9/11 &Geheimtipp &Katastrophenfilm &TopFilm Benjamin on 20 Okt 2006 04:04 pm

Flug 93 (Paul Greengrass, USA 2006)


Flug 93 (Paul Greengrass, USA 2006)
United 93 DVD OmU

IPB Bild

“United 93″ ist der erste Kinofilm, der sich mit dem 11. September 2001 thematisch auseinandersetzt. Im Kino ist er seinerzeit vollkommen untergegangen und ich bezweifle, dass diesen Film überhaupt jemals wirklich viele Menschen sehen werden.
Es wird sicher noch sehr viele Filme in den nächsten Jahren zum 11. September geben, aktuell läuft mit “World Trade Center” der erste Hollywoodblockbuster zu diesem Thema, doch Flug 93 hat wie ich finde Maßstäbe gesetzt, die schwer zu übertreffen sein werden.
Ich selbst habe den 11. September 2001 komplett live via Fernsehen und Internet mit verfolgt. Ein Freund hat mich online angeschrieben, gerade als das erste Flugzeug ins WTC geflogen ist, und die ersten Livebilder gesendet wurden. Ich habe quasi alles selbst mit erlebt, den Einschlag des zweiten Flugzeuges live am Bildschirm, den Absturz ins Pentagon, das Einstürzen der Twin Towers, die Schließung aller amerikanischen Flughäfen, das Ausrufen des Verteidigungfalls der NATO und es hat mich damals sehr, sehr mitgenommen, ich war an dem Tag tief erschüttert und noch tagelang sehr berührt. Dieser bis dato für unvorstellbar gehaltene Angriff auf Amerika auf amerikanischem Festland, die Erkenntnis, dass der Terrorismus den traditionellen Krieg als primäre zivilisatorische Bedrohung verdrängt und die Einsicht, dass man gegen diese Form des Terrors nahezu machtlos ist, das alles waren Dinge, die mein Weltbild damals sehr bewegt haben, und dieser Tag ist mir, wie wahrscheinlich so vielen, stark im Gedächnis geblieben.

Und all dies erlebt man mit diesem Film noch einmal wieder.
Fast dokumentarisch ist man stiller Beobachter. Man ist dabei, als die Flugkontrolle den ersten Verdacht hegt, dass ein Flugzeug, zum ersten Mal seit über 20 Jahren entführt worden ist und wie die Spur verfolgt und plötzlich verloren wird, man sieht, wie sich der Militärapparat zu bewegen beginnt, man sieht wieder “live” den Einschlag des zweiten Flugzeuges, die Schließung der Flughäfen.
Die ganze Zeit fühlt man sich zurückversetzt an jenen 11. September 2001, wo man selbst gebannt vor’m Fernseher saß. Dieser Film zeigt das Geschehen jedoch aus Sicht der direkt Verantwortlichen, primär ist man Zeuge der Flugkontrolle und der Besetzung und den Passagieren von United 93.
United 93 ist das einzige der fünf entführten Flugzeuge, welches sein Ziel nicht erreicht hat.
Übernommen von 4 Arabern mittels einer Bombe, steuert es auf sein Ziel zu, das Weiße Haus in Washington D.C.. Die Passagiere kommunizieren über Telefon mit ihren Familienangehörigen und bekommen so mit, was mit den anderen entführten Flugzeugen passiert ist.
Bald macht sich die Erkenntnis breit, dass Nichtstun der Weg in den sicheren Tot ist und so beschließt man zu handeln …

Wie schon erwähnt ist der Film dokumentarisch, hält sich genaustens an die realen Geschehnisse, protzt nirgends mit Action, hat keine wirklichen Hauptdarsteller. Gerade dadurch wirkt alles so erschreckend echt und das Erschrecken ist um so größer, da man weiß, dass alles das was dort gezeigt wird, wirklich so geschehen ist. Die Verzweiflung der Menschen, dass alles ist real, das Gefühl der Hilflosigkeit ergreift von einem selbst Besitz.
Man wird direkt in die Stimmung von damals versetzt und hat nachdem man diesen Film gesehen hat, das Gefühl, einen guten, einen wichtigen Film gesehen zu haben.

10/10

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