Coming of Age &Dustin Hoffman Benjamin on 13 Aug 2007 07:32 pm
Die Reifeprüfung (Mike Nichols, USA 1967)
Mittlerweile hat der Film über 40 Jahre auf dem Buckel. Dustin Hoffman, der in diesem Film (trotz seiner dreißig) Jahre den 21 jährigen Benjamin spielt, feierte just seinen 70. Geburtstag. Für seine Rolle waren eigentlich zig andere Leute vorgesehen, aber entweder scheiterte es an Gehaltsfragen, oder daran, dass sie in den Augen des Regisseurs die Rolle nicht richtig verkörpen würden. So ist es bezeichned, dass es gerade Hofman Unsicherheit und Nervosität war beim Vorsprechen war, die ihm schließlich die Rolle einbrachte. Und meiner schöner Vorname Benjamin wird mal wieder völlig unangebracht symbolisch verwendet. Eigentlich heißt er “Sohn der Freude” oder auch “Glückskind”. Hier steht er symbolisch für “der kleine”. Benjamin ist ein junger Mann, der gerade mit dem College fertig geworden ist, bisher immer seinen Weg gegangen ist, den ihm seine Eltern vorgegeben haben, und jetzt kommt ner nach seinem Abschluss heim, und muss seinen weiteren weg finden. Bezeichnederweise sind auf der Willkommensparty nur Freunde seiner Eltern, die wohl irgendwie auch seine Freunde sind. Irgendwie aber auch nicht. Auf dieser Party wird Mrs. Robinson, die Frau eines Freundes seines Vaters auf ihn aufmerksam. Sie fragt ihn, ob er sie nach Hause fahren kann, wo sie ihm, obwohl sie mehr als doppelt so alt ist wie er, das Angebot einer Affäre macht, welches Benjamin nach anfänglichem Zögern auch annimmt.
Dieser Film entstand genau in dem Jahr, in dem der Hayes Code, die amerikanischen Zensurauflagen der 40er, 50er und frühen 60er, aufgehoben wurde. Dementsprechend skandalös muss der Film damals gewirkt haben. Die dargestellte Beziehung eines jungen Mannes zu einer wesentlich älteren, verheirateten Frau widersprachen allen gesellschaftlichen Normen die damals galten, und selbst heute wirkt so etwas noch befremdlich, wenn gleich es heute niemanden mehr ernsthaft schockieren würde. Damals aber, in den 60er lehnte sich der Film gegen alle Regeln auf und gilt seitdem als Prototyp für Filme die von verwirrten Teenagern handeln. Es ist ein Film, den man auf zweierlei Arten genießen kann. Zum einen von der handwerklichen Seite enthält der Film sehr viel an Methapern, Szenen und Einstellungen die mehr verraten als die eigentliche Handlung, kurzum, ein wahres Fest für Freunde von Fellini, Godard und Co, nur verpackt in einen amerikanischen Film, der eben auch unterhält wenn man kein Filmwissenschaftler ist, der einem auf intellektueller Ebene recht will bietet, wenn man will, der aber nicht unbedingt viel auf dieser Ebene verlangt, damit sich der Filmgenuß einstellt. Der vielgepriese Soundtrack von Simon und Garfunkel besteht im Grunde nur aus vier Lieder, die mit ihnen verbundenen Eindrücke und Emotionen wandeln sich aber Film, so dass da wo Bild und Musik am Anfang des Filmes wunderbar harmonieren, sie im späteren Verlauf eigentlich für das genaue Gegenteil stehen. Dementsprechend wandelt sich auch Benjamin. Anfangs ist er wirklich ein zurückhaltender, schüchterner junger Mann, der überaus unsicher wirkt. Von Mrs. Robinson wird er lediglich als sexuelles Objekt zur Befriedigung ihrer Lust benutzt, eigentlich nur aus reiner langeweile. Die Treffen der beiden beschränken sich im Grunde auf den reinen Sex. Als Benjamin nach Wochen sich auch mal unterhalten möchte, ist sie völlig desinteressiert. Doch im entstehenden Dialog gelingt es dem Regisseur uns in ganz wenigen Sätzen, die gesamte Geschichte und Problematik von Mrs. Robison, die Benjamin übrigens auch nach unzähligen Malen des Verkehrs immer noch respektvoll so nennt, aufgedeckt. Und durch dieser sexuelle Beziehung erwacht Benjamin erst und beginnt, mutiger, selbstbewußter und zielgerichteter zu werden, was in einem fulminaten, schnellen und oft parodierten Finale endet, in dem Benjamins Wandel komplettiert wird. Ein wirklich sehr sehenswerter Film, mit einem hervorragened aufspielendem Dustin Hoffman, welchem mit diesem Film der Durchbruch in Hollywood gelang. Zwischen ihm und der Darstellerin der Mrs. Robinson lagen übrigens in der Realität gerade einmal sechs Jahre Altersunterschied. Der Film wird denke ich nie zu meinen wirklichen Lieblingsfilmen gehören, gerade in Anbetracht seines Alters ist es aber ein wirklich mehr als sehenswerter Film, der auch heute nicht viel von seiner Faszination verloren hat.
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