Drogen &Gangster &Südamerika Benjamin on 05 Aug 2007 11:12 pm
City of God (Fernando Meirelles, Brasilien 2002)
Wieder so ein Film, dem man in einer Rezension nur schwer gerecht werden kann. Für mich ist der Film ein absolutes Meisterwerk südamerikanischer Filmkunst und gleichzeitig deren bisheriger Höhepunkt, dass dem Vergleich mit Hollywoodproduktionen locker stand hält. Erzählt wird vom Leben in der City of God, einem Vorortviertel von Rio De Janero von den 60ern bis in die 80er. Der Film bekommt durch mehrere Faktoren eine besondere Authenizität. Zum einen orientiert sich das Drehbuch am gleichnamigen Roman von Paulo Lins, der selbst in der City of God aufgewachsen ist, und seine Eindrücke und Kindheitserinnerungen in diesem Roman verarbeitet. Der Roman besteht aus 40 Kurzgeschichten, so dass für den Film die Figur des Buscape als Bindeglied zwischen ihnen hinzugefügt wurde. Der Film wurde zwar nicht direkt in der City of God gedreht, das wäre zu gefährlich gewesen, aber in einem Viertel aus der Nachbarschaft, so dass die gezeigten Aufnahmen durchaus der Realität entsprechen. Und schließlich handelt es sich bei den Schauspielern ausnahmslos um Laiendarsteller. Es wurden Kinder und Jugendliche aus der Umgebung ausgewählt, die einen Schauspielworkshop besucht haben und darin auf ihre Rollen vorbereitet wurden. Diesen Workshop würde ich auch gerne besuchen, in der kurzen Zeit hat man wirklich hervorragende Schauspieler aus ihnen gemacht, die Darsteller machen ihre Sache allesamt hervorragend. Der Dreh selbst stand schließlich unter dem Schutz der lokalen Drogenbosse, da er sonst viel zu gefährlich gewesen wäre.
Durch all diese Faktoren bringt der Film eine hervorragenden Grundausstattung mit sich, die von Regisseur Meirelles hervorragend genutzt und in Szene gesetzt werden. Der Film ist technisch absolut auf der Höhe der Zeit und besticht durch eine exzellente Kameraarbeit, einen Schnitt der dem Film einen absolut ansprechenden Style verpasst und einem sehr passenden Score, der eine Mischung aus Funk und Salsa darstellt und damit dem südamerikanischen Lebensgefühl und der Stimmung des Films voll entspricht. Dazu kommt noch eine zeitgemäße Erzählstruktur, die den Film in Episoden aufteilt, die die Handlung in verschiedene Stränge aufteilt und sie alle zusammenführt, ein Erbe der literarischen Vorlage des Films.
Von vielen, vor allem im Filmforum, wird der Film als Drogenfilm angesehen. Sicher, Drogen und mafiaähnliche Verhältnisse sind ein zentrales Element des Films, aber ihn darauf zu reduzieren würde ihm nicht gerecht werden und würde sicher auch nicht die interational durchweg positive Resonanz, sowohl vom Publikum als auch der Kritiker erklären. Die Drogen und das Geschäft mit ihnen sind ja letztlich nur eine Folge aus den schlechten sozialen Bedingungen in der City of God. Selbst wenn man den ehrlichen Weg einschlägt und hart arbeitet hat man weder Chancen auf einen guten Verdienst, noch auf einen sozialen Aufstieg und die Chance, diesem Armenviertel zu entkommen. Das Geschäft mit den Drogen ist ein schneller Weg an Geld zu kommen, und bietet, wie der Film zeigt, sogar schon Chancen für die ganz jungen, einzusteigen und davon zu profitieren. Doch Drogen bedeuten Geld und Macht und davon wollen immer viele Leute provozieren, so dass es nach einer kurzen Phase des Friedens in der City of God, schließlich doch zu einem Krieg unter den Banden kommt. Es ist durchaus erschreckend, wenn man sieht, dass die obersten Gangsterbosse und ausführenden Handlanger dieser Zeit meistens noch Kinder und Jugendliche waren, von denen die wenigsten älter als 20 Jahre sind. Die im Film gezeigte Zwergenbande, die am Ende das Kommando übernimmt, basiert wie die meisten Figuren auf einer realen Bande, die inzwischen als Rote Brigade, zur gefährlichsten Bande Rio de Janeros aufgestiegen ist, und die die Stadt unter Kontrolle hat. Viele Gründe den Film zu sehen. Ich weiß noch, wie begeistert ich nach meiner ersten Sichtung des Films vor vier Jahren in einem Kunstkino in München war. Absolut sehenswert und ich hoffe, dass er noch höher steigt in der IMDB, wo er momentan auf Platz 18 liegt.
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