Antikrieg Benjamin on 05 Aug 2007 02:32 am
Die Brücke am Kwai (David Lean, USA 1957)
Die Brücke am Kwai wurde 1958 bei den Oscarverleihungen mit Auszeichnugen überhäuft und das durchaus zurecht. Bis auf eine einzige kleine Schwäche, seiner Länge, ist dieser Film einfach in allen Belangen hervorragend und der bisher älteste und auch einer der gelungensten Antikriegsfilme die ich kenne. Der Fiml verdient eigentlich eine komplexere Analyse, aber da diese sehr aufwendig sind, werde ich mich auf die wesentlichsten Eindrücke beschränken. In diesem Film Antikriegsfilm spielt der Krieg selbst eine Untergeordnete, Schießereien kommen zwar durchaus vor, sind aber spärlich gesät, größere Schlachten hingegen sind gar nicht zu sehen. Damit setzt sich der Film deutlich von seinen Nachfolgern ab. Der Film dreht sich rund um eine Gruppe inhaftierter britischer Soldaten, die in einem Kriegsgefangenenlager der Japaner auf einer Insel gezwungen werden, eine Brücke über den Fluß Kwai zu errichten. Zentrales Element des Films sind die Auseinandersetzungen des Lagerkommandanten Saito und des Kommandeurs des Bataillons Offizier Nicholoson (Alec Guiness).
Auf der einen Seite ist Saito, der stolze Kommandant des Lagers. Er hat das Oberkommando sowohl über das Lager als auch über den Brückenbau. Schafft er es nicht, die Brücke rechtzeitig fertig zu stellen, so wird von ihm erwartet, dass er ob dieser Schande Selbstmord begeht. Eine Erwartung, die er als gleißender Anhänger der japanischen Ideologie auch ohne zu zögern erfüllen wird. Um so mehr ist er bestrebt, die Brücke zügig fertig zu stellen. Die britischen Gefangenen verachtet er, da sie sich ergeben haben statt sich ehrenhaft im Angesicht der Niederlage das Leben zu nehmen. Daher redet er sie auch nie als Soldaten an, sondern bezeichnet sie immer als Gefangene. Er ist stolz, dickköpfig, und von seiner eigenen Meinung überzeugt.
Ihm gegenüber steht Colonell Nicholoson. Als Anführer und Verantwortlicher ist er in erster Linie darum besorgt, die Moral seiner Männer hochzuhalten, und ihnen immer das Gefühl zu geben, Soldaten zu sein, und den Japanern, die sie gefangen halten, im Grunde doch in allen Belangen, vor allem moralisch überlegen zu sein. So weigert er sich zunächst zu gestatten, dass sein Offiziere arbeiten, da dies gegen die Genfer konventionen verstoßen würde (wobei Japan diese damals noch nicht unterzeichnet hatte). Schließlich sieht er den Brückenbau als einzige Möglichkeit seinen Männern das Durchhalten zu ermöglichen, und sie als Einheit zusammen zu halten, weswegen er sie anhält, die Brücke so perfekt wie möglich zu bauen, eine bessere, als es den Japanern je selbst möglich wäre. Auch er ist dickköpfig, starrsinnig und überaus stolz, was dazu führt, dass die beiden sich gegenseitig als verrückt ansehen. Diese beiden Charaktere machen den Film interessant und sehenswert. Und das Szenario basiert immerhin auf einer wahren Begebenheit, wenngleich sie auch dramaturgisch etwas verändert wurde.
Besonders gefallen hat mir die erste Hälfte die vom pyschologischen Duell der beiden Kommandeure beherrscht wird, wohingegen die zweite doch etwas abfällt, gerade das Ende, dass häufig als sehr stark bezeichnet wird, sagt mir persönlich nicht so zu. Die Obsession Nicholsons von der Brücke ist doch etwas zu aufdringlich und penetrant. Auch wenn auf der einen Seite nachvollziehbar ist, dass er das Werk seiner Männer nicht zerstört sehen möchte, so dürfte seine Loyalität doch in erster Linie seinem Land dienen. Seine Taten könnte man eh als Kollaboration auslegen, so dass er zu dem Zeitpunkt, wo er die Möglichkeit sieht, sie zu zerstören, nicht in der Weise handeln sollte, in der er es im Film tut, zumal seine Männer eh am nächsten Tag in ein anderes Lager geschickt werden sollen. So sind so die letzten Worte des Films “Wahnsinn, wahnsinn” gerechtfertig.
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