Apokalypse &Danny Boyle Benjamin on 21 Apr 2007
28 Days Later (Danny Boyle, Großbritannien/USA 2002)
Nachdem ich ja nun neulich Sunshine gesehen habe und auch vor Urzeiten, zuletzt vor fünf Jahren glaub ich Trainspotting auch schonmal gesehen habe musste nun 28 Days Later folgen um Boyle etwas einschätzen zu können. Im Vorfeld wurde mir desöfteren geraten nicht zwei Stunden meines Lebens mit diesem Film zu vergeuden.
Dementsprechend konnte ich mich vollkommen unbelassen auf diesen Film einlassen, in dem Boyle mal wieder ein neues Genre angeht. Welches das ist, scheint diskussionswürdig zu sein. In der Videothek und auf Kino.de steht er unter Horror aber im Grunde müsste dann auch Children of Men da stehen. Denn bis auf dass die Regierung durch Zombies ausgetauscht wurde geben sich die beiden Filme eigentlich nicht viel, wobei ich jetzt schon sagen muss dass mir 28 Days Later um Längen besser gefällt.
Die beiden Filme haben sogar das gleiche Setting, London bzw. England in einem postapokalyptischen Szenario.
Hier ist es ein Supervirus, der aus einem Forschungslabor ausgebrochen ist. Der Träger wird Wahnsinnig und überträgt den Virus durch Biß oder bei Aufnahme von Blut über die Schleimhäute.
28 Tage nach der Befreiung des Virus’ wacht Jim in einem Krankenhaus aus dem Koma auf. Schnell erkennt er, dass die Masse der Bevölkerung zu Zombies mutiert ist. Er schließt sich ein paar überlebenden Nichtinfizierten an und flüchtet zu einem übriggebliebenen Militärstützpunkt, wobei hier die Bedrohung sowohl von außen als auch von innen zu kommen scheint.
Ich weiß nicht wirklich warum mir der Film so gut gefällt. Es gibt keine klare Handlungseben außer dem Drang zu überleben. An einen Sieg ist angesichts der schieren Übermacht der geistlosen Zombies nicht wirklich zu glauben. Aber der Film weiß einfach mit seinen Bilder und seiner Musik eine Stimmung aufzubauen die einen Stellenweise von der Atmosphäre her an ähnliche Filme aus den 70er Jahren erinnert. Keine wirkliche Mainstreamwahre, sondern ein sehr atmosphärisches postapokalyptisches Szenario, das für mich zu keiner Zeit ein wirklicher Horrorschocker war, wobei er wirklich drei, vier Momente hat in denen ein plötzlicher Zombieüberfall aus der absoluten Ruhe heraus die Nerven strapaziert. Macht man allerdings den Fehler in jedem ruhigen Moment darauf zu warten, dass es gleich wieder soweit ist, dürften die Nerven tatsächlich sehr beansprucht werden, da ein Großteil des Films relativ ruhig erzählt wird ohne das etwas passiert. Die einsamen Abende in einer Hütte in den Wäldern von England, die erbitterte dringlichkeit der Tötung eines infizierten Kindes dass eine Bedrohung für das eigene Leben darstellt, die erzeugte Vorstellung den eigenen Vater töten zu müssen, welcher infiziert ist und einen selbst infizieren möchte, riesige brennende Großstädte am Horizont die niemand mehr löschen und dazu die allseits präsente, ganz seichte unterschwellige Musik. Das mag vielleicht alles mal wieder aus anderen Filmen zusammengeklaut sein, geht aber deutlich besser auf als in Sunshine. Sogar Cillian Murphy spielt ihr auf ohne auf irgendeine Art unsymphatisch zu wirken.
Eigentlich habe ich ja an jedem Film irgendwas zu meckern. Aber bei 28 Days Later gibt es so gut wie gar nichts was mich stört. Man darf halt nur vorher keinen Horrorfilm erwarten, denn dass ist er nun wirklich nicht wobei ich ja mit der Definition von Horror immer so meine Probleme habe. Für mich ist 28 Days Later einfach ein sehr sehr stimmiger Film ohne dabei zu einem Meisterwerk zu sein. Auch kein Film der einem ein gutes Gefühl vermittelt, aber das ist gar nicht schlimm. Es passt einfach irgendwie alles.
Der Satz des Stützpunktkommandanten beim Essen gibt eigentlich den Tenor des Films gut wieder:
“Nun ich habe folgendes in den vier Wochen der Infektion gesehen: Menschen töten Menschen. Was in etwa dem entspricht was ich in den vier Wochen vor dem Ausbruch der Infektion gesehen habe, in den vier Wochen davor und in den vier Wochen davor. Menschen töten Menschen, was uns demzufolge in den Zustand der Normalität versetzt.”
