ScienceFiction &Stanley Kubrick Benjamin on 03 Aug 2007 11:53 pm
2001 – Odyssee im Weltraum (Stanley Kubrick, Großbritannien/USA 1968)
2001 ist sicher einer der Filme, über die bisher am meisten geschrieben wurde. Daher wäre es auch überflüssig sich hier in einer weiteren Interpretation zu verlieren, zumal ich ihr mit meinem begrenzten Filmwissen eh kaum gerecht werden könnt. Vor einigen Tagen habe ich erst gelesen, dass irgendein Regisseur als Leitsatz fürs Filme machen die Aufforderung “Show, don’t tell” herausgegeben hat. Dieser Aufforderung kommt Kubrick in seiner Weltraumoper absolut nach. In den ersten und letzten zwanzig Minuten des Films wird kein einziges Wort gesprochen, und auch die Dialoge des zweiten Aktes (ingesamt gibts vier Akte) sind eigentlich belanglos, in dem Sinne als dass sie nur die Banalität und Entfremdung der Gesellschaft der Menschheit anprangern sollen. Es werden wenn überhaupt in erster Linie Oberflächlichkeiten ausgetauscht, etwa wenn der Vater auf einer Raumstation via Videotelefon seiner Tochter reichlich unemotional zum Geburtstag gratuliert und sie ihrer Mutter ausrichten soll, dass er angerufen hat. Im dritten Teil hingegen gewinnen die Gespräche mit dem Supercomputer Hal-9000 an Bedeutung. Aber in erster Linie verknüpft Kubrick das gezeigte Bild mit der Musik. Er hat gesagt, sein Ziel war es einen Film zu machen, der die Menschen auf einer Ebene erreicht wie das sonst nur Musik tut. Gerade bei klassicher Musik kann man oft nicht in Worte fassen, was einen an ihr so bewegt, sie erklärt nichts, sie begeistert Menschen einfach und bewegt ihre Gemüter. Genau das tut 2001: A Space Odyssee auch. Das zentrale Thema das Films ist nichts geringeres als die Menschheit selbst. Woher kommen wir, was sind wir, wohin werden wir gehen. Doch der Film gibt keine Antworten auf diese Frage, letztendlich wirft er vielmehr Fragen auf, als er beantwortet. Nach Sichtung dieses Filmes weiß man, woher David Lynch wohl einen Großteil seiner Inspirationen für seine tiefgründige, vielschichtigen Filme her hat, die ebenfalls großteils dieses Schema verfolgen, viel zu zeigen, und viele Fragen aufzuwerfen.
So bleibt es letztendlich jedem Zuschauer selbst überlassen, seine eigenen Schlüsse aus dem Film zu ziehen, etwas, was von Kubrick auch durchaus so gewollt ist. Zeit seines Lebens hat er sich geweigert, irgendwelche Fragen zum Entschlüsseln des Films zu beantworten, da er damit die Freiheit des Denkes des Publikums eingeschränkt hätte. Die ursprüngliche Drehbuchversion enthielt auch viel mehr Dialoge, im ersten Akt gab es ein erklärendes Voice-Over und auch in den anderen Akten, waren viel mehr Erklärungen eingebaut. Auch das Ende war eigentlich wesentlich erklärender, als es in der vorliegenden Version der Fall ist. Doch Kubrick hat erkannt, dass zu viele Erklärungen und Vorgaben zur Entschlüsselungshilfen das Mysterium und die Bedeutung des Filmes zerstört hätten. Hätten wir eine konventionelle, oder überhaupt eine Auflösung des Films bekommen, so wäre es vermutlich nur ein Science-Fiction Film von vielen gelieben. So hat Kubrick aber ein zeitloses Meisterwerk geschaffen, welches zu den bedeutensten und einflußreichsten Science Fiction Filmen überhaupt zählt, und für viele nachfolgende Filme des Genres Maßstäbe gesetzt hat. Schlußendlich hat Kubrick für den Film sogar seinen einzigen Oscar bekommen, wenn auch nur für die Special Effects. Diese sind aber teilweise atemberaubend und ich saß so manches mal vor dem Fernseher und habe mich gefragt, wie Kubrick manche Szenen vor gut 40 Jahren so hinbekommen hat. So sind auch gut 5 von 10 Mio$ Budget in die Spezial Effekte geflossen. Mit dem Budget von 10 Mio$ war 2001 auch einer der teuersten bis dahin gedrehten Filme überhaupt.
2001 ist sicher ein Film, den man sich nicht oft ankucken kann. Dafür aber ein Film den man sich gerne in gewissen Abständen immer wieder mal ansieht.
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