Komödie &Travestie Benjamin on 26 Aug 2007 03:10 am

Manche mögen’s heiß (Billy Wilder, USA 1959)

Bis zum heutigen Tage habe ich noch nie einen Film mit Marilyn Monroe gesehen, und in meiner Erinnerung war sie immer eine eher nicht ganz so schlanke, eher stabilere Frau, die für mich jedem Schönheitsideal zum trotz doch sehr weit weg war vom Sexsymbol, so dass ich dass Brimborium dass um sie gemacht wurde und wird nie ganz nachvollziehen kann. Wie gesagt, bis zum heutigen Tage. Nach der ersten Sichtung eines Monroe Films kann ich nur bestätigten dass Marilyn noch im Alter von 33 Jahren ein absolutes Sexsymbol ist, und sie denke ich auch im heutigen Vergleich locker gegen andere hübsche Schauspielerinnen bestehen könnte. Sie als Archetyp des blondes Sexsymbols anzupreisen ist denke ich keine Untertreibung und mittlerweile kann ich dass Brimborium nachvollziehen. Allein in der Zugszene, in der sie zu Curtis in die Koje huscht enthält mehr Erotik und Sex als jeder Hardcorestreifen, allein durch Anspielung und leise Präsenz wird eine ungeheure Spannung aufgebaut und wohl so ziemlich jeder Mann hat mitleid mit dem als Frau verkleideten Joe, und wünscht sich doch insgeheim in seine Position, selbst wenn das bedeuten würde, Frauenkleider tragen zu müssen. In der Szene in der sie “I Wanna Be Loved By You” singt, setzt die geschickte Ausleuchtung der sexuellen Spannung noch einmal einen drauf. Das ganze wirkt heute immer noch beeindruckend, wo wir doch schon ganz anderes gewohnt sind, mich hätte durchaus die Reaktion der Männerwelt Anfang der 60er auf diesen Film interessiert.

Und das alles, obwohl es Monroe körperlich gar nicht gut ging. Sie leidete unter ihrer Drogensucht, hatte starke psychische Probleme, die dazu führten, dass sie manche Szenen bis zu 80 mal wiederholen musste und sie es nahezu 50 mal nicht hinbekommen hat, den Satz “It’s me, Sugar” richtig vorzutragen. In der Einstellung, in der sie es dann schaffte, stand sie mit dem Rücken zur Kamera, so dass Regisseur Wilder schließlich aufgab, und die Szene nachsynchronisieren ließ. Dazu kam, dass Monroe während der Dreharbeiten schwanger war (wie so oft wahrscheinlich eine Fehlgeburt, da sie keine bekannten Kinder hat), was ihre körperliche Konstitution nochmals verschlimmerte, was man später an manchen Stellen im Film auch sieht. Doch trotz all dieser Schwierigkeiten, und ihrer wohl eher mangelnden Fähigkeiten als Schauspielerin in dieser Lebensphase bleibt ihre Wirkung unverändert, auch wenn sie zunehmend unzufriedener damit war, auf die Rolle des blonden Dummchen festgelegt zu werden. Natürlich spielt sie in diesem Film ihre Paraderolle, ein blondes Dummchen. Nun, vielleicht nicht wirklich dumm, aber auf jeden Fall naiv.

Letztlich muss man aber wohl sagen, dass Monroe zwar ungemein wichtig für die Optik des Films ist, die wirklichen Stars, die den Film bestimmen und ihm Leben geben sind Tony Curtis und Jack Lemmon. Die beiden sind das Herz dieser Travestiekomödie, die wohl zurecht zu einer der besten, wenn nicht gar der besten Komödien aller Zeiten gewählt wurde (wobei solche Hitlisten ja immer nicht so übermäßig ernst zu nehmen, gerade unter Filmen wird es nie DEN besten einer Gattung oder eines Genres geben). Wilder wollte zwar Männer in Frauenkostümen, aber er wollte keine Tunten, so dass der Anlass der beiden die Rollen zu wechseln in durchaus ernster, gar lebensbedrohender ist, und ihre Notlage glaubhaft macht, und so spielen die zwei auch. Zunächst haben Lemmon und Curtis Frauenkleider auf dem Studiogelände getragen, und nachdem sie nirgends aufgefallen sind, haben sie an verschiedenen Orten auf Damenklos ihr Make-Up überprüft, und nachdem selbst dort keiner der anderen anwesenden Frauen etwas aufgefallen ist, waren sie überzeugt, dass sie durchaus glaubhaft den Mann im Frauenkostüm, der nicht auffällt spielen können. Um das ganze aber noch einen Tick glaubhafter zu machen, haben sie sich gegen das Trainig gewehrt, in welchem sie lernen sollten auf Stöckelschuhen zu gehen, denn schließlich sollten sie nicht aussehen wie Frauen die auf Stöckelschuhen gehen, sondern wie Männer, die versuchen wie eine Frau auf Stöckelschuhen zu gehen. Die beiden ergänzen sich prächtig und wirken in ihren Rollen als Frauen durchaus symphatischer als in der kurzen Zeit, in der sie als Männer agieren. Dieser Film ist wirklich ein Faszinosum, die zwei Stunden vergehen wie im Flug und die Geschichte bietet recht viel, durchdachten Witz, Millionäre, Blondinen, ein Frauenorchester, Mafiagangster, einen Killer in einer Geburtstagstorte, Travestie und Verwechslung, Musik, ein flottes Tempo, brillante Darsteller und eine herrliche Kamerarbeit, so dass der Film auch nach fast 50 Jahren noch voll überzeugen, begeistern und faszinieren kann, und sogar sein Ende hat immer noch die gleiche Wirkung wie seinerzeit, denn wer rechnet schon damit dass Fielding auf Daphnes Offenbarung “Ich bin ein MANN” mit “Niemand ist vollkommen” antwortet. Dieser Satz ist dann zugleich auch sinnbild für den Film, oft wird in diesem Gedanken der Einwand gebracht, dass auch Filme dass nicht sein können, man nach “Manche mögens heiss” aber durchaus zweifel daran bekommen könnte. Ob dem nun wirklich so ist, muss jeder selbst entscheiden :-) Wer diese Screwballkomödie bisher noch nicht gesehen hat, sollte dies unbedingt nachholen.

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