Drama &Steven Spielberg Benjamin on 04 Aug 2006 03:34 pm
München (Steven Spielberg, USA 2005)
Während der Olympischen Spiele 1974 nimmt eine palästinensische Terrorgruppe die israelischen Sportler als Geisel. Bei der Befreiungsaktion auf dem Flughafen kommen alle Geiseln, sowie ein großteil der Attentäter ums Leben. Das sind die realen Grundlagen, die den Stoff für den Film bieten und die während der ersten 10 Minuten dargestellt werden. Keine lange Vorgeschichte, man ist sofort mitten drin im Geschehen.
Ab hier beginnt Spielberg die Geschichte weiterzuspinnen. Der Mossad schickt, natürlich inoffiziell, eine Reihe nicht voneinanderwissender Spezialtrupps aus, welche die Attentäter eleminieren sollen, um ein Zeichen zu setzen.
Man bekommt hier ein 2 1/2 Stunden langes Rachedrama vorgesetzt, welches es schafft, zu keiner Zeit langweilig zu werden. Der Film schafft es packende und spannenden Atmosphäre zu schaffen. Das israelische Team besteht aus 5 Menschen, die im Prinzip alle einfache Bürger sind, die zwar ihre Spezialfähigkeiten haben, aber keineswegs auf solche Einsätze trainiert sind. So spielen auch moralische Bedenken immer wieder eine Rolle und man durchlebt mit der Gruppe ihr zusammenwachsen.
Nach und nach wird einer der elf Attentatsplaner nach dem anderen ausgeschaltet, doch schließlich werden die Jäger selbst zu gejagten. Spielberg zeigt hier deutlich auf, welchen Sinn und Zweck des Bekämpfen von Terrorismus mit Hilfe von Terror hat und zu welchem Ziel es führt, nämlich zu keinem. Der Grad zwischen Recht und Unrecht, Rache und Moral ist sehr schmal und eignetlich fast gar nicht vorhanden. Je nach Standpunkt kann jeder als Attentäter oder Heimatverteidiger angesehen werden, es kommt immer auf den persönlichen Standpunkt an.
Der Cast kommt komplett ohne Superstar aus, Eric Bana und Daniel Craig sind sicher Stars, aber der Film kommt vollkommen ohne aus. Natürlich bleiben die Charaktere dünn und eindimensional aber man erwartet bei einem Spielbergfilm auch selten Charakterstudien.
Für mich ist der Film allerdings trotzdem einer der besten Spielbergs seit Schindlers Liste. Das einzige, was man dem Film vielleciht wirklich vorwerfen kann, ist dass er das Münchener Attentat nur als Aufhänger nimmt. Zwar wird immer wieder im Laufe des Films auf das Attentat in Form von Avners Träumen darauf eingangen, aber man hat den Eindruck, dass dies nur der Vollständigkeit dient. Ansonsten dreht sich der Film wirklich komplett auf die Jagd nach den Attentäter und letzendlich um die Auswirkungen dieser Jagd auf die Jäger, die zum Ende selbst zu gejagten werden, wobei es weniger ein Rachefilm ist, sondern hier vielmehr die Anfänge des modernen Terrorismus gezeigt werden, Spielbergisch inspiriert.
Handwerklich ist der Film, wie man es von Spielberg erwartet natürlich perfekt umgesetzt, gute Ausstattung, guter Sound, 1a Kamera und auch die Länge merkt man ihm beim ersten sehen nicht an. Durchaus also das richtige für einen gemütlichen Videoabend.
8.5 / 10
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