David Lynch &Geheimtipp &Myster &TopFilm Benjamin on 03 Apr 2007 04:53 am
Mulholland Drive – Straße der Finsternis (David Lynch, USA Frankreich 2001)
Handlung (Wikipedia)
Während der Fahrt einer festlich gekleideten dunkelhaarigen jungen Frau (Laura Harring) über den Mulholland Drive in Los Angeles kommt der schwarze Wagen plötzlich zum Stillstand. Fahrer und Beifahrer zwingen sie, mit einer Pistole in der Hand, auszusteigen. Doch noch bevor sie aus dem Cadillac steigen kann, kommt es zu einem folgenschweren Zusammenstoß mit einer weißen Limousine. Die Dunkelhaarige ist die einzige Überlebende und flüchtet vom Unfallort. Sie versteckt sich in einem Apartment in Los Angeles, welches gerade von einer älteren Dame verlassen wird.
Am nächsten Morgen kommt die junge Betty (Naomi Watts) in Los Angeles an. Am Flughafen in Los Angeles verabschiedet sich Betty von ihren Reisebegleitern, einem älteren Ehepaar, das ihr viel Glück in ihrem weiteren Leben wünscht. Das Ehepaar ist kurz darauf nochmals in einer schwarzen Limousine zu sehen, beide lachen höhnisch und grinsen sich an.
Betty träumt von einer großen Karriere in Hollywood und bezieht das Apartment ihrer Tante, die längerfristig nach Kanada verreist ist, um dort einen Film zu drehen. Zu ihrer Überraschung findet sie dort unter der Dusche eine verstörte, dunkelhaarige Frau (das Opfer des Verkehrsunfalls) vor. Betty fragt sie nach ihrem Namen, doch die Unbekannte hat diesen vergessen. Sie erblickt auf einem Filmplakat von Gilda den Namen Rita Hayworth und gibt sich kurzerhand als Rita aus.
Im Schnellrestaurant Winkie’s berichtet ein ängstlicher Mann einem anderen von seinem Traum, in dem er ein furchtbar aussehendes Gesicht hinter jenem Schnellrestaurant sieht. Der Selbstsichere will dem Ängstlichen seine Angst nehmen, und sie gehen hinter das Gebäude. Plötzlich taucht jenes “Monster” aus dem Traum auf. Dabei kollabiert der Ängstliche und bricht zusammen. Der Andere legt dabei noch seine Hand an den Hals des Kollabierten, um seinen Puls zu fühlen.
Währenddessen wird dem Regisseur Kesher (Justin Theroux) vorgeschlagen, wer die weibliche Hauptrolle in seinem neuen Projekt spielen soll. Er lehnt die vorgeschlagene und bisher unbekannte Camilla Rhodes empört ab, woraufhin man ihm das Projekt entzieht. In seiner Wut gegen die Castigliane-Brüder, die ihm Camilla Rhodes aufzwingen wollen, zertrümmert er die Windschutzscheibe und Motorhaube von deren Auto. Danach fährt er nach Hause, wo er seine Frau beim Seitensprung mit einem Handwerker ertappt. Er schnappt sich ihren Schmuck und übergießt ihn mit Farbe. Dabei gerät er in einen heftigen Streit mit ihr. Daraufhin greift ihn der Handwerker an und schmeißt ihn aus seinem eigenen Haus hinaus.
Zur selben Zeit erschießt ein Auftragsmörder seinen Kollegen, der ebenfalls Killer ist, um in den Besitz eines Notizbuches zu kommen. Wegen eines Missgeschicks, bei dem er aus Versehen durch die Zimmerwand schießt, muss er die aufmerksam gewordene Nachbarin und eine Reinigungskraft ebenfalls erschießen. Als er auch noch den laufenden Staubsauger “erschießt”, wird durch die Rauchentwicklung der Feueralarm ausgelöst. Er muss überstürzt fliehen und macht sich auf die Suche nach einer Dunkelhaarigen.
Betty telefoniert unterdessen mit ihrer Tante und erfährt, dass diese keine Rita kenne. Rita gesteht schließlich, dass sie sich in Wahrheit an nichts erinnern kann, außer einem Unfall auf dem Mulholland Drive, und nicht einmal wisse, wer sie sei. Schließlich öffnen sie Ritas Handtasche in der Hoffnung, in dieser einen Ausweis zu finden. Doch zu ihrer Überraschung befinden sich in dieser vier Bündel Geldscheine und ein seltsam anmutender blauer Schlüssel. Betty verwahrt die Tasche in einem Schrank und verspricht Rita, ihr zu helfen.
Beim Lokal Winkie’s erkundigen sich die beiden Frauen mittels Münzfernsprecher bei der Polizei, ob es letzte Nacht einen Unfall auf dem Mulholland Drive gegeben hat. Anschließend gehen sie ins Lokal, wo Rita auf dem Namensschild der Bedienung den Namen Diane liest und glaubt, selbst so zu heißen.
Unterdessen sucht Adam Kesher in einem heruntergekommenen Park Hotel Unterschlupf. Der Manager “Cookie” erzählt Adam, dass zwei Männer von seiner Bank vorbeigekommen sind, um ihm mitzuteilen, dass Adams Konto leer ist. Er stellt sich nun die Frage, wie diese seinen Aufenthaltsort herausbekommen haben. Adam kontaktiert daraufhin seine Mitarbeiterin Cynthia. Diese teilt ihm mit, dass er auf eine verlassene Ranch fahren solle, um dort einen “Cowboy” zu treffen, der ihm helfen will. Adam macht sich auf den Weg zur Ranch, wo nach einiger Zeit der “Cowboy” erscheint. Er fordert Adam auf, ein erneutes Casting zu machen, in dem er Camilla Rhodes für die Hauptrolle engagieren soll. Er bekommt mitgeteilt, er würde den “Cowboy” noch einmal sehen, wenn er es richtig macht, und zweimal, falls er es falsch machen sollte …
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Mulholland Drive ist ein Film, mit dem man ein ganzes Schulhalbjahr Deutsch LK füllen könnte. Er ist prall gefüllt mit Metaphern und Symbolen. Die Geschichte ist derart verworren, dass man den Film und die Figuren und Symbole darin auf zig verschiedene Arten deuten kann. Liest man eine Interpretation des Films, so erscheint einem alles scheinbar schlüssig, liest man dann eine andere, die sich dem Film von einer anderen Seite nähert, so kommt einem diese genau so plausibel vor. Es gibt wahrlich keine Interpretation des Films, die alle offenen Fragen beantworten kann. Selbst bei einer in sich schlüssigen Betrachtungsweise bleiben immer einzelne Elemente die nicht reinpassen.
Der Film teilt sich im Grunde auch wieder in zwei Hälfte, die erste dauert fast zwei Stunden, die zweite dauert dann nur ca. 20 Minunten. In der zweiten Hälfte haben die vorher eingeführten Charaktere auf einmal andere Namen und Identitäten. Die gängige Deutung ist, dass die erste Hälfte ein Traum ist und die zweite die Realität zeigt. Aber das kann auch nicht die wirklich Lösung sein, weil es die Mysterien der zweiten Hälfte nicht erklärt, etwa die Bedeutung der blauen Box oder das erneute auftauchen des alten Ehepaares. Natürlich können es auch einfach Symbole sein die Lynch auch der Realität benutzt ohne dass die Realität deswegen nich mehr Realiät ist.
In einer anderen Theorie handelt es sich nicht um Theorie sondern es werden Bezüge zur antiken Literatur aufgezeigt. So werden die zentralen Symbole des Films, das Monster, die blaue Box und das alte paar als Vertofflichung von Schicksal und Vorbestimmung gedeutet. So ist z.B. Rita im ersten Teil eigentlich der Tod vorbestimmt, was auch am Anfang ja gezeigt wird. Sie stirbt auch aber akzeptiert ihr Schicksal nicht und biegt querfeldein von der Straße des Todes ab (was wir ja auch am Anfang zu sehen bekommen). Daher ist sie eher zurückhaltend bei der Erforschung ihrer Identität. Diese Theorie wird im zweiten Link sehr ausführlich erläutert und ich persönlich finde es ist die interessanteste.
Man kann diesen Film sehen und danach stundenlang über mögliche Deutungen diskutieren. Zu einem Ergebnis wird man nicht kommen aber es macht einfach Spass sich derart mit einem Film überhaupt auseinander setzen zu können.
Diesmal gelingt es Lynch vor allem ausnahmsweise seinen Film nicht so aussehen zu lassen, als wäre er zwanzig Jahre vor dem Produtionsjahr gedreht worden.
Wobei recht interessant ist, dass der Film eigentlich wirklich zehn Jahre älter ist als er ist. Lynch wollte Anfang der 90er Jahre nach Twin Peaks eine weitere Fernsehserie drehen, die die Traumfabrik Hollywood als zentrales Thema hat. Doch nach Fertigstellung des Pilotfilms wurde das Projekt von ABC verworfen.
Lynch arbeitete schließlich für The Straight Story mit einer französischen Produktionsfirma zusammen, die schließlich auch die Vollendung von Mulholland Drive ermöglicht hat. Da es jetzt ein eigenständiger Film werden sollte musste natürlich einiges angepasst und neu gedreht werden, so dass die Schauspieler nach fast zehn Jahren nochmal erneut engagiert werden mussten, was man etwa Naomi Watts in der Restaurantszene auch deutlich ansieht.
Mit diesem Hintergrundwissen fragt man sich bei der Analyse dann doch schon ob manche Szenen im Film im Grunde wirklich keine wirkliche Bedeutung haben, sondern zu späteren Verwendung in der Serie gedacht waren.
Alles in allem sicherlich Lynchs bester Film, der allerdings recht deutliche parallelen zu Lost Highway hat.
Der Film hat wirklich duzende Deutungsmöglichkeiten. Da ist einmal die blaue Box das Verbindungsstück zwischen Paralleuniversen, mal ist Seelenwanderung des Rätselslösung, mal ist alles fiktiv mal ist alles real. Ich denke für diesen Film gibt es keine endgültige und richtige Lösung. Keine Wahrheit von der Lynch geschickt ablenk und die man entschlüsseln kann, wenn man alle Symbole “richtig” deutet. Es macht aber Spass sich so mit einem Film auseinandersetzen zu können, denn so ist jeder Sichtung immer wieder ein Erlebnis für sich und der Film wird dadurch dass man die Story schon komplett kennt nicht langweiliger, sondern im Gegenteil interessanter, da man so seine nach dem letzten Sehen aufgestellte Theorie überprüfen kann und gleichzeitig darauf achten kann, ob andere Theorien nicht auch möglich sind.
Auch wenn das ganze einen natürlich ziemlich konfus dasitzen lässt, wünschte ich mir doch, es gäbe mehr Regisseure die solche Filme drehen würden.
Ansätze gibt es ja immer wieder, so lässt z.B. “Memento” dem Zuschauer auch im Endeffekt Raum für eigene Intepretationen (ist Lenny Sammy? Hat Lenny Elemente von Sammy für seine eigene Geschichte übernommen, etc.) ist dabei aber viel eingänglicher und bedient sich auch nicht so vieler Symbole.
Ganz klar Daumen hoch für David Lynch in diesem Fall. Vor allem die Wahl der Schauspieler ist hervorragend getroffen wollen. In INLAND EMPIRE spielt ja leide Laua Dern wieder die Hauptrolle, man darf sehr gespannt sein, ob es Lynch gelingt sich noch weiter zu steigern oder ob Lost Highway / Mulholland Drive seine Höhepunkte waren.
Wer sich etwas mit den Analysen des Films beschäftigen möchte, hier ein paar zufällig ausgewählte Links:
http://www.themodernword.com/mulholland_drive.html
http://www2.hu-berlin.de/klassphil/allgemein/Wittchow1.pdf
http://www.mulholland-drive.net/home.htm
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