Antikrieg &Vietnam Benjamin on 09 Apr 2007 01:30 pm

Platoon (Oliver Stone, 1986)

Sgt. Elias: What happened today was just the beginning. We’re gonna loose this war.
Chris Taylor: Come on! You really think so? Us?
Sgt. Elias: We’ve been kicking other peoples asses for so long I figured it’s time we got ours kicked.

Irgendwie hatte ich diesen Film anders in Erinnerung, als er letztendlich ist. Es ist schon interessant zu sehen, wie sehr sich die Antikriegsfilme der letzten Zeit (Ryan, Apocalypse Now) inhaltlich doch unterscheiden. Alle haben den Krieg und den Wahnsinn des Krieges als zentralen Mittelpunkt, aber jeder packt das Thema auf eine vollkommen unterschiedliche Art an.
So zeigt auch Platoon die negativen Seiten des Vietnamkrieges an, bezieht sich dabei aber auf die Mißstände die innerhalb der US Army herrschen.
Die einzelnen Batallione sind keine Einheiten bestehend aus Freunden, zwischen denen sich ein tiefes Band gebildete hat. Dafür fehlen allein die Voraussetzungen. Jeder hier hat ein Jahr Dienstzeit. Der eine hat noch 35 Tage, der andere 160 und der Neuling darf noch 330 Tage absitzen. So kommt es immer zu einem Austausch, binnen kürzester Zeit wird der Frischling zum alten Haudegen mit Erfahrung und es kommt ein Neuer der noch grün hinter den Ohren ist. So kann keine wirklich Einheit und Freundschaft enstehen. Und so kann auch kein Krieg gewonnen werden. Amateure, die sich teils freiwillig gemeldet haben, teils als Bestandteil der Army nach Vietnam geschickt wurden, die im learning-by-doing Verfahren zu Profis werden. Kaum sind sie soweit, dass sie überhaupt begreifen, was um sie herumpassiert sind ihre 365 Tage auch schon um, und sie kehren heim.
Elias sagt es voraus “Wir werden diesen Krieg verlieren.”

Der Krieg wird mehr gegen sich selbst geführt als gegen den Vietcong, der unsichtbar im Dschungel verborgen ist. Zwischen den Führungspersönlichkeiten kommt es zu Kompentenzgerangeln, in Gestalt von Barnes, der seinen eigenen Krieg führen will und jeden Vietnamesen bezichtigt ein Vietcong zu sein und gerne auch mal ein ganzes Dorf mitsamt Alten, Frauen und Kindern auslöschen will, und in Person von Elias, der wenigstens noch einen letzten Rest Menschlichkeit aufrecht erhalten will. Schwarze werden gerne diskriminiert und gepisakt, obwohl sie doch das eigentliche Rückgradt der Streitkräfte sind und für ein Land in den Krieg ziehen, dass es ihnen nicht dankt.
Oliver Stone verarbeitet in diesem Film seine ganz persönlichen Vietnameindrücke, die Szene im Dorf etwa hat er in seiner Zeit in Vietnam so ähnlich erlebt. Gedreht wurde im gegensatz zu AN wirklich in Vietnam, was dem Film ein kleines Stück mehr Authenzität verleiht und auch hier mussten die Schauspieler in ein Trainigscamp für Soldaten, wo sie die ganze Zeit über in ihrer Rolle bleiben mussten. Einige der Schauspieler sagten hinterher, dass dies die schlimmste Zeit ihres Lebens war. Direkt im Anschluß an das Trainingslager wurden die Dreharbeiten begonnen, damit die Schauspieler ihre Form nicht verlieren und der Film wurde nahezu chronologisch gedreht. Wer erschossen wurde im Film durfte heimfliegen, da er nicht mehr gebraucht wurde und auch die Freude Sheens am Ende auf die Heimkehr wirkt so ein Stück realer, da nach diesem Drehtag wirklich Schluß war.
Sicherlich einer der besten Filme der 80er Jahre, zurecht mit dem Oscar für den besten Film bedacht.

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