Drama &Fernsehen Benjamin on 04 Aug 2007 12:26 am
Network (Sidney Lumet, USA 1976)
Network ist schon über dreißig Jahre alt, aber wenn man ihn sieht wirkt er immer noch hochgradig aktuell und kein Stück altbacken. Gerade in Zeiten, in denen Fernsehsender aus nicht nachvollziehbaren Gründen ihre Nachrichten fast komplett aus dem Programm streichen, hat er eine unglaubliche Aktualität.
Der Film dreht sich um den Nachrichtensprecher Howard Beale, seinen Vorgesetzten und Freund Max Schumacher und die aufstrebende Mitarbeiterin Diane Christensen. Howard soll gefeuert werden. Er ist mittlerweile schon einige Jahrzehnte beim Sender CBS und seine Einschaltquoten sinken. In der Sendung am nächsten Tag verkündet er live in seiner Sendung, dass er sich wegen des Rauswurfs in acht Tagen in der Sendung eine Kugel durch den Kopf jagen wird. Seine Vorgesetzen denken er sei wahnsinnig und wollen ihn sofort absetzen, da sie Angst um den Ruf des Senders haben. Beale bitte noch um einen letzten Auftriff, um sich würdevoll verabschieden zu können, was ihm auch gewährt wird, doch in dieser Sendung regt er sich in erster Linie darüber, wie “beschissen” doch alles sei, unter anderem auch Gott. Die Verantwortlichen sehen schon die Katastrophe über sich hereinbrechen, doch als Diane die Einschaltquoten der Sendungen sieht, beschließt sie durchzusetzen, dass Beale weiter auf Sendung bleiben darf und seine Wutausbrüche als Kommentar weiter von sich geben darf, um dem gebündelten Zorn des amerikanisches Volkes eine Stimme zu verleihen. Und so entwickelt sich nach und nach Beales Show, der bald schon wie eine Art Fernsehprediger auftritt zum Zugpferd des Senders und reißt ihn aus der Krise, sorgt aber zeitgleich immer wieder für Reibereien unter den Verantwortlichen. Diane schafft es im Laufe der Zeit sogar, als Begründerin der Sendung, zur Vizepräsidentin des Senders aufzusteigen. Als ihr Material einer Terroristengruppe gezeigt wird, die sich selbst bei einem Banküberfall gefilmt hat, ist sie begeistert von dieser Form des Reality-TVs, und sie will eine wöchentliche Sendung aus dem Format machen. Sie ist bereit, den Terroristen dafür 10.000 Dollar pro Woche zu zahlen. Als Howards Einschaltquoten sinken ist der Präsident des Senders nicht gewillt ihn zu Feuern, worauf hin die Verantwortlichen beschließen, Howard umzubringen, da dies der einzige Weg ist, ihn endgültig loszuwerden. Ausgeführt werden soll dass von eben jenen Terroristen, live in der Sendung. Dieses Ereignis könnte man gut nutzen, um Sendungen die die Marktanteile der Terroristensendung bedrohen wieder Konkurrenz zu machen, und der Werbeeffekt sei auch nicht zu verachten. So kommt es schließlich, dass Howard der erste Moderator wird, der erschossen wird, weil seine Einschaltquote zu niedrig war.
Network ist eine bissige Satire, die uns die Absurdität der für uns selbstverständlich gewordenen täglichen Medienlandschaft vor Augen führt, auf die Spitze getrieben in den Szenen, in denen Diane und Max einen romantischen Ausflug unternehmen, und Diane nur übers Geschäft redet; beim Spaziergang am Wasser, beim romantischen Essen im Restaurant, beim Heimweg, sogar beim Sex, und natürlich auch nach dem Sex. Ein absolut sehenswerter, weil im Grunde zeitloser Film.
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