Antikrieg &Steven Spielberg &Tom Hanks &Weltkrieg Benjamin on 08 Mai 2007 01:15 pm
Der Soldat James Ryan (Steven Spielberg, USA 1998)
Handlung (Wikipedia.de)
1. Teil: Die Landung in der Normandie
„Der Soldat James Ryan“ bietet eine der eindrucksvollsten filmischen Umsetzungen der Landung der Alliierten in der Normandie am „D-Day“ 6. Juni 1944. Während auf allen anderen Stränden die Landung durch Artillerie- und Luftangriffe gut vorbereitet war und weitgehend ruhig verlief, kam es auf dem im Film gezeigten Omaha Beach beinahe zu einer Katastrophe für die Alliierten. Durch ungenauen Beschuss blieben die deutschen Befestigungen und Mannschaften weitgehend intakt und konnten heftiges Gegenfeuer leisten, dem die Infanteristen am Strand schutzlos ausgeliefert waren und zahlreiche Boote voll Soldaten beim Ausstieg oder wenige Sekunden danach komplett niedergeschossen wurden. Gezeigt wird eine kleine Gruppe Soldaten, die die Landung am Strand überlebt haben und an einer genau bezifferten Stelle eine Bresche in die deutschen Befestigungsanlagen oberhalb der Dünenkette schlagen müssen. Anders als im Film, wo es sich scheinbar nur um eine halbe Stunde handelt, zog sich die Landung bis in den Nachmittag hin. Historisch korrekt muss dargelegt werden, dass die Alliierten auch an einen Rückzug an diesem Strandabschnitt gedacht haben. Die mit allen Mitteln der Illusionsmaschine Kino arbeitende Inszenierung des Grauens gilt als stilbildend und beeinflusste nachhaltig die filmische Darstellung des Krieges.
2. Teil: Die Suche nach James Ryan
Captain Miller macht sich nach der Landung in der Normandie (Omaha Beach) mit sieben Soldaten auf die Suche nach dem Fallschirmjäger James Ryan von der 101. Luftlandedivision, dessen drei Brüder bereits im Krieg gefallen sind. Auf der von zahlreichen Wirrnissen geprägten Suche nach Ryan geraten sie in eine Reihe von Gefechten mit den Deutschen, die sie zwar alle gewinnen und dabei zahlreiche Deutsche töten, bei denen aber auch zwei Mitglieder des Trupps auf dramatisch inszenierte Weise ums Leben kommen.
In einem Gefecht erschießen sie sämtliche deutsche Soldaten, die sie durch den Zusammensturz einer Mauer plötzlich in einem Verschlag antreffen und die der amerikanischen Soldatengruppe mit gleichfalls gezogenen Waffen gegenüberstehen.
Als ein Einwohner einer umkämpften französischen Stadt dem Soldaten Caparzo (gespielt von Vin Diesel) sein Kind anvertrauen will, wird der Soldat von einem deutschen Scharfschützen angeschossen und muss auf der Straße verbluten, da der Scharfschütze nur darauf wartet, dass weitere Amerikaner dem Verwundeten zuhilfe und ins Schussfeld des Scharfschützen kommen. Als der amerikanische Scharfschütze Private Jackson (gespielt von Barry Pepper) den Deutschen schließlich tötet, ist der am Boden liegende Amerikaner bereits tot.
In einem weiteren Gefecht stürmen sie eine deutsche MG-Stellung und töten alle Soldaten bis auf einen, den sie übersehen haben, wollen ihn jedoch ermorden, weil der amerikanische T-Medic Wade (gespielt von Giovanni Ribisi) bei dem Angriff ums Leben kam, was jedoch durch den Captain und Corporal Upham verhindert wird.
Ryan hat die Aufgabe, eine für beide Seiten wichtige Brücke mit nur einer Handvoll weiterer Fallschirmjäger gegen einen mit Sicherheit kommenden Gegenstoß der Deutschen zu verteidigen.
Er weigert sich, seine Kameraden im Stich zu lassen, und so fasst Miller den Entschluss, mit seinen Männern bei der Verteidigung der Brücke zu helfen. Die Schlacht überleben nur Ryan und zwei weitere Mitglieder des Trupps. Der deutsche Soldat, der zuvor von der Gruppe freigelassen wurde, wird von Corporal Upham erschossen. Daraufhin fordert Miller James Ryan auf, etwas besonderes aus seinem Leben zu machen und zu beweisen, dass er die Aktion wert war. Als alter Mann kehrt Ryan in die Normandie zurück und salutiert seinem Captain an dessen Grab vor seinen versammelten Kindern und Enkelkindern.
Meinung
Ich muss zugeben dass ich erst beim heutigen sehen dass Ende wirklich verstanden habe, wobei ich den Film das letzte mal im Kino gesehen habe, und da war ich doch noch recht jung.
Die anfängliche Schlacht um Omaha Beach gehört sicherlich zum eindrucksvollsten was je im Kino gezeigt wurde und stellt zugleich den vorgezogenen Höhepunkt des Films dar. Der weitere Filmverlauf enthält zwar auch Kriegshandlungen und zeigt Szenen mitten aus dem Irrsinn des Krieges, allerdings stehen die menschlichen Schicksale und Empfindungen eher im Vordergrund als irgendwelchen großen taktischen Manöver oder Schlachten, wobei gar nicht erst versucht wird die Schlachtfelder der Nomandie als Ort für ein großes Drama zu nutzen. Jeder Charakter bekommt nur wenige Zeilen Text um sich selbst zu charakterisieren und dennoch baut man sehr schnell eine Bindung zu den tapferen acht Soldaten auf, die sich auf diese vollkommen irrsinnige Mission begeben. Der Realismus des Krieges steht jederzeit im Vordergrund.
Spielberg hat versucht so nah an der Realität zu bleiben wie möglich und mehrere Veteranen die den Film gesehen haben, haben ihm bescheinigt dieses Ziel erreicht zu haben. So wird der Film zu einem bildgewaltigen Zeitzeugen dieser düsteren Epoche der Menschheitsgeschichte und man wohnt dem Geschehen fast dokumentarisch bei. Die Musik wird nur sehr spärlich und sehr hintergründig eingesetzt, in jeglichen Kriegsszenen fehlt sie zur Unterstreichung des Realitätsgedankens vollkommen.
Die Story rund um den Soldaten James Ryan wirft sicherlich einige pseudophilosophische Fragen auf, basiert sie zwar auf wahren Begebenheiten beziehungsweise wird von diesen inspiriert so ist sie doch vielmehr nur Grundgerüst für ein beeindruckendes Weltkriegsdrama mit großartigen Schauspielern (sogar Vin Diesel weiß hier mal zu überzeugen, wurde die Rolle doch extra für ihn geschrieben) welches atemberaubend in Szene gesetzt wurde. Sogar Tom Hanks schafft es hinter seinem Charakter zu verschwinden, und gibt eine hervorragende Leistung ab und es wäre nicht überraschend gewesen hätte er dafür seinen dritten Oscar bekommen.
Wo bei Apocalypse Now der Wahnsinn des Krieges durch Surrealität ausgedrückt wurde erdrückt einen Der Soldat James Ryan mit erschreckend real wirkenden Bildern.
Der Film zählt sicherlich zu den besten Filmen Spielbergs und reiht sich neben Apocalypse Now ein unter den besten Kriegsfilmen die je gedreht wurden.
9 / 10
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