Uncategorized Benjamin on 09 Aug 2007 04:31 am

Dänische Delikatessen (Anders Thomas Jensen, Dänemark 2003)

In dänischen Filmen fühlt man sich, wenn man schon ein paar kennt, sehr schnell heimisch. Es sind immer wieder die gleichen symphatischen Gesichter die einem begegnen, zumindest in den Filmen von Anders Thomas Jensen, wobei dieser auch der einzige dänische Regisseur sein dürfte, der momentan Filme für den Weltmarkt produziert.

Dänische Delikatessen einzuorden fällt relativ schwer. Ein Drama ist er nicht wirklich, auch wenn die Story dramatische Züge hat, aber von einer Komödie kann man auch nicht wirklich sprechen, außer man bezeichnet dass Dargebotene als überaus schwarzen, absolut trockenen Humor dänischer Machart.  Und es wird wieder sehr morbide. Die beiden Freunde Svend und Bjarne machen ihre eigene Schlachterei auf. Durch einen unglücklichen Umstand wird ein Elektriker im Kühllager über Nacht eingefroren und ist am nächsten Morgen ziemlich steif. Svend ist noch völlig paralysiert während er eine Großbestellung seines einstigen Arbeitsgebers erhält, der ihn gleich auf die Probe stellen will. In Panik schlachtet Svend den Elektriker und verkauft das Fleisch an seinen ehemaligen Chef. Das Essen kommt außergewöhnlich gut an, so dass am nächsten Tag die Kunden Schlange stehen. Bjarne ist zunächst entsetzt, als er erfährt was vorgefallen ist, schließlich erliegt er aber auch der Versuchung, und so verschwinden immer mehr Leute, die zunächst keiner vermißt, während die Kunden ihres Geschäfts begeistert sind vom vorzüglichen Geschmack der Ware. Doch mit der Zeit werden Fragen gestellt…

Jensen lehrt uns, dass es auf jeden Fall vorzuziehen ist, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, statt sich auf die schiefe Bahn zu begeben. Diese Lehre wird sehr krass rübergebracht. Ohne das der Film willentlich auf Schockmomente setzt und großartig Ekel hervorrufen will, sind einige wenigen Szenen für fragile Gemüter vielleicht dann doch zu realistisch. Auch wenn die abgehangenen Körper und menschlichen Einzelteile insgesamt nur sehr selten zu sehen sind, und auch nie lange im Bild sind, kann einem manchmal schon seltsam werden, ob dieser sehr nüchternen Darstellung der Schlachterkunst, auch wenn sie einfach wie selbstverständlich in das Geschehen integriert wird, ohne das großes Aufheben um sie gemacht wird. Die Kameraarbeit, der Schnitt, die Beleuchtung, die Kulissen, alles ist absolut vorbildlich in diesem Film, aber dennoch fehlt das Gespühr für die Geschichte der Hauptpersonen. Erst die finale Auflösung wertet den Film auf, wobei der Fim auch ohne sie hätte enden können, man dann allerdings ein deutlich schlechteres Gefühl gehabt hätte. So bleiben leider Figuren trotz angedeuteter Tiefe recht oberflächlich, Adams Äpfel geht hier den entscheiden schritt weiter. Die Gesamtinszenierung lässt allerdings über dieses Manko hinwegsehen, so dass man sich auf jeden Fall auf einen interessanten Videoabend mit unseren dänischen Nachbarn einstellen darf. Und als gesichert gilt, dass der nächste Film von Anders Thomas Jensen im Kino gekuckt wird.

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