Uncategorized Benjamin on 08 Aug 2007 04:59 pm

Fast Food Nation (Richard Linklater, Großbritannien/USA 2006)

Die einzigen beiden Filme, die ich bisher von Linklater kannte, Before Sunrise und Before Sunset, war absolut hervorragend. Einfühlsam, unkitschig und sehr bewegend, einfach ehrlich. Mit Fast Food Nation kann er diese Klasse nicht halten. Der Film wirkt ein wenig wie eine Doku von Michael Moore in Form eines Spielfilms. Moores “Dokus” sind ja eigentlich auch keine wirklichen Dokumentationen, sondern weisen nur plakativ auf Mißstände hin, ohne dabei sonderlich objektiv zu sein, sondern Moore will seinen eigenen Standpunkt vermitteln und auch etwas bewegen, tut dies aber in dem er sich die Fakten so hindreht, wie sie ihm passen. Getarnt als Doku bekommt das ganze dann noch eine zusätzlliche glaubwürdigkeit. Linklater versucht vom Prinzip her dasselbe, in diesem Film behandelt er die Produktionsbedingungen des Essens, dass uns die Fast Food Konzerne wie McDonalds und Burger King vorsetzen, und versucht dies in Form eines Spielfilms, in dem jede Menge Stars aus allen Ligen Hollywoods auftreten.

Sicher, die Bedingungen der Massentierhaltung sind schlimm. Klar, die Beschäftigung von illegalen Einwanderen aus Mexiko und deren schamlose Aubeutung ist schlimm. Und ja, jeder von uns sollte sich Gedanken machen, über das, was er mit dem Konsum solcher Artikel eigentlich unterstützt. Aber muss man das ganze so dermaßen lieblos umsetzen? Die drei Handlungsstränge des Films laufen einfach parallel nebenher, sind nicht wirklich miteinander verknüpft und können allesamt nicht berühren. Da hilft auch der Auftritt des einzigen Superstars Bruce Willis nichts. Alle Stars in diesem Film wollten ausdrücklich mitspielen und mit ihrem Engagement ein Zeichen setzen. Dies nimmt man auch zur Kenntnis, aber die Auftritte die sie haben sind meistens entweder nichtssagend oder eher als peinlich einzustufen. Wenn z.B. die kanadische Rocksängerin Avril Lavrine als Kühe befreinde Aktivistin auftritt, die daran scheitert, dass sich die Kühe trotz zerstörten Zauns einfach nicht in Bewegung setzen, dann hat das schon einen sehr komischen Nachgeschmack.

Letzlich ist der Film ein gutgemeinter Versuch, der Vegetarier sicher in ihrer Meinung bestärken wird, aber der andererseits kaum das Potential hat, jemanden ernsthaft zum Vegetarier werden zu lassen. Man weiß auch nie so wirklich was Linklater nun eigentlich konkret Anprangern will. Soziale Mißstände der mexikanischen Einwanderer aufdecken? Plakativ die Fast Food Konzerne an die Wand stellen? Vermutlich wusste er es selbst nicht so recht und so verliert er sich in seinem ambitionierten, aber letztlich doch herzlosen Projekt. Eine Doku zu diesem , und auch wenn sie Michael Moore Style hätte, wäre sicherlich spannender gewesen und hätte eine größere Wirkung.

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