DDR &Deutsch &Drama Benjamin on 03 Aug 2006 03:32 pm
Das Leben der Anderen (Florian Henckel von Donnersmarck, Deutschland, 2006)
Die DDR im Jahre 1984. Vom nahen Ende der Republik scheint keiner der beteiligten Personen etwas zu ahnen. Georg Dreyman ist Schriftsteller, schreibt Bücher und Theaterstücke und ist mit der attraktiven Schauspielerin Christa-Maria Sieland liiert. Er ist einer der Autoren, von denen es in der DDR wenige gibt, dessen Werke bisher absolut linienkonform waren, ein Vorzeigeautor des Ostregimes.
Georg Wiesler ist Stasi-Hauptmann, seines Zeichens Ver- und Abhörspezialist. Er bekommt von seinem Jugendfreund und Vorgesetzten, Oberstleutnant Anton Gubritz den Auftrag Dreyman zu bespitzeln, da seine Makelosigkeit in der Parteispitze bezweifelt wird.
So wird die Wohnung Dreymanns komplett verwanzt und Wiesler persönlich übernimmt und überwacht die Abhöraktion. Somit wird er Bestandteil des Lebens von Dreyman und Sieland. Und dieses Leben nimmt zunehmend Einfluß auf ihn.

Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, das Sieland eine Affäre mit dem Kulturminister Bruno Hempf hat. Es ist viel weniger eine Affäre, als das Hempf Sieland begehrt und es in seiner Macht liegt zu bestimmen, wer auf Ostdeutschen Bühnen spielt und wer nicht. Und diese Macht nutzt er aus, um Sieland zu einer Affäre mit ihm zu zwingen. Wiesler erkennt dass sein Auftrag nicht höheren ideologischen Staatsmotiven dient sondern dass er lediglich benutzt wird um Material gegen Dreyman zu finden, damit Hempf sich seines lästigen Konkurrenten entledigen kann.

Diese Ereginisse beginnen, Wiesler zu verändern. Auf der einen Seite ist er fasziniert von den Persönlichkeiten und Ansichten Dreymans und Sielands. Er selbst ist seit Jahren Single und von dieser Liebe und den Ansichten der beiden fasziniert. Auf der anderen Seite zerstört der niedere Hintergrund seines Auftrages viele seiner politischen Überzeugungen. Er beginnt Symphathien für Dreymann zu empfinden und als dieser schließlich unter anonymen Namen einen Artikel über Selbstmorde in der DDR im Spiegel veröffentlichen will sorgt Wiesler dafür, dass der an der Observierung beteiligte Kollege abgezogen, und Wiesler allein die Überwachung übernimmt. Von nun an deckt er Dreyman, schreibt in seine Berichte belanglose Dinge und tarnt die konspirative Arbeit am Selbstmordartikel als Theaterstück anlässlich des 40. Jahrestages der DDR und erfindet, mangels realer Vorlage, eigene Akte dieses Stückes.
Da Wieslers Arbeit keine Ergebnisse vorweist, beginnt Hempf ungeduldig zu werden, zumal Wiesler dafür gesorgt hat, dass Sieland Hempf eine Abfuhr erteilt. Sieland wird inhaftiert und es droht alles aufzufliegen: Der wahre Autor des Spiegelartikels, sowie Wieslers Vertuschungsaktionen ….

Filme wie Goodbye, Lenin und Sonnenallee haben der Ostalgie mit Humor gefrönt, Das “Leben der Anderen” hingegen ist ein Thriller erster Güte. Man mag es fast nicht glauben dass ein Film der in sich so stimmig ist und der es vermag eine solche Atmosphäre und Spannung zu erzeugen aus deutscher Produktion stammt. Bei “Das Leben der Anderen” handelt es sich sicher um einen der besten deutschen Filme seit “Das Experiment”.
Wieslers Wandlung wird dem Zuschauer sehr subtil übermittel. Wiesler ist ein Einzelgänger, ein Mensch ohne Frau, ohne Kinder, ohne viele Freunde außerhalb seines Arbeitsfeldes. Über die Veränderungen die die Observation, genauer der Operative Vorgang (OV) in ihm auslöst kann er mit niemanden reden. Seine neuen Sichtweisen spiegeln sich primär in seinem veränderten Verhalten seinen Mitmenschen gegenüber wieder. Das ist es, wovon der Film lebt. Seine großartigen Schauspieler, die es schaffen Emotionen, Stimmungen und ganze Wesenswandlungen nur über Blicke und Mimik darzustellen. Es muss nicht viel geredet werden, in den Gesichtern der Beteiligten kann man alles wesentliche ablesen.
Von mir gibt es für diesen Film eine klare
9/10
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