China &Christian Bale &Drama &Steven Spielberg &Weltkrieg Benjamin on 18 Jun 2007 09:40 pm

Das Reich der Sonne (Steven Spielberg, 1987)

Binnen 24 Stunden der zweite Spielberg und ich muss sagen seine alten Filme, gerade die der 80er gefallen mir viel besser als die meisten seiner neueren Werke. Das Reich der Sonne war mir bis heute vollkommen unbekannt, ich hab ihn einfach nur in der Videothek rumstehen sehen, gesehen dass es ein Film von Steven Spielberg ist und dann auf dem Covertext gelesen, dass Christian Bale als 13 jähriger mitspielt, da viel die Entscheidung den Film mitzunehmen natürlich nicht schwer, Christian Bale gehört ja bekanntermaßen zu meinen Lieblingsschauspielern, da ich einfach seine ganze Art, vor allem seinen Gesichtsausdruck und seine Augen sehr mag. Das sind wohl Dinge die sich im Laufe der Jahre auch nicht verändern und diesen Film kann er ohne Probleme locker tragen, wobei er mit 2 1/2 Stunden Spielzeit schon eher über die normale Filmlänge hinausgeht, wobei Spielberg ja einen Hang zu längeren Filmen hat. Der Film selbst ist seinerzeit vollkommen untergegangen und konnte mit einem Einspielergebnis von gerademal 22 Mio$ seine Produktionskosten von 38 Mio$ nicht wieder einspielen, was wahrscheinlich auf die starke Konkurrenz durch “Der letzte Kaiser” zurückzuführen, der im gleichen Jahr lief und eine ähnliche Geschichte hat.

Das Reich der Sonne erzählt die teils autobiographische Geschichte des 11 jährigen Charlie, der mit seinen Eltern in Shanghai wohnt. Sein Vater ist dort erfolgreicher Unternehmer und sie leben in einem Ortsteil, in dem sich keine Spuren von asiatischer Kultur finden, alles ist im europäischen Stil gebaut und es leben auch nur reiche Industrielle hier. Kontakt zur Bevölkerung haben sie nur durch ihre Haushälter oder wenn sie mit dem Wagen zu Veranstaltungen in die Stadt fahren.
Der Film spielt im Jahre 1941 und China befindet sich im Krieg mit Japan, die japanischen Besatzungstruppen können von den Chinesen nicht gestoppt werden und erreichen so auch bald Shanghai. Charlies Vater beschließt erst alles aufzugeben und zu fliehen als die Japaner schon in die Stadt einrücken. Ganz Shanghai ist auf den Beinen und man kann nur noch zu Fuß vorankommen. Im Gedränge wird Charlie von seinen Eltern getrennt und muss sich fortan alleine durchschlagen.
Der Film zeigt fortan wie sich der junge Charlie gegen alle Widerstände zu behaupten weiß und überlebt, bis er schließlich in einem Internierungslager landet, wo er lernt sich durchzusetzen und Geschäfte zu machen. Binnen kürzester Zeit entwächst Charlie der Kindheit, überspringt seine Jugend und wird zum Mann, wobei er sich immer ein Stück Kindheit behält. Es wird gezeigt wie Kinder den Krieg erleben, wie sie lernen sich anzupassen und trotz aller Ängste und Gräuel die sie erleben den Krieg auch immer als ein Abenteuer zu erleben.

Steven Spielberg schafft es in seinem zweiten ernsthafteren Film eine faszinierende Geschichte zu erzählen, die eine Atmosphäre erzeugt, welche einem sofort das Gefühl gibt Teil dieser Welt zu sein und man nimmt besonderen Anteil an Charlies Schicksal. Man kann nur hoffen dass Spielberg es in Zukunft wieder versteht sich auf seine ursprünglichen Qualitäten zu besinnen und dass er aufhört triviale Filme wie Terminal oder Catch Me If You Can zu drehen. Ihn zeichnet zwar einerseits diese geniale Mixtur aus, mal dreht er die größten Blockbuster der Filmgeschichte, dann wieder zutiefst emotionale anspruchsvolle Dramen, in den letzten 10 Jahren gab es aber keinen wirklich tiefgehenden Film mehr von ihm, auch wenn er sich mit München wieder in die richtige Richtung vorgewagt hat. Das Reich der Sonne zählt zumindest mit Die Farbe Lila zu seinen dramatischen Höhepunkten. Leider ein Film der nahezu unbekannt ist, den man aber durchaus gesehen haben sollte.

Trackback This Post | Subscribe to the comments through RSS Feed

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

kostenloser Counter