Biopic &Diane Krüger &Ed Harris &Musik Benjamin on 29 Mrz 2007 04:43 am

Klang der Stille (Agnieszka Holland, USA 2006)

Großartig. Absolut großartig. Selten das ich Lobeshymnen vorwegnehme aber dieser Film hat in etwa so eingeschlagen wie Beethovens 9. bei ihrer Uraufführung. Hätten wir nicht aus einem Jux heraus heute diesen Kinotag mit drei Filmen gemacht hätte ich diesen Film wohl nie gesehen – oh was wäre mir da entgangen. Dieser Film reißt auch jeden Nichtklassikfan (wie mich) vom Hocker und hallt sehr lange nach.

Der Film lebt voll und ganz von der energiegeladenen und grandiosen Darstellung Beethovens durch Ed Harris. Er ist einfach eine Wucht, meist kennt man ihn aus eher düsteren Rollen in denen er den Bösewicht spielt oder zumindest sehr zwielichtige und dubiose Charakter die oftmals einen sehr militärischen Tenor haben, sein letzets Biopic “Pollock” konnte mich nicht wirklich in ihren Bann ziehen, aber was Ed Harris “Klang der Stille abliefert ist wirklich großartig. So hat man (ich zumindest) Ed Harris noch nie gesehen.

Beethoven ist ein Mann voller Energie. Von Musik besessen. Ständig ist sie in seinem Kopf. Für ihn ist es die Stimme Gottes. Die Sprache Gottes, und er hat die Gabe sie umzusetzen. Doch leider spricht Gott nicht zu ihm, er brüllt ihn an, so dass Beethoven im Alter so gut wie taub ist und nichts mehr hört. Es ist ihm unmöglich ein Orchester zu leiten, er bringt es ständig aus dem Takt, er hört die Musik der er schreibt so gut wie gar nicht mehr. Sein Kopf ist voll von Ideen, Kreationen, voll von Melodien doch ihm wurde die Fähigkeit genommen sie zu hören.
Dies hat ihn einerseits verbittert, aber das hält ihn nicht von seiner Arbeit ab. Er befindet sich wenige Tage vor der Premiere seines Lebenswerkes der Symphonie No. 9. Seine Handschrift ist mittlerweile unleserlich geworden und sein alter Kopist ist von Krebs geplagt so dass er schließlich einen neuen Kopisten anfordert. Geschickt wird ihm die 23jährige Anna Holtz.
Sie wird von Beethoven zunächst dafür verspottet eine Frau zu sein, aber sie erträgt sein Temperament und seine zunächst herablassende Art weil ihr die Arbeit mit Beethoven sehr wichtig ist, sie sein Genie kennt und hofft von ihm lernen zu können. So wird sie seine enge Mitarbeiterin, korrigiert sogar Fehler in seinen Werken und erarbeitet sich seinen Respekt und sein Vertrauen.
Als es schließlich soweit ist und seine Symphonie uraufgeführt wird, ist er verzweifelt weil es ihm unmöglich ist, dass Orchester zu dirigieren, aber Anna Holtz nimmt einen Platz verdeckt im Orchester ein und dirigiert so, dass Beethoven sie sehen kann, worauf die Premiere ein voller Erfolg wird.
Die Darstellung und Umsetzung der Uraufführung der 9. Symphonie war zweifelsohne als Höhepunkt des Films zu erwarten. Sie ist zwar nicht sein Ende aber wahrlich ein Höhepunkt geworden. Gänsehautatmosphäre, man wird vollkommen von der Musik und den Protagonisten aufgesogen. Spätestens nach dieser Szene weiß man, dass man sich demnächst irgendwann zu Hause Beethovens 9. mal anhören wird. Wobei sie ohne den Film natürlich die gleiche emotionale Tiefe hervorrufen wird.

Der Film ist leider etwas zu sehr auf Anna Holtz und damit Diane Krüger konzentriert, die zwar eine solide Leistung bietet aber ihr Charakter wirkt irgendwie, ja, er wirkt wie geschrieben. Ich weiß nicht ob sie auf historischen Tatsachen beruht aber sie stört keineswegs in dem Film. Gerade dass Zusammenspiel zwischen Harris und Krueger macht viel von der Faszination des Films aus, aber neben Harris’ überragender und preisverdächtiger Darstellung kann man nur blaß wirken. Nach diesem Film möchte man ihn fast in einer Reihe mit DiNiro und Pacino nennen, er geht einfach voll und ganz in seinem Charakter auf und tritt vollkommen hinter diesem zurück. Man fühlt sich zu keinem Zeitpunkt an einen Charakter aus einem anderen Film erinnert oder hat wie es bei vielen anderen Schauspielern oft der Fall ist das Gefühl hier nicht den Filmcharakter sondern den Schauspieler zu sehen, nein man ist jederzeit davon überzeugt dass dieser Mann Beethoven ist. Ein weiterer Höhepunkt ist die Szene in der Anna Holtz Beethoven ein eigenes Werk vorstellt und er sich sehr darüber lustig macht und es als einen Furz betitelt und ihr gratuliert dass sie Furzmusik erschaffen hätte und dann ihr Stück spielend Furze immitierend am Klavier sitzt. Man konnte seinen Tränen kaum halten vor lachen.

Leider, leider wird es diesem Film so ergehen dass er als Programmfilm einfach untergehen wird und viele Leute nie in den Genuß dieses Films kommen werden, weil sie einfach gar nicht wissen, dass es ihn gibt oder sie ihn sich einfach nicht anschauen werden weil sie sich nicht viel davon versprechen. Ich kann nur den Tipp geben: Schaut diesen Film! Wenn möglich im Kino. Man wird es unter gar keinen Umständen bereuen, allein Ed Harris Darstellung ist das Eintrittsgeld mehr als Wert und Filme mit Musik haben die Eigenschaft dass sie oft schon allein durch die Musik ein gutes Gefühl hinterlassen. Ich kann nur hoffen dass dieser Film durch Mundpropaganda einem größeren Publikum zuteil wird, ich zumindest bin mehr als froh ihn gesehen zu haben. In unserem heutigen Filmtriumverat war er der absolute Höhepunkt und auch bei den Filmen die ich 2007 bisher gesehen habe nimmt er sicherlich eine Stellung unter den Top 3 ein.
Wer gute Filme mag, und dass tut eigentlich jeder, muss diesen Film einfach sehen. Es lohnt sich!

10 / 10

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