Uncategorized Benjamin on 27 Jul 2007
Death Proof – Todsicher (Quentin Tarantino, USA 2007)
Death Proof ist eigentlich Teil des Film Grindhouse. Grindhouses nannte man die Kinos, die in der Mitte des letzten Jahrhunderts zwei Filme in einem Doublefeature zum Preis von einem zeigten. Dabei handelte es sich meistens um B-Movies aus verschiedenen Genres. In “Donnie Darko” besucht Donnie zusammen mit seiner Freundin Gretchen ein solches Grindhouse, daher könnte es dem ein oder anderen schon geläufig sein.
In Amerika heißt der ganze Film “Grindhouse”, welcher in die Segmente Planet Terror von Robert Rodriguez und Death Proof von Quentin Tarantino unterteilt ist. In der Pause zwischen den beiden Filmen werden dann Werbefilme gezeigt, die ebenfalls speziell für diesen Film gedreht wurden. Leider bleibt allen Nichtamerikanern dieses Filmprojekt in seiner eigentlichen Intention vorenthalten, außerhalb der USA werden die beiden Segmente zu eigenständigen Filmen, die jeweils um 20 Minuten verlängert wurden. Die Verleiher mögen dies damit begründen, dass Grindhouses außerhalb der USA keine Tradition hätten, so dass niemand auf die Idee kommen könnte, der eine Film würde in zwei Filme aufgeteilt worden sein, um den Zuschauer doppelt zur Kasse bitten zu können. Dementsprechend wird Grindhouse einer der wenigen Filme sein, bei denen es wirklich Sinn macht, sich die US-Importversion zuzulegen.
Der Film an sich steht in krassem Gegensatz zu dem aktuell in Hollywood zelebrierten hochglanz Edelkino. Er ist eine Hommage an B-Movies aus den 60ern und 70er Jahren und dementsprechend hat Tarantino das Filmmaterial gestaltet. Obwohl der Film in der Gegenwart spielt, sieht er aus, als hätte er schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, die Kopie wimmelt nur so von Kratzern, Laufstreifen und Schnittfehlern, mitten drin sind einige Minuten sogar einfach schwarz-weiß gehalten. Manche Kinobesucher scheinen sich über diese schlechte Qualität des Films beschwert zu haben, in unserem CinemaxX hing ein Zettel an der Saaltür auf dem Stand, dass die schlechte Qualität des Films beabsichtigt sei, und dass die Kinobetreiber keinen Einfluss auf dieses Stilmittel des Regisseurs haben – It’s not a bug, it’s a feautre.
Mit diesem Film als Nachfolger von Kill Bill bringt sich Tarantino in die Nähe von Regisseuren wie Rainer Werner Faßbinder oder Pedro Almodovar, die sich durch starke Frauen als tragende Figuren in ihren Filme auszeichnen. War in Kill Bill Uma Thurman als “The bride” noch auf sich alleingestellt, so sind es hier gleich ein halbes Duzend Frauen, die Tarantino in den Mittelpunkt seines Films rückt. Anders als bei Almodovar haben Tarantinos Frauen allerdings nicht viel mit klassischen Frauenbildern zu tun, es sind vielmehr Frauen in Männerollen in einem Männerfilm, die ihren Mann stehen. Fast möchte man meinen, Tarantino ist einfach wahnsinnig neugierig auf das, was Frauen so reden, wenn sie unter sich sind und kein Mann ihnen zuhört. So verliert sich auch dieser Film gerade anfangs in Dialogen, wie sie typisch für Tarantino sind, und wie immer sind es insgeheim die Dialoge und nicht die Action, die Tarantinos Film prägen. Doch auch hier spielt Tarantino mit dem Kino an sich, und diesmal ist er selbst es, den er zitiert, in dem die Dialoge, zwar einerseits wieder sehr treffend auf den Punkt sind und den Rhythmus des Films unterstreichen, sie perfekt mit der gewohnten, kultigen Musik vergangener Jahrzehnte harmonieren, aber auf der anderen Seite verlieren sich manche Dialoge in sich selbst und beißen sich gewissermaßen selbst in den Schwanz.