Action &Brad Pitt &Drama &Edward Norton &Geheimtipp &TopFilm Benjamin on 08 Mai 2007 01:28 pm
Fight Club (David Fincher, USA 1999)
Mein persönlicher bester Film aller Zeiten, der es schafft sogar den epischen Herr der Ringe auf die Plätze 2 – 4 zu verweisen. Es gab wohl noch nie einen Charakter in der Filmgeschichte wie den Erzähler der bezeichnenderweise noch nicht einmal einen Namen hat, wir nennen ihn aber Jack. Ich werde nicht einmal ansatzweise in meiner Filmbeschreibung die Genialität dieses Meisterwerks erfassen oder gar beschreiben können. Die teils drastische, teils heftige Gewaltdarstellung kombiniert mit dem Filmtitel lassen manche Leute denken es handle sich um einen brutalen Actionfilm, bei dem es um Gewalt ginge und eben diese Mittel zum Zweck sei.
Wer dies so sieht oder äußert hat den Film einfach nicht verstanden, wobei es zugegebenermaßen schwer ist, den Film überhaupt einem Genre zuzuschreiben. Er vereint so vieles in sich, dass es schwer ist, seine einzelnen Komponenten zu entschlüsseln zumal sie oft mehrere Dinge gleichzeitig aussagen.
In erster Linie ist der Film etwas was man in Buchform als Entwicklungsroman beschreiben würde. Wir sind den ganzen Film über Zeuge der Entwicklung von Jacks Persönlichkeit. Alle auftretenden Charaktere sind im Grunde nur Facetten von Jacks Persönlichkeit. Bob, das Zwitterwesen ohne Hoden mit riesigen Brüsten ist Sinnbild für Jacks eigene Unsicherheit, er ist sich seiner Männlichkeit nicht bewußt und Bob stellt seine weibliche Seite da, währrend im Gegenzug Marla Singer eben diese Seite darstellt. Tyler Durden schließlich ist all das, was Jack selbst gerne selber sein würde, sogar Chloe, die nur einen sehr kleinen Part im Film einnimmt ist Teil dieser Persönlichkeit bzw. ein Wunschgedanke, denn sie hat das erreicht wonach Tyler und damit Jack strebt, sie ist am absoluten Nullpunkt angekommen.
Aber zugleich ist der Film auch Gesellschaftskritik. Er prangert Konsummuster und durch Werbung vorgegebene Ideale. Er sagt einem Mann sollen alles hinterfragen, seine Augen immer offenhalten, auch für eigentlich selbstverständliches, wie z.B. Sauerstoffmasken im Flugzeug, diese Botschaft bringt er aber auch auf eine andere, sehr subtile Weise rüber. So glaubt man zwei Stunden lang die Wahrheit zu sehen, man ist sich sicher, dass das was man sieht Realität ist und hinterfragt sie nicht, bis man nach fast zwei Stunden vor Augen geführt bekommt, dass man auch hier getäuscht wurde, und sich eine Selbstverständlichkeit, die Realität Tyler Durdens, in Nichts aufflöst.
Das Tempo das der Film dabei vorgibt ist mörderisch. Hat ein normaler Film im Normalfall 600 Schnitte, so hat allein die vorletzte Sequenz 300 Schnitte. Manche einminütigen Szenen haben über 50 Schnitte. Und all dies, jeder Satz, jede Szene, jedes Leuchten im Hintergrund jeder gesprochen Satz in diesem Film hat eine Bedeutung und gibt einem Aufschluß über die Charaktere und deren Bedeutung. Es gibt in diesem Film nichts was überflüssig ist. Und das ist wirklich selten, was einem sehr deutlich wird, wenn man gerade Private Ryan gesehen hat, bei dem man sich sicher auch 20 Minuten hätte schenken können.
Nicht so bei Fight Club. Hier hat alles Hand und Fuß. Der Film basiert auf einem Buch von Chuck Palahniuk. Der Film schafft es nahezu jedes wichtige Zitat aus dem Buch in den Film zu bringen und die meisten Dia bzw. Monologe sind direkt dem Film entnommen. Palahniuk selbst sagte, dass ihm das Ende des Film besser gefällt als das Ende seines eigenen Buches.
Dieser Film hat so unglaublich viele Facetten dass er jeden David Lynch Film noch übertrifft. Der Film tritt oft sogar aus dem Medium Film heraus und spielt mit sich selbst. Er nimmt sich selbst auf den Arm, geht ironisch mit sich um, zeitweilig treten aber auch die Schauspieler aus seinem Charakter heraus und wendet sich direkt an den Zuschauer (“Ich danke der Academy”).
Wie bereits eingangs erwähnt könnte nichts was ich schreiben würde dem Film gerechet werden. Ich kann jedem nur wärmsten empfehlen sich auf diesen Film einzulassen. Allein die Performance von Brad Pitt, der hier sein Saubermannimage in Grund und Boden spielt aber vor allem Edward Norten als namenloser Erzähler der uns mit seiner ruhigen symphatischen Stimme (egal welche Sprachversion man kuckt) uns direkt von Anfang an im Voiceover in seinen Bann zieht.
Der Film weiß sicher zu polarisieren und er wird nicht jedem gefallen, aber man sollte versuchen, über die Oberfläche hinweg zu sehen und ein wenig in die Tiefe von Fight Club zu blicken. Falsch machen kann man eigentlich nichts, denn mit dem richtigen Sinn für Humor ist Fight Club zugleich noch eine Komödie vom Feinsten, da viele Sprüche eine gewisse Ironie und einen Sarkasmus ausdrücken, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen.
Wer sich etwas näher mit dem Film auseinander setzen möchte und vor Augen geführt bekommen möchte, was wirklich alles in Fight Club steckt, dem lege ich die folgenden zwei Links wärmsten ans Herz, wobei nach deren Lektüre klar werden dürfte, dass jeder ganz eigene Ansichten zu Fight Club entwickeln kann und es auch hier keine allgemein gültige Lösung für das Verständnis des Films gibt.
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/lia/21553.html
http://www.medienladen.ch/download/fight_club.pdf
Fakt ist aber dass so unglaublich viel in diesem Film steckt, dass man auch nach dem fünfzigsten sehen immer wieder neues für sich entdecken kann. Seien es nun Kleinigkeiten oder große Zusammenhänge im Film. Ein Film zum immer wieder anschauen und es ist wirklich schwer, sich an ihm satt zu sehen. Mir ist es auch nach sicherlich fast schon fünzig Sichtungen jedenfalls noch nicht gelungen
Für mich persönlich der mit Abstand beste und tiefgründigste Film den Holllywood in den letzten Jahren hervorgebracht hat und mein persönlicher All-Time-Number-One Film. David Fincher hat mit Seven schon ahnen lassen, dass viel in ihm steckt, The Game hat dies nocheinmal unterstrichen, mit Fight Club hat er sein Meisterwerk abgeliefert.
10/10
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