Charles Bronson &Henry Fonda &Sergio Leone &Western Benjamin on 04 Jul 2007 03:43 am

Spiel mir das Lied vom Tod (Sergio Leone, USA Italien 1968)

Sergio Leones Meisterwerk ist einer der wohl bekanntesten Western überhaupt. Nach Leones Dollar-Trillogie, dessen Sichtung noch bevorsteht, ist Spiel mir das Lied vom Tot der erste Teil Leones Amerika Trilogie, eine Tatsache, die wohl den meisten nicht bekannt sein dürfte. Die Filme Todesmelodie und Es war einmal in Amerika sind die anderen beiden Teile diese Trilogie, welche sich mit wichtigen Epochen Amerikas auseinandersetzt, was auch das einzige Bindeglied dieser Filme ist, inhaltlich haben sie nichts miteinander zu tun.

Spiel mir das Lied vom Tot setzt sich mit der Veränderung der amerikanischen Gesellschaft auseinander, als dessen Sinnbild die Eisenbahn steht. Sie ist bestimmend für die Handlungen und Motive aller im Film auftretenden Charaktere und verbindet sie miteinander. Der Film unterteilt dabei in die alte Welt, für die zahlreiche Nebencharaktere, aber auch Cheyenne und Mundharmonika stehen, und in die neue Welt, dessen offensichtlichstes Sinnbild die Eisenbahn ist, aber auch Frank und Morten stehen für diese neue Welt.  Jill, die einzige weibliche Hauptrolle, ist ein anpassungsfähiger Charakter, der zwar auch für die neue Welt steht, aber nicht zwingend von ihr abhängt.

Die alte Welt steht dabei für Anstand, Tugendhaftigkeit und ehrhaftes Verhalten.  Geld ist hier zwar nötig zum Leben, spielt aber keine entscheidende Rolle. In der neuen Welt ist Geld die Triebfeder für alles, Gewalt wird unehrenhaft angewendet und das Geld ist dabei, die Gewalt als Zweck abzulösen.

Auch der Tod ist ein zentrales Thema des Films. Es ist interessant zu beobachten wie, bzw. unter welchen Umständen jemand stirbt und was nach seinem Tod geschieht. Die meisten zentralen Personen sterben sinnbildlich für das Leben das sie geführt haben, entweder durch Verrat als Verräter, als ehrbahre Menschen durch unehrenhaftes Verhalten. Manche Menschen bleiben einfach im Sand liegen, anderen wird die letzte Ehre zuteil.

Diese einzelnen Punkte könnte man alle noch viel weiter ausführen, wie Stephan Siemens es getan hat, wer also über die inhaltlichen Zusammenhänge mehr erfahren möchte, dem sei diese Seite wärmstens ans Herz gelegt, allerdings ist eine mindestens einmalige, besser zweimalige Sichtung des Films vorher dringend zu empfehlen. Alles in allem zeigt allein dieser kurze Ansatz einer inhaltlichen Interpretation wie tiefgehend und gut die Story ist, etwas, was man bei einem Western nicht unbedingt. Auch breitet sich die Geschichte dem Zuschauer nicht, wie man es aus heutigen Produktionen gewohnt ist, auf dem roten Teppich aus, so dass einem das Nachdenken erspart bleibt, sondern viele Beziehungen und Zusammenhänge müssen selbst erdacht werden. So etwas macht unter anderem ein gutes Drehbuch aus.

Erzählt wird die Geschichte fast schon in Form eines Epos, welches sich in fast drei Stunden entfaltet, und in dem, wie in den meisten Leone Filmen, Musik ein zentrales Thema ist. Jeder Hauptcharakter hat sein eigenes musikalisches Thema, welches charakteristisch ist und immer in Zusammenhang mit dem Charakter ertönt. Der Film lässt sich unglaublich viel Zeit, seine Geschichte zu erzählen, ein weiteres Leone Merkmal. Auf lange ruhige Passagen folgt oftmals kurze, konzentrierte Action, wobei diese ruhigen Passagen nie langweilig werden, sondern durch die beeindruckende Bildsprache Leones und seine interessant gestalteten Charaktere immer Interessant finden, so dass einem die fast drei Stunden am Ende dann doch kürzer vorkommen als in so manchen deutlich schneller erzählten Film.

Allein die Anfangssequenz dauert 13 Minuten (die längste Anfangssequenz der Kinogeschichte) und ist ein sogenannter “Magic Moment” des Kinos, eine Szene, die sich jedem Zuschauer unwideruflich ins Gedächnis einbringt, wozu auch die Szene am Ende gehört, in der Mundharmonikas Verhältnis zu Frank und der Grund für seine Rachegelüste endgültig offenbart werden, nachdem sie anfangs schon angedeutet wurden, wobei diese Szene durch ihren Sadismus und ihre absolute Kälte besticht und erschrecken lässt.

Ich habe früher in meiner Kindheit recht viele Western gesehen, bei meinem Opa, mit meinem Vater, aber das war so bis zum Alter von ca. 12 Jahren. In den letzten 13 Jahren habe ich bewußt so gut wie keinen Western gesehen, kann daher auch keinen qualitativen Vergleich zu anderen Filmen anstellen, aber wenn ein Film auf Platz 20 der IMDB steht, dann hat dass sicher seinen Grund. Es ist bizar, dass ein Italiener, der kein Wort englisch spricht und mit seinen amerikanischen Schauspielern nur über Dolmetscher kommunizieren konnte, die mit Abstand besten Western der Filmgeschichte inszeniert hat. Genauso sinnbildhaft ist es, dass dieser Film, der den Anfang einer neuen Trilogie darstellt, dessen Ende nichts mehr mit Western zu tun hat, als Thema auch das Ende des Westerns hat, welcher eine Lebensart darstellt, die aussterben wird, wenn sich die neue Welt durchsetzt, was sie im Film am Ende tut.

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