Charakterstudie &Drama &Ghetto &HipHop &Millieustudie Benjamin on 26 Aug 2007 05:56 am

Hustle & Flow (Craig Brewer, USA 2005)

Nachdem ich von der Wirkung und dem Stil Black Snake Moans schon recht beeindruckt war, war es an der Zeit, sich den ersten großen Hollywoodfilm von Craig Brewer anzusehen, der in den Kritiken zu BSM ziemlich hochgelobt wurde, unter anderem von spiegel online. Und tatsächlich schafft es Hustle & Flow sich an die Spitze der bis heute gesehenen Filme aus dem Produktionsjahr zu schieben und dabei Batman Begins von der Spitze zu stoßen. Die Grundgeschichte des Films wurde schon zig Mal erzählt, ein im Ghetto lebeneder Underdog, aus der schwarzen Unterschicht, hat den Traum, diesen Sumpf zu verlassen und durch Musik, durch Hip Hop, den Durchbruch zu schaffen. Die Grundidee ist als altbekannt. Die Art und Weise wie diese Geschichte erzählt wird, ist aber durchaus bemerkenswert. In BSM war der Blues der eigentliche Star des Films, auch wenn Jackson und Ricchie hervorragend gespielt haben, in Hustle & Flow schafft es der kraftvolle Hip Hop hingegen nicht, dem brillant aufspielenden Terrence Howard und seinen Nebendarstellern die Show zu stehlen.

Der Film spielt zwar im Millieu von Prostituierten, Zuhältern, Drogendealer und Junkies, aber dennoch hält er sich mit irgendwelchen Gesellschaftskritiken vornehm zurück, die Darstellung der Zustände und Verhältnisse wirkt einfach sehr natürlich, ohne ein großes Statment setzen zu wollen. Brewer legt sein Hauptaugenmerk auf die Charaktere, ihre Entwicklung und Beziehungen zueinander und trifft damit voll ins schwarze. So ist man anfangs verwirrt, weil man mit zahlreichen Schicksalenen und Charakteren konfrontiert wird, nach und nach fügt sich das ganze aber zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Jeder Charakter in diesem Film hat seinen eigene Geschichte und wirkt glaubhaft, es handelt sich in der Tat um eine der besten recherchierten und umgesetzten Milleustudien, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Und auch wenn die Geschichte wie schon erwähnt zwar schon oft erzählt wurde, so wie hier wurde sie selten erzählt, hier werden Hoffnungen geschürt und Träume zum Platzen gebracht, der Aufstreber mit der Realität konfrontiert und er droht im Sog seiner Herkunft unterzugehen. Und dennoch bleibt am Ende ein Funken Hoffnung. Das Ende schafft das Kunststück zugleich ein Happy End zu sein, auf der anderen Seite aber auch nicht. Sowas sieht man selten in einem Film. Brewer ist auf jeden Fall ein Regisseur, den man im Auge behalten soll, denn von Filmen, bei denen im Vorspann steht, dass sie MTV mitproduziert wurden, erwartet man eigentlich nicht wirklich viel.

In Hustle & Flow ist der Hip Hop, um den sich die Geschichte vordergründig dreht, die ganze Zeit im Hintergrund präsent, und drängt sich nur selten mit kraftvolles Beats in den Vordergrund, schafft es dann aber, auch über den Film hinaus im Gedächnis zu bleiben. So ist es Djays Hit, der einem auch nach dem Abspann noch durch den Kopf geht, und dazu anregt, über den Film nachzudenken. Aber acuh wenn es nicht um den Song selbst geht, ist der Score des Films immer auf den Punkt passend. Selbst wenn man, wie ich rein gar nichts mit Hip Hop anfangen kann, ist der Film absolut sehenswert, denn auch wenn der Hip Hop irgendwie immer da ist, schon allein weil fast alle gezeigten Charaktere Hip Hoper sind, geht es eben halt doch nur Hintergründig um den Hip Hop, sondern, ähnlich wie in Million Dollar Baby um die einzlnen Schicksale, ihre Hoffnungen, Träume und Wünsche. Und wenn einem wirklich etwas ans Herz geht, dann sind es wirkliche Menschen und hier hat man das Gefühl, einige auf einem Teil ihres Weges zu begleiten. Ob Brewers nächster Film wohl Rock’n'Roll als vordergründiges Thema hat? Man darf gespannt sein, sein nächstes Werk wird auf jeden Fall im Kino gesichtet.

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