Polizei &Thriller Benjamin on 11 Aug 2007 05:13 am

French Connection – Brennpunkt Brooklyn (William Friedkin, USA 1971)

Das Beschäftigen mit Filmtheorie scheint Wirkung zu zeigen, man achtet auf zahlreiche Details und bekommt allmählich einen Blick dafür, was in manchen Szenen das besondere ausmacht. Z.b. die Szene in welcher der Scharfschütze “Popeye” (Gene Hackman) auflauert. Zunächst sehen die Einstellung eines Bürgersteiges an einer Straßenkreuzung und den Rücken eines kleinen Kindes, das sich auf einem Dreirad vom Zuschauer entfernt. Zunächst fragt man sich, was es wohl mit diesen Kind auf sich hat, doch dann kommt auch schon Popeye von rechts ins Bild gelaufen, folgt der Kreuzung, geht an dem Kind vorbei und bewegt sich auf uns zu. Das kleine Kind hatte also keine wirkliche Funktion. Schnitt. Wir sehen eine Frau mit einem Kinderwagen, die sich ebenfalls von uns entfernt. Gleiche Situation wie eben, die Frau hat wahrscheinlich nichts zu sagen. Wieder tritt Popeye nach wenigen Augenblicken ins Bild, geht an der Frau vorbei, in dem Moment fällt ein Schuss, und die Frau sackt zusammen. Die Frau hat nicht nur einfach die Funktion, erschossen zu werden. Zusammen mit dem Kind, das im ersten Augenblick keine Funktion zu erfüllen, dient sie dazu, den Zuschauer in die Irre zu führen, ihn in Sicherheit zu wiegen, um dann in einem unerwarteten Moment den Zuschauer aufzurütteln und in Panik zu versetzen, da die vertraute Welt durch den Schuss auf den Kopf gestellt wird. Die ist nur ein Beispiel für einen kleines, aber wirkungsvolles Stilmittel, welches der Regisseur in diesem Film eingesetzt hat, welches einem beim reinen Sehen gar nicht bewußt wird, unterbewußt aber durchaus eine Wirkung hat.

Auch ansonsten ist der Film überaus gelungen. Er hält sich nicht mit langen Erklärungen auf, es gibt noch nicht mal eine großartige Einführungssequenz. Direkt die erste Szene versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen und man muss selbst herausfinden, was los ist, was ist geschieht, und worum es eigentlich geht. Dieser Kunstgriff kompensiert gewissermaßen die dünne Story des Films, sie wird dem Zuschauer nicht platt aufgedrückt, man wird vielmehr selbst schnell Teil der Story und muss erfassen, worum es geht. Drei Szenen aus dem Film bleiben wohl besonders in Erinnerung. Zum einen die Verfolguns Charniers durch Popeye durch die Straßen und U-Bahnstationen New Yorks. Popeye setzt alles daran unentdeckt zu bleiben und an Charnier dran zu bleiben, aber dieser weiß genau, dass er verfolgt wird und beginnt somit ein Katz und Maus Spiel mit Popeye, an dessen Ende Popeye nichts anderes übrig bleibt, als der abfahrenden U-Bahn hinterher zu schauen. Eine sehr unterhaltsame Szene, die aber vor allem wegen ihrer ungeheuren Spannung unterhält.

Dann natürlich die Verfolgungsjagd der entführten S-Bahn, die wohl Maßstäbe im Actionbereich setze. Auch ohne einen Schnitt pro Sekunde kann man so eine Verfolgungsjagd interessant halten, selbst wenn sie einige Minuten dauert. Heutzutage wäre eine solche Szene vermutlich wesentlich kürzer. Ein Crash der Jagd ist übrigens real passiert, man hatte zwar die Straße abgesperrt, aber die Ausfahrten vergessen, bei dem Unfall wurde aber zum Glück niemand verletzt. Nervenkitzel ohne Ende, auch wenn man sich am Ende gewünscht hätte, dass Popeye ein besserer Schütze wäre. Und dann natürlich die Schlusssequenz, die den Zuschauer recht verstört zurücklässt. Ein Schuss aus dem Off und man ist zunächst ratlos, bis der Schlusstext die Szene auflöst. Ein wie ich finde sehr gelungenes und passendes Ende eines überaus spannenden Thrillers. Es gab Oscars für den besten Film, die beste Regie, den besten Schnitt, und das beste adaptierte Drehbuch. Interessant, da die beiden Hauptdarsteller viele Dialoge des Drehbuchs ignorierten und Dialoge improvisierten, die aus ihrer einmonatigen Begleitung zweier Polizeibeamten stammte. Und für Gene Hackman, der irgendwie vor 36 Jahren genau so aussah wie heute, gabs den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller (den ersten hat übrigens ein Deutscher bekommen). Es gelingt ihm in der Tat den überambitionierten, fast schon von seinem Job besessenen, aber eigentlich total kaputten Cop, der auf den Spitznamen Popeye hört zu verköpern. Roy Schneider ist ein seiner Nebenrolle solide, bleibt aber klar hinter Hackman zurück. Ein Thriller, der es auch nach fast 40 Jahren durchaus noch schafft, die Nerven des Zuschauers zu packen.

Schade nur, dass der Film sich der üblichen Klischees bedient. Drogen konsumieren wieder mal nur die Schwarzen, natürlich hat jeder immer was dabei. Die Weißen sind es aber die, das dicke Geld mit den Drogen verdienen, hier mischt kein schwarzer mit. Und die Cops selbst, zumindest einer von ihnen, ist natürlich relativ grundlos ein Rassist. Ich hab zu wenig Filme aus den 60ern/70ern gesehen, um beurteilen zu können, ob solche Schubladen damals Standard waren, zu begrüßen sind sie aber nicht unbedingt. Da scheint der zweite Teil, nach allem was ich bisher so gelesen habe, schon einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, und in Hinblick auf Drogen und Sucht das übliche Rollenmuster zu verlassen. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil, wobei es wohl noch etwas dauern wird, bis ich mir den zu Gemüte führen werde.

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