Komödie Benjamin on 08 Aug 2007 02:02 am

Adams Äpfel (Anders Thomas Jensen, Dänemark 2005)

Nur selten habe ich so einen Film erlebt. Adam ist Neonazi, der seine Sozialstunden bei Pfarrer Ivan in einer Dorfkirche abarbeiten muss. Bereits dort untergekommen sind der Vergewaltiger und Kleptomane mit Alkoholproblemen Gunnar und der Tankstellenräuber und Geiselnehmer Khalid. Ivan sieht Adam als neue Probe Gottes an und ist gewillt ihn auf den “rechten” Pfad zurückzubringen. Das folgende Kennenlernen und Ausloten der Grenzen des Gegenüber ist teilweise geprägt von bitterbösen, schwarzen Humor, dem wenig bis gar nichts heilig ist. Bald stellt sich heraus, dass es im Grunde der Pfarrer ist, der wirklich Hilfe braucht, und so ist es ausgerechnet Adam, der sich ganz unbewußt der kleinen Gruppe annimmt.

Bibeltreue Menschen werden schnell feststellen, dass es sich bei Adams Äpfel um eine zeitgemäße Verfilmung des biblischen Buches Hiob handelt, Vater Iwan ist eine moderne Version des Hiob, der von Gott mit allerlei Leid geplagt ist, es aber einfach hinnimmt und verdrängt. Erst Adam, dem eigentlich alles am Arsch vorbeigeht, gelingt es, Iwan die Augen zu öffnen. Wobei dieser Vorgang des Augen-öffnens  eigentlich einen ganz anderen Hintergrund hatte. Doch man kann es Gottes Fügung nennen, dass die Dinge ihren Weg so nehmen. Die Wandlung Adams geschieht ganz beiläufig, eigentlich nimmt man sie kaum wahr, und gerade deswegen wirkt sie so glaubhaft. Die Darsteller machen ihre Sache wirklich gut, gerade Mads Mikkelsen zeigt, dass er auch etwas anderes kann, als den charakterlosen Bösewicht in einem Bond Film zu spielen. Wird höchste Zeit dass ich mir dänische Delikatessen mal ankucke, zumal dieser Film wirklich Lust auf mehr europäisches Kino mag, und zeigt, dass man kein 200 Mio.$ Budget braucht, um einen guten Film zu machen. Im Gegenteil, der Film bleibt länger haften und erzeugt einen nachhaltigeren Eindruck, als so mancher Hollywoodblockbuster aus dem gleichen Jahr es tut. Auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn gleich der Film niemandem gefallen dürfte, der Probleme damit hat, wenn man sich über Randgruppen lustig gemacht wird, denn das tut der Film unentwegt. Wenngleich auch auf eine im Grunde sehr symphatische Art, die nie böswillig wirkt.

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