Christopher Nolans Memento, zu dem er selbst mit seinem Bruder zusammen das Drehbuch geschrieben hat, wofür die beiden für den Oscar nominiert waren, kommt dem was man sich unter einem perfekten Film vorstellt sehr nahe.
Die Erzählstruktur des Films ist etwas gänzlich neues im Kinogenre, vielleicht mag es Vorgänger gegeben haben, die Ähnlichkeiten aufgezeigt haben, aber so umgesetzt wurde sie sicherlich noch nie. Dazu kommt noch ein perfektes Drehbuch, eine Geschichte über das Motiv der Rache, die auf subtile Art und weise deutlich die Sinnlosigkeit selbiger Zeigt, handwerklich perfekt umgesetzt mit guten Schauspielern besetzt. Für mich einer der innovativsten Filme der letzten Jahre.
Zumal strukturbedingt der Film kein Ende hat, da er mitten in sich selbst endet, man im Grunde weiß wie die Geschichte weiter- und ausgeht, aber man ist als Zuschauer nach dem Filmkucken selbst die Ereignisse richtig zu deuten und dieser Film hat keine feste Intention, es gibt zahlreiche Möglichkeiten ihn zu deuten und seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.
Erzählt wie die Geschichte von Leonard, der bei einem Raubüberfall zu hause niedergeschlagen wird und eine schwere Kopfverletztung erleidet, die dazu führt, dass Leonard sein Kurzzeitgedächnis verliert. Er kann sich an alles bis zu diesem Ereignis genaustens erinnern, jede Information die er danach aufnimmt geht verloren. Bei dem Überfall wurde seine Frau vergewaltigt und ermordet, somit ist die letzte feste Erinnerung die ihn sein Leben lang begleiten wird seine sterbende Frau.
Dieser Verlust des Kurzzeitgedächnisses hat weitreichende Folgen. Er vergißt wenn er sich nicht konzentriert Dinge binnen Sekunden und ist nicht mehr in der Lage Informationen dauerhaft zu speichern. So kann er zukucken wie die Kellnerin in das Bier spuckt dass er bestellt hat, und währrend sie ihm das Bier bringt vergißt er diesen Vorgang und trinkt genüßlich sein Bier. Er hat zwei Mittel sein Leben zu ordnen: Die Polariodkamera ist sein ständiger Begleiter. Er macht sich Fotos von seinem Zuhause, dem Hotel in dem er gerade wohnt, seinem Auto und seinen Freunden und kann sie nur anhand dieser Fotos und Notizen einschätzen. Das zweite Mittel sind Tatoos. Alle elemantaren, wichtigen Dinge tatöwiert er sich auf den Körper. So hat er sich auf seine Hand “remember Sammy Jenkins” tätowiert, ein Fall den er in seiner Zeit vor dem Unfall als Versicherungsagent behandelt hat.
Sammy Jenkins hat ebenfalls sein Kurzzeitgedächnis verloren, und Leonards Aufgabe war es nachzuweisen, dass dieses leiden psychischer Natur ist und nicht physischer, da seine Versicherung nur für physische haftet. Dieses Tatoo erinnert ihn jederzeit an seinen eigenen Zustand, welchen er sonst auch schlicht vergessen würde.
Den Rest seines Körpers hat er mit Fakten über den Mord an seiner Frau tatowiert. Die Polizei hat die Suche nach dem Täter eingestellt, so begibt sich Leonard selbst auf Tätersuche um seine Frau zu retten und orientiert sich dabei an diesen Tatoos. Der Film macht auf das Problem von Erinnerungen aufmerksam, ein Auto kann in der Erinnerung seine Farbe wechseln und ein Raum eine andere gestalt annehmen und Leonard sagt auf Erinnerungen könne man sich nicht verlassen, nur auf Fakten. Doch wir werden Zeuge wie Leonard selbst zeigt, dass auch auf Fakten kein Verlass und das die Glaubwürdigkeit eines Fakts davon abhängt ob man solchen “Fakten” blind vertraut oder ob man sie weiter hinterfragt.
Memento nimmt einen von Anfang an durch seine zunächst verwirrende und komplexe Erzählstruktur ein, zu der hier nichts verraten werden soll, da es ein Teil des Erlebens des Films ist, rauszufinden wie diese aufgebaut ist und die Ereignisse richtig geordnet werden können. Nachdem man das ganze gegen Mitte des Filmes dann verstanden hat, gönnt der Film einem eine kurze Erholungspause in dem er ein wenig hängt und an Tempo verliert währrend sich am Ende die Ereignisse überschlagen und sich vieles aufdeckt. Wobei das Ende gar nicht das Ende sondern die Mitte ist.
Wie Eingangs erwähnt ist Memento einer der innovativsten Filme der letzten Jahre und er lädt zum mehrmaligen sehen ein, da man dann auf neue Dinge achten kann, die einem beim ersten Mal nicht wirklich aufgefallen sind, die aber zum endgültig Filmverständis durchaus relevant sein können. In dem Film sind es gerade die Details, die einen auf den richtigen Weg bringen.
Auf der DVD gibt es noch eine Sonderfunktion mittels der man den Film “richtig” sehen kann, dies sollte man über nur tun, wenn man den Film wirklich intensiv analysieren und interpretieren will, da das Erlebnis Memento zu einem großen Teil von dieser Erzählweise beeinflußt wird
10 / 10