Roadtrip Benjamin on 03 Jul 2007 04:29 am
Aaltra (Gustave de Kervern, Benoît Delépine, France / Belgium 2004)
Aaltra ist kleiner Independendfilm aus europäischer Fabrikation. Er erzählt die Geschichte von zwei ländlichen Nachbarn, die offensichtlich schon seit Ewigkeiten im Nachbarschaftsstreit liegen und sich nicht wirklich ausstehen können. Sie machen sich das Leben gegenseitig mehr als schwer. Eines Tages stauen sich die Agressionen so weit auf, dass es zu einem Gerangel kommt, in dessen Verlauf sie von der Schaufel ihres Traktors der Marke Aaltra begraben werden. Als Folge des Unfalls landen die beiden zunächst im Krankenhaus, wo sich herausstellt, dass sie zukünftig im Rollstuhl sitzen müssen. Bevor sie sich in Lethargie ergeben, beschließen die beiden einen Roadtrip als Anhalter nach Norwegen zu unternehmen, wo der Hersteller Aaltra seinen Sitz hat, um bei ihm Schadensersatz einzufordern.
Der Film zeigt die Reise der beiden, quer durch Frankreich, Belgien, Deutschland und Holland. Dabei begegnen sie Menschen die durchaus Anteilnahme und Mitleid an ihrem Schicksal zeigen, welches von den beiden jedoch schamlos ausgenutzt wird. Diese Begegnungen machen den Film aus. Der Film entwickelt dafür einen sehr feinfühligen Humor für Szenen und Begegnungen. In manchen Szenen muss man erst einmal etwas suchen, bis man die beiden dann an Stellen wieder entdeckt, an denen man sie eigentlich gar nicht vermuten würde. Die beiden nutzen die generelle Hilfsbereitschaft der Menschen aus, gehen ihnen dabei aber mitunter so auf die Nerven, dass ihnen nach einem Strandbesuch das Wasser schonmal bis zum Hals steht. Hier gibt es keinen großer Lacher, Leute die nur auf Komik a la “Verrückt nach Mary” stehen, können mit diesem Film sicher nicht viel anfangen. Der Humor wird einem nicht aufgezwungen, man kann ihn selbst entwickeln.
Dabei wirkt der Film mehr wie ein Porträt, die Kamerarbeit lässt den Film halbdokumentarisch wirken. Farbmäßig ist er Schwarzweiß gehalten und der gesamte Film ist im OTon und wurde nicht synchronisiert. Diese kategorische Weigerung der Übersetzung lässt den Zuschauer auch sehr aktiv das Gefühl eines multikulturellen Roadtrips miterleben, da die beiden nur französisch und englisch sprechen, wissen sowohl sie als auch wir nicht, was die Norweger ihnen da wohl erzählen. Untertitel haben nur die französischen Passagen, was den Zuschauer in die Rolle der beiden Rollstuhlfahrer hineinversetzt, ein sehr interessantes Stilmittel.
Alles in allem ein sehr ruhiger, ein sehr besonnener Film, der Filmfreunden durchaus gefallen dürfte, Leute die auf klassische Hollywoodproduktionen stehen sind hier völlig fehl am Platz. Wer den Film also in seiner Videothek findet, darf beherzt zugreifen.
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.