle drei am Stück im Origanlton im Kino gesehen. Das war kinotechnisch gesehen echt das Größte was mir bisher untergekommen ist. Bin sehr gespannt ob nächste Woche Die Rache der Sith wenigstens ansatzweise da ran kommen kann, aber nach den enttäuschten Erwartungen bei den ersten beiden Teilen bin ich da eher skeptisch. Der zweite und dritte Teil von Matrix haben auch enttäuscht, Der Herr der Ringe ist auch unter den Trilogien, die einzige, die allen Erwartungen voll und ganz gerecht werden konnte. Wahrlich ein Film für die Ewigkeit, ich freue mich schon, demnächst wieder Teil zwei und drei zu sehen.
Die Aufteilung der Filme enspricht auch sehr den Stimmungen. Der erste Teil ist sehr Atmosphärisch, stellt die Figuren vor, zeigt die Problemstellung der sich die Herren stellen müssen, und zeigt die am Horizont aufziehende Bedrohung. Teil zwei legt wesentlich mehr Wert auf Action, führt nochmals neue Figuren ein und hat deutlich mehr Tempo, und der dritte ist schließlich das furiose Finale das alles aus den ersten beiden Filmen kombiniert und die eindrucksvollsten und größten Schlachten der Filmgeschichte bietet, am eindrucksvollsten der letzte Ritt der Rohirrim. Schade nur, dass ein Tag so kurz ist, und man selten dazu kommt, mehr als einen Teil pro Tag zu sehen.

Fazit: Einfach ein absoluter Überfilm, bei dem ich gar nicht anders kann, als in Superlativen zu schwärmen. Schauspieler, Setting, Score, alles vom feinsten, eine epische Geschichte, episch auf Zelluloid gebracht. Absolut genial, absolut sehenswert.
10/10
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