Mystery Benjamin on 08 Aug 2007 07:21 pm

Wenn die Gondeln Trauer tragen (Nicolas Roeg, Großbritannien/Italien 1973)

Wieder ein Film, den David Lynch geliebt haben dürfte. Nach der ersten Sichtung halte ich ihn nicht für das große Meisterwerk, als dass er von allen angepriesen wird, aber auf jeden Fall ein sehenswerter, interessanter Film, der seine wahre größe wahrscheinlich erst offenbart, wenn man sich intensiver mit ihm auseinander setzt und in der Lage ist, zusammenhänge zwischen dem was man sieht, und dem was geschieht zu ziehen. Rot ist die alles bestimmende Farbe in diesem Film, die sich sprichwörtlich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Rot war der Regenmantel, den Christine bei ihrem Tot trug, und nahezu jedesmal, wenn die Farbe Rot auftaucht, steht sie in Zusammenhang mit Christines Tot, bzw. den Erinnerungen ihres Vaters John Baxter an sie. Die Farbe sticht heraus in diesem Film, der ansonsten in fast schon erdrückend deprimierenden grau, grün und brauntönen gehalten ist. Das wunderschöne Venedig ist Handlungsort dieses Films, doch dieser an und für sich recht schöne Ort wurde mit herbstlichen Farben sehr trist in Szene gesetzt. Rot und blau sind die einzigen Farben, die hin und wieder herausstechen, und nahezu immer einen inhaltlichen Hintergrund haben.

Auch die Personen des Films sind nahezu alle rätselhaft. Die zwei alten Damen, der Zwerg am Ende, der Bischof, der Polizeikomissar, sogar die Hotelangestellten, alle wirken mysteriös und befremdlich und sind weit davon entfernt, Symphathieträger zu sein. Die bekannteste Szene aus dem Film dürfte sicherlich die Sexszene sein, in der Roeg das Vorspiel, den Akt an sich und das nachfolgende Ankleiden in einer interessanten Montage verbunden hat. Die Szene ist spontan bei Drehbeginn entstanden, da der Regisseur fand, dass man das paar ansonsten zu oft in Zwietracht sehen würde. So war es dann auch gleich die erste Szene des Films, die gedreht wurde.

Der Film hinterlässt nach der ersten Sichtung viel mehr Fragen als Antworten, und ich finde es gibt zu wenig Denkanstöße, die einen zumindest irgendwie auf des Rätsels Lösung bringen können. Die Endszene ist überaus interessant aus verschiedenen Szenen des Films zusammenmontiert, die vermutlich alle ihren Teil dazu beitragen, Klarheit in die Geschichte zu bringen, doch dafür muss man den Film noch mal sehen, oder sich eine umfangreiche Filmanalyse zu Gemüte führen, die ich bisher aber noch nicht gefunden habe. Leider trägt die klassische 70er Jahre Inszenierung nicht dazu bei, dass ich mir den Film demnächst unbedingt nochmal ansehen möchte, um ihn zu entschlüsseln. Irgendwann wird dieser versuch aber sicher stattfinden, solche Filme üben dann doch eine zu starke Anziehungskraft auf mich aus.

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