George Lucas &ScienceFiction Benjamin on 01 Jul 2007 10:15 pm

THX 1138 (George Lucas, USA 1971)

THX 1138 ist der erste von George Lucas gedrehte Spielfilm. Lucas dürfte für diesen Film eindeutig Inspiration aus literarischen Werken wie Brave New World und anderen Zukunftsutopien gewonnen haben.

Die Menschheit, zumindest der uns gezeigte Teil von ihr, lebt unter der Erde in einer riesigen unterirdischen Stadt. Die Menschen werden von der Regierung mit Drogen unter Kontrolle gehalten, deren tägliche Einnahme Pflicht ist, Zuwiederhandlung wird strengstes bestraft. Die Drogen dienen zusätzlich noch der Steigerung der Effizienz der Menschen als Arbeitsdrohnen. Außerdem unterdrücken sie effizienzgefährdende Emotionen und sexuelle Lust. Nach Schichtende findet Entspannung in Form von Betrachtung surreal wirkender Hologramme. Sexuelle Bedürfnisse werden mittels eines Computers befriedigt. Die gesamte Umgebung ist weiß und steril gehalten, die Zimmer und Räume klein und spartanisch, die Menschen haarlos und ebenfalls in weiß gekleidet. Ihre Sorgen und Beschwerden können sie einem Programm mitteilen, dessen teilnahmezeigende Antworten allerdings sehr automatisiert wirken und keine wirkliche Anteilnahme ahnen lassen.

In der ersten halben Stunde des mit 83 Minunten sehr kurzen Films wird dem Zuschauer diese Utopie nahegebracht. Man erhält überhaupt keine zeitlichen Bezüge und weiß nicht wann und wo dieser Film überhaupt spielt. Auch auf eine wirkliche Erzählstruktur wird verzichtet und dennoch zählt diese erste halbe Stunde zu Lucas’ filmischen Glanzleistungen. Er erzeugt hier die Vorlage für zahlreiche später Sci-Fi Filme, die sich dieses Settings bedienen, am deutlichsten, unter den von mir gesehen Filmen, sind die Anleihungen bei “Die Insel” mit Scarlett Johansson und Ewan McGregor, der die “Geschichte” und grundsätzliche Struktur des Films nahezu übernimmt, sie allerdins auf den heutigen Stand transportiert.

Der Film enthält zahlreiche interessante Details, wirkt aber acuh durch das Nichtvorhandensein einer wirklichn Erzählstruktur befremdlich. Möchte man wissen was genau gerade passiert, muss man dem Film seine volle Aufmerksamkeit widmen und kommt nicht drum herum, selbst gesehen Dinge zu interpretieren und Zusammenhänge herzustellen. Wer wissen möchte, wo sich heutige Regisseure ihre Anspielungen für gesellschaftskritische Filme herholen, dem sei dieser Film wärmstens ans Herz gelegt. Gewissermaßen spiegelt er auch ein wenig den Zeitgeist der anfangenden 70er Jahre wieder, in denen die Technisierung begann, sich im privaten Bereich durchzusetzen und einzubringen, was eine Art Angst in der Gesellschaft vor dem Verlust der Individualität und der totalen technischen Überwachung, dem Verlust des Privaten und der ständigen Kontrolle mit sich brachte, Themen, die in diesem Film behandelt und reflektiert werden.

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