Science Fiction &Star Trek Benjamin on 28 Jun 2007 03:51 am

Star Trek VIII – Der erste Kontakt (Jonathan Frakes, USA 1996)

Schon in der ersten Szene wird deutlich, dass Star Trek: First Contact anders ist. Nach der ruhigen, besinnlichen Einstimmung durch die Anfangstitel begleitet von der atmosphärischen, beruhigenden Musik von Jerry Goldsmith, bedient sich die erste Szene neue Elemente im Star Trek Universum: Horror. Natürlich in einer sehr, sehr soften Version, aber man merkt gleich: Hier werden neue Wege gegangen. Keine philisophischen, moralischen, dozierenden Inhalte, die ansonsten sehr bezeichnend für Star Trek sind, sind hier Thema, sondern Action ist das Motto des Films. Der Gegner ist der tödlichste Feind der Förderation: Die Borg und diesmal wollen sie die Menschheit nicht nur assimilieren, sie wollen sie komplett zerstören und ausrotten.

Ein Borg Würfel greift die Erde an. Durch das Eingreifen der Enterprise kann er zerstört werden, doch er kann eine Sphäre absetzen, die eine Zeitreise in das Jahr 2063 macht, das Jahr des ersten Warpfluges und des daraus folgenden ersten Kontaktes mit einer außerirdischen Lebensform, den Vulkaniern, mit dem Ziel, diesen Erstkontakt zu verhindern und damit die Zukunft der Menschheit zu verändern. Die Enterprise kann der Sphäre folgen und sie zerstören, doch vor der Zerstörung konnten sich die Borg unbemerkt an Bord der Enterprise beamen. Währrend mehere Außenteams auf der Erde in Montana, dem Startort der Phoenix, des ersten Warpschiffes, nach dem Rechten sehen, die Phoenix reparieren und versuchen Zefram Cochrane, den Piloten und Erfinder des Warpantriebes, ausfindig zu machen, übernehmen die Borg nach und nach die Enterprise, versuchen Data zu assimilieren und die Borg aus diesem Jahrhundert zu kontaktieren und zu Erde zu dirigieren.

Star Trek: First Contact dürfte einer der wenigen Stark Trek Filme sein, der ohne Probleme auch nicht Trekkies ansprechen und begeistern dürfte. Er spielt nicht nur auf einer Ebene, es gibt vielmehr drei Handlungsebenen, zwischen denen hin und hergesprungen wird.
Zum einen den Kampf der Crew der Enterprise gegen die Übernahme der Borg. Hier geht es zur Sache, Gliedmaßen werden abgetrennt und gezeigt, was dazu geführt hat, dass der Film als erster der Reihe nicht die amerikanische Freigabe PG sondern PG-13 bekommen hat (was in Deutschland in etwa einem FSK12 entsprechen würde). Assimilierte Crewmitglieder werden von den eigenen Leuten getötet um ihnen ihre Borg-Zukunft zu ersparen, und man sieht wie die Borgimplantate langsam durch die Haut hervordringen. In diesen Szenen ist wenig zu sehen vom früheren eitlen Sonnenschein im Star Trek Universum. Selbst der ansonsten immer ruhige und besonnene Jean-Luc Picard wird hier zum knallharten Actionstar, zwar eine ungewohnte Rolle für den Charakter, die man ihm aber auf Grund seiner persönlichen Beziehungen zu den Borg ohne weiteres abnimmt.

Diese Beziehungen machen die zweite Ebene des Films aus. Vor vielen Jahren wurde Cpt. Picard von der Borg assimiliert und in ihr Kollektiv eingegliedert, konnte aber von der Crew der Enterprise befreit werden. Dadurch hat er die persönlichste Beziehung zu den Borg und kann ihre Vorhaben am besten voraussehen. Diese Erfahrungen machen für ihn den Konflikt mit den Borg zu einer Mission. Unterschwellig angetrieben durch Rachegedanken hat er das Bestreben und den unbedingten dem übermächtigen Gegner einhalt zu gebieten. Immer ist die Förderation zurückgewichen, hat die Zerstörung von Kolonien, Raumschiffen und ganzen Planeten hingenommen. Doch hier ist Schluß, Picard gibt Anweisung nicht zurückzuweichen und notfalls in den hoffnungslosen Kampf Mann gegen Mann zu gehen. Lieber sterben, als nachgeben. Er gerät sogar in Konflikt mit Ltn. Worf, welchen er als Feigling bezeichnet, nachdem dieser ihn auf die Aussichtlosigkeit seines Plans hinweist. Seinen inneren Konflikt überwindet er in einer sehr interessanten Szener voller literarischer Anspielungen. Für seine Leistungen hätte man Patrick Steward ruhig für einen Oscar nominieren oder ihm einen anderen Preis verleihen können.

Die dritte Handlungsebene ist typisch Star Trek und spielt auf der Erde, wo Riker, Geordi, Deanna und ein paar Crewmitglieder zusammen mit Zefram Cochrane die von den Borg angerichteten Schäden zu reparieren und den ersten Warp Flug pünktlich zum Rendezvous mit der Geschichte durchführen zu können. Chromwell, der Cochrane spielt, liefert hier eine herrliche Interpretation, die einem deutlich die Frage vor Augen führt, was einen Helden eigentlich ausmacht? Seine Taten und Motive die er wirklich hat, oder das was andere im nachhinein aus seiner Geschichte machen. Er erfährt von den Crewmitgliedern eine heldenhafte Verehrung als Begründer einer neuen Ära der Menschheit und alle sind aus dem Häuschen, dass sie dieser wichtigen historischen Persönlichkeit der Geschichte leibhaftig gegenüberstehen. Doch er selbst sieht sich nicht als der Mann, den alle in ihm sehen und ihm wird das ganze zu viel.

Diese drei Handlungsebenen laufen alle parallel ab, ohne das man es eigentlich merkt und eigentlich sieht man nur zwei von ihnen: Enterprise und Erde, und alles verknüpft sich in einem furiosen Finale. Der Film gibt gleich zu Anfang ein hohes Tempo vor, dass er auch wenn er zwischendurch ein wenig ruhigere Phasen hat, im Grunde die ganze Zeit über beibehält. Die Spannung die seit der ersten Szene vorhanden ist, nimmt zu keinem Zeitpunkt ab. Unterstützt wird der gute Eindruck, den der Film macht, durch ein hervorragendes Bühnenbild und einen wirklich mehr als gelungenen und den Film sehr prägenden Score. Die zahlreichen Charaktere kommen alle zur Geltung, wobei Cpt. Jean Luc Picard zusammen mit Data wie in den meisten TNG-Kinofilmen deutlich im Vordergrund des Geschehens stehen. Ein beeindruckender, düsterer, actiongeladener Science Fiction Film, der auch Nichttrekkies in seinen Bann zieht und unbedingt zu empfehlen ist.

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