Afrika &Drama &Meryl Streep Benjamin on 06 Jun 2007 03:10 am

Jenseits von Afrika (Sydney Pollack, USA 1985)

Wieder so ein Film welcher das oben beschriebene Phänomen auslöst. Beim Sehen irgendwie nicht langweilig, aber auch nicht so wirklich fesselnd, im Nachhinein wirkt er aber doch stark nach. Diese Nachwirkung wird an seiner Vielschichtigkeit liegen, die einfach da ist, ohne groß inszeniert zu wirken und sich deswegen dem Zuschauer nicht aufdrückt so dass man sie kaum bewußt als Element des Filmes wahrnimmt.
Out of Africa liefert zum einen wunderschöne Landschaftsaufnahmen Afrikas, speziell Kenias, falls der Film auch wirklich dort gedreht wurde, kombiniert mit einem malerischen Score der die Bilder nochmal zusätzlich untermalt. Meryl Streep mag ich eigentlich, aber in den Film wirkt sie irgendwie nicht. Ursprünglich sollte ihre Rolle mit Audrey Hepburn besetzt werden, die ca. 20 Jahre älter ist als Streep. Streep passt zwar vom Alter her besser, Hepburn hätte aber evtl. besser in den Film an sich gepasst. Robert Redford passt wunderbar in die ihm zugedachte Rolle. Die Romanze der beiden ist von Problemen belastet, bei denen man beide Seiten nachvollziehen kann. Karen (Streep) möchte einen Mann für sich, der ihr treu ist und bei dem sie keine Angst haben muss, dass sie ihn an einen anderen verliert. Dank ihres Ehemanns ist sie an Syphyllis erkrankt welche er sich wohl von einer seiner zahlreichen Affären eingefangen hat. Redfords Charakter Denys hingegen liebt Kate aber auch seine Freiheit und er ist nicht bereit auf das eine Zugunsten des anderen zu verzichten.
Karen selbst ist Farmerin und betreibt eine Kaffeefarm in Kenia. Auf ihrem 800 Hektar großen Land lebt ein eingeborenen Stamm, welchen sie dort leben lässt und um den sie sehr besorgt ist.

Wenn man Filme sieht die sich mit dem heutigen Afrika beschäftigen dann wünscht man sich für Afrika dass wieder Verhältnisse einkehren, wie sie zu Zeiten von Out of Africa, also zu anfang des 20. Jahrhunderts herrschten. Afrika war sicher damals schon arm, aber das war den Leuten relativ egal, da sie sich nicht arm gefühlt haben. Sie lebten ihr traditionelles Leben und haben die weißen einfach als unwissende Fremde gesehen, die an einem Ort waren an den sie nicht hingehören. Von Bürger- und Stammeskriegen die zum Verlegen von 100 Millionenlandminen und Streitereien über Erdölreserven führen ist noch keine Spur zu sehen. Alles ist noch sehr ruhig und friedlich, aber die Weißen wirken schon Massiv auf die Aufenthalts- und Besitzrechte der Eingeborenen ein, sie haben praktisch keine und werden auf dem Land der weißen Herren höchstens geduldet, in den meisten Fällen aber in Reservate vertrieben. So ist Out of Africa sowohl ein politisches als auch ein soziologisches Portät der Zustände in Afrika anfang des 20. Jahrhunderts, wenn diese Konflikte in der Handlung selbst eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Der Film ist durchaus autobiographisch da er auf wahren Begebenheiten beruht, obwohl sich der Film teilweise doch sehr weit davon entfernt. So wurde die Beziehung der beiden nicht wie im Film dargestellt beendet, sondern durch eine einfache Entfremdung zwischen Kate und dem bisxuellen Denys, der sich erst nach dem Tod seines Freundes voll auf Kate konzentriert hat. Auch war der Brand nicht die Ursache für das Ende der Farm. Nach dem Feuer wurde die Farm wieder aufgebaut und noch über ein Jahrzehnt weiterbetrieben, allerdings folgte Mißernte auf Mißernte, so dass Kate sie schließlich aufgeben musste. Wobei diese Abweichungen natürlich nur relevant sind wenn man die Orginalgeschichte kennt, dem Filmgenuß an sich tun sie keinen Abbruch.

Was bleibt als Fazit? Durchaus ein guter Film mit dem ich mittlerweile deutlich mehr anfangen kann als ich es noch vor zehn Jahren getan hätte, ob er mein Film des Jahres 1985 geworden wäre kann ich erst sagen wenn ich Die Farbe Lila gesehen habe. Auf jeden Fall ein Film den man allen Afrikaliebhabern ans Herz legen kann, liefert er doch ein Portät des Kontinents ab in dem es ihm sicherlich deutlich besser ging als heute. Die Bezeichnung Frauenfilm finde ich eigentlich recht blöd da ich mittlerweile doch sehr viele Filme mag die ich selbst früher als Frauenfilme bezeichnet habe, aber bei Out of Africa ist dies weiterhin der Fall. Wobei ich damit Männern die den Film sehr mögen nicht zu nahe treten möchte, vielleicht erschließt sich seine Faszination mir selbst in ein paar Jahren ja auch. Es ist an und für sich wie gesagt ein toller Film, dessen einziger Schwachpunkt für mich eigentlich Meryl Streep ist.

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