Drama &TopFilm Benjamin on 02 Jun 2007 01:38 pm

Der Duft der Frauen (Martin Brest, USA 1992)

Lange Zeit habe ich mich vor diesem Film gescheut, seltsamer Titel, so lang, zwar mit Al Pacino aber trotzdem konnte ich schwer einordnen was das wohl für ein Film ist. Nach mittlerweile mehrmaliger Sichtung muss ich sagen dass es ein wirklich großartiger Film ist. Al Pacino ist hier als blinder pensionierter Colonel Frank Slade in wohl einer der besten Rollen seiner Karriere zu sehen.

Der junge Charlie ist Student an einer teuren Privatuni und kommt aus armen Verhältnissen. Währrend als seine reichen Schulkameraden über Thanksgiving zu ihrer Familie oder in den Urlaub fahren kann er sich die Heimatfahrt nicht leisten und daher nimmt gerne einen Job an dem er an Thanksgiving ein Haus hüten soll und sich gleichzeitig ein wenig um ein pflegebedürftiges Familienmitglied kümmern soll. So lernt das ungleiche Paar sich kennen. Anfangs wirkt Slade wie ein verbitterter alter Mann, im Laufe des Wochenendes erkennt Charlie aber dass Slade sich einfach nie an seine Blindheit gewöhnen konnte, die er auch noch selbst verschuldet hat, und sich als überlüssigen Parasiten sieht, der niemandem mehr nütze ist. Die Szenen der beiden sind ziemlich intensiv, auf der einen Seite Slade, der Charlie selbstsüchtig mit seinen Lebensweisheiten belehrt und auf diese Weise Stücke für Stück von sich selbst preisgibt, auf der anderen Seite Charlie, der einfach ein grundanständiger junger Mann ist, der noch an das gute in der Welt glaubt und nicht möchte dass Slade sich aufgibt. So entwickelt sich im Laufe des Wochenendes eine ziemlich intensive Beziehung zwischen den beiden und aus ihnen werden sogar Freunde.

Ich habe lange Zeit nichts zu dem Film geschrieben, weil es wirklich sehr schwer ist ihn in Worte zu fassen. Al Pacinos Performance ist einfach unglaublich intensiv und einnehmend, auch wenn er ab und zu hellseherische Fähigkeiten an den Tag legt die mit den geschärften Sinnen eines blinden nicht zu erklären sind, aber das tut dem Film keinen Abbruch, zumal Slades Lebensmotto lautet “Der Tag an dem wir aufhören hinzusehen, sterben wir”. Angesichts seiner Behinderung ein sicher interessantes Motto. Doch Chris O’Donnell schafft es neben Pacino zu bestehen, in dem er gar nicht versucht mitzuhalten sondern sich einfach nur auf seinen Charakter konzentriert.
Der Film ist durchzogen von Magic Moments, allen voran die Szene in der der blinde Slade mit einer fremden jungen Frau in einem Hotelrestaurant einen Tango aus dem Bilderbuch tanzt und dann natürlich die Slades Autofahrt in der er mit einem geliehenen Auto durch eine Hafengegend in New York fährt.
Ich habe den Film jetzt schon mehrere Male hintereinander gesehen, er macht trotz seiner Länge jedesmal wieder Spass und jedes mal wieder ist die Faszination die er auf mich ausübt schwer zu erklären. Er gehört auf jeden Fall zu den Filmen die man gesehen haben sollte, vor allem wenn man Spass an schauspielerischen Glanzleistungen hat. Zu Recht hat Al Pacino für die Rolle des Colonel Slade den Oscar bekommen.

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