Antikrieg &Robert deNiro &Vietnam Benjamin on 03 Jun 2007 01:39 pm

Die durch die Hölle gehen (Michael Cimino, USA 1979)

Letzte Woche hat es spät es nachts als ich Feierabend im Kino hatte sehr stark geregnet und gewittert und ich hatte nur Sommerklamotten an, so dass ich gezwungenermaßen zusammen mit einem Gast vor dem Kino warten musste bis sich das Wetter etwas beruhigt hat. Dabei haben wir uns natürlich über Kino und Filme unterhalten und haben dabei auch über diesen Film geredet, wobei ich ihn noch nicht kannte. Nachdem ich ihn dann gestern Nacht als ich die Liste der bisherigen Oscargewinner durchgegangen bin gefunden habe, habe ich dann heute mal in unserer Videothek gekuckt, ob die ihn da haben, so dass ich dann den Film auf der Arbeit gekuckt habe.

Der Film erzählt die Geschichte der drei Freunde Michael, Nick und Steven, drei Stahlarbeiter russischer Abstammung die im Provinzstädtchen Clairton in Pennsylvania leben und arbeiten. Der Film dauert drei Stunden und gliedert sich in drei nahezu gleich lange Teile – Vor Vietnam – In Vietnam – Nach Vietnam, so dass es weniger um den Krieg an sich geht, als viel mehr um die Auswirkungen die der Krieg auf das Leben der Menschen hat.
Der Anfang zeigt die drei Freunde in ihrer heimatlichen Umgebung. Es Freitag abend und am Montag steht ihre Abreise nach Vietnam bevor. Doch zuvor heiratet Steven seine Freundin Angela, und anschließend fahren die drei zusammen mit ihren Freunden und Arbeitskollegen auf die traditionelle Hirschjagd in die Berge. Dieser Teil des Films beschäftigt sich sehr intensiv mit den Charakteren und ihrer Beziehung zueinander, allgemein zeigt er uns eine Gemeinschaft von Immigranten die ihre neue Heimat lieben und sich trotzdem ihre kulturelle Identität bewahrt haben.

Dann kommt der Teil in Vietnam, welcher wenig vom eigentlichen Krieg zeigt der Hauptteil dreht sich hier um die Gefangenschaft der drei Freunde, welche vom Vietcong gefangen genommen und in Käfigen im Wasser festgehalten werden. Ihre Wächter zwingen die Gefangenen gegeneinander russisches Roulette zu spielen, was für sehr emotionale, aber auch kontroverse Szenen sorgt, da es keine wirklich Stichhaltigen Belege dafür gibt, dass der Vietcong wirklich so mit seinen Gefangenen umgegangen ist, zumal hier der Vietcong hier wirklich als grausam, brutal und unmenschlich dargestellt wird, während auf die Vergehen und Verbrechen der Amerikaner in Vietnam kein Bezug genommen wird.
Doch die drei können sich retten, werden aber auf ihrer Flucht getrennt, während Nick von einem Helikopter mitgenommen wird, gelingt es Michael und Steven nicht ihn zu erreichen und sie stürzen mehrere Meter tief in einen Fluß wobei sich Steven beide Beine bricht und anschließen von Michael getragen wird.

Die beiden werden schließlich gefunden und kehren heim – nun beginnt der dritte Teil der zeigt wie sehr sich das Leben aller Beteiligten verändert hat.
Michael ist der einzige der mehr oder weniger unbeschadet durch den Krieg gekommen ist, wobei er auch ihn verändert hat. Stevens Beine mussten amputiert werden und ist einem Krankenhaus für Veteranen und will eigentlich auch da bleiben, weil der draußen niemanden zur Last fallen will.
Seine Frau Angela ist vollkommen verstört und redet nicht mehr. Nick scheint sich die Schuld für vieles zu geben weil er gerettet wurde und die anderen beiden nicht. So schickt er Steven jede Woche Geld. Geld das er mit russischen Roulette in Vietnam verdient. Offensichtlich scheint dieser “Sport” keine nur für Amerikaner bestimmte Foltermethode zu sein, sondern perfides Glücks- und Wettspiel dass auch in der vietnamesischen Hauptstadt großen Zuspruch findet.
Michael kehrt dorthin zurück und versucht Nick ausfindig zu machen und zur Rückkehr zu bewegen, und steigt schließlich sogar in ein russisches-Roulette-Duell gegen Nick ein, um den vollkommen traumatisierten Freund zur Vernunft zu bringen und riskiert dabei sein Leben….

Manchmal Frage ich mich wirklich, wieso man und ich selbst auch Geld für so einen Schund wie die xte Fortsetzung irgendwelcher Hollywoodblockbuster ausgebe, wo man das Geld doch viel lieber in das Ausleihen von Filmperlen investieren sollte. Dieser Film war meines Wissens nach einer der ersten der sich mit Vietnam beschäftigte, was 1979 noch ein Tabuthema für die großen amerikanischen Studios war, da das Trauma des Krieges noch viel zu präsent war. So kam es auch dass der spätere Vertreiber des Films Universal erst einstieg als der Film sich mitten in der Produktion befand. Der Film wird von Robert de Niro getragen, der in diesem Film einmal mehr beweist, dass zu Recht als einer der besten Schauspieler aller Zeiten gehandelt wird, wobei man natürlich mit solchen Superlativen immer vorsichtig sein sollte.

In diesem drei Stunden Film wird nicht wirklich viel geredet, die meiste Zeit ist man beobachter von Dingen die sich ohne Worte abspielen, und das ganze drei Stunden lang. Dass der Film dabei nicht eine Sekunde lang langweilig wird, spricht für die Qualität der Schauspieler, grade in der ersten Stunde in der wirklich recht wenig passiert, gerade wenn man denkt man sieht einen Film über Vietnam. Wobei wie eigentlich schon deutlich geworden sein dürfte “The Deer Hunter” kein Film über den Krieg in Vietnam ist, es ist ein Film über Amerika und die Auswirkungen des Krieges auf das Leben der beteitligten.

Sehr überraschend und angenehm fand ich es, den jungen Christopher Walken in einer guten Charakterrolle zu sehen, die über das hinausgeht, was man in den letzten Jahren so von ihm gesehen hat, für seine Leistung wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet, den wie eingangs schon erwähnt auch der Film als ganzes bekommen hat. Meryl Streep ist eine weitere heute noch sehr bekannte Schauspielerin die sich ebenfalls in diesem Film wiederfindet und deren Leistung ebenfalls hervorragend ist, vor allem wenn man bedenkt, dass sie einen großen Teil ihrer Sätze improvisiert hat. Wie für fast jeden ihrer Filme so ist sie auch für diesen Film für den Oscar nominiert worden, ohne ihn allerdings zu gewinnen.

Ein wirklich sehr intensiver, sehr guter Film, der auch ohne viele Worte drei Stunden lang zu fesseln weiß und einer der wenigen mir bekannten Antikriegsfilme ist, in denen der Krieg an sich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Auf jeden Fall ein Film den man gesehen haben sollte, wenn man gute und qualitativ hochwertige Filme mag, und der eigene Horizont über Fluch der Karibik und Spiderman hinausgeht.

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