Monthly Archive for "August 2007"



Musical Benjamin on 23 Aug 2007

Der Zauberer von Oz (Victor Fleming, USA 1939)

Eine vor kurzem erschienene Studie über die Bekanntheit von Filmen hat ergeben, dass mit großer Wahrscheinlichkeit Der Zauberer von Oz der am meisten gesehen Film der Filmgeschichte ist. Eine These die durchaus Stimmen könnte, denn das Musical wurde und wird immer noch seit Jahrzehnte bevorzugt zur Weihnachtszeit gezeigt und ist durch seine märchenhafte Struktur ein idealer Familienfilm, so dass ihn fast jedes Kind, dass Zugang zu Massenmedien hat, gesehen haben dürfte. Und tatsächlich, die Geschichte von der jungen Dorothy, die nach einem Wirbelsturm im fernen Oz landet, und auf ihrer Reise zum Zauberer von Oz, die Vogelscheuche, die so gern ein Hirn hätte, den Löwen, der sogern ein wenig Mut hätte, und den Blechmann, der gerne ein Herz hätte, trifft und mit ihnen Abenteuer bestreitet, dürfte jedem Kind bekannt sein.

Das bekannteste Lied des Films, “Somewhere over the rainbow” wurde im Zuge dieses Filmes zur Hymne der Homosexuellenbewegungen, da man sich im Song ausgedrückten Wunsch nach Freiheit wiederfand. Die Kindheitserinnerungen die man mit dem Film verbindet, sind wohl dass, was ihn zum großen Klassiker machen, denn so an sich hat der Film nicht wirklich viel zu bieten, man fragt sich auch ernsthaft, warum Dorothy so versessen darauf ist, ins triste Kansas zurückzukehren, gerade in Hinblick auf ihren Hund. Der Kontrast von Kansas und Oz wird durch einen der frühesten, eindrucksvollsten Einsatzes von Farbe unterstrichen, Kansas erscheint als trister, trostloser, schwarzweißer Ort, und ab dem Moment, in dem Dorothey in Oz landet, bekommt man ein kraftvolles Farbenspektakel geboten, das wirklich wie in einem Traum erscheint.

Uncategorized Benjamin on 21 Aug 2007

Die Ritter der Kokosnuss (Terry Jones/Terry Gilliam, Großbritannien 1974)

Ein Film, der zurecht den Status eines Kultfilms genießt. Monthy Pythons erster Ausflug auf die große Kinoleinwand bringt dem Zuschauer jede Menge zündender Gags am Fließband, die relativ locker über einen dünnen roten Faden zusammenhängen und die Geschichte von König Arthus und seiner Suche nach dem heiligen Gral erzählen. Das Killerkaninichen, der schwarze Ritter, der einen abgeschlagenen Arm nur als Kratzer bezeichnet, der ewige Disput zwischen Franzosen und Engländern, die ersten Ideen von Demokratie, die Ritter, die sich keine Pferde leisten können, die Ritter die Ni sagen, sind allesamt Klassiker geworden, die jedes Kind kennt oder kennen sollte. Die Filme von z.B. Peter Sellers liefern ja oft auch nur eine lose Aneinanderreihung von Gags und Sketchen, die Art, wie Terry Gilliam dies Prinzip umsetzt, gefällt mir persönlich allerdings viel besser. Die Ritter der Kokosnuss hat so viele zahlreiche zitierwürdige Dialoge, dass er nur noch vom Life of Brian übertrumpft wird.
Ein kurzweiliger zeitloser Klassiker, den man sich immer mal wieder ohne dass er langweilig wird. Durch die wabernden Nebel, sumpfigen Landschaften und den ständigen Dreck überall gewinnt er sogar ein wenig Authenzität, sobald das überhaupt möglich ist. Lediglich am Ende hätte ein wenig gepfeilt werden müssen, das ist mir ein wenig zu einfallos, aber das wurde ja ebenfalls im Nachfolger ausgebessert.

Gore &Horror &Peter Jackson &Splatter Benjamin on 21 Aug 2007

Braindead (Peter Jackson, Neuseeland 1992)

oder auch “Das Rasenmähermassaker” genannt. Was für ein überaus gelungener Film. Diesen Film als Horrorfilm zu bezeichne würde dem ganzen irgendwie nicht gerecht werden, er ist einfach durch und durch ein Splatter bzw. Gorefilm, wobei ich den Unterschied zwischen beidem auch noch nicht so ganz genau kenne. Die Story ist natürlich absolut trivial, irgendein Forscher findet auf einer Insel einen “Affen”, wobei es sich eher um irgendein Monster handelt, dass gebissene Lebewesen in Zombies verwandelt. Nachdem im Zoo jemand gebissen wird, greift die “Seuche” dann um sich und immer mehr Einwohner der Stadt werden zu hirnlosen Zombies. Das Genre wird hier so dermaßen überzogen, dass man den Film wirklich nicht mehr als Horrorfilm sehen kann, es handelt sich wie schon gesagt, eher um eine Mischung aus Splatter und Komödie, mit teilweise sehr gelungenen, kreativen Einfällen, mit denen Braindead Maßstäbe gesetzt hat, an dem sich heutige Splatterfilme noch messen müssen. Woran sie meistens scheitern, denn der Film nimmt sich im gegensatz zu vielen vergleichbaren Filmen nie ernst, und erreicht dadurch eine Leichtigkeit in welche er seine wirklich gelungenen Splatterinlagen verpackt, die ich noch nirgendwo anders gesehen habe. Die Kinderspielplatzszene mit dem Schußsatz “Hyperaktiv” ist wirklich mehr als gelungen und die Rasenmäherszene hält glaube ich bis heute den Rekord mit ca. 20 Liter Ahornsirup pro Sekunde. Ein Film den man defintiv gesehen haben sollte, wenn man ihn auf legalem Wege zu sehen bekommt.

Horror &Kurzfilm Benjamin on 21 Aug 2007

Zombie Movie (Ben Stenbeck, Neuseeland 2005)

Gerade eben über diesen 15 minütigen Kurzfilm eines ehemaligen Weta-Mitarbeiters gestolpert, der doch recht nett anzusehen ist. Drei Freunde sitzen in einem Auto fest. Ohne Zigaretten und Benzin sind sie umringt von Zombies. Diese sind zwar zu dämlich, um ins Auto zu gelangen, aber andererseits kommen die Drei ohne Benzin halt auch nicht vom Fleck, zumal ihr IQ scheinbar auch nur ganz knapp über dem der Zombies zu liegen scheint. Das ganze ist dann ein kurzweiliger Mix aus Gore, Horror, Komödie und ein ganz klein wenig Splatter. Das Szenario ist doch recht interessant, da man durchaus gespannt ist, was wohl aus den Drei werden wird. Natürlich reichen 15 Minuten nicht für eine große Geschichte aus, aber ich fand allein die Idee durchaus unterhaltsam, und für Freunde des Horrorgenres, oder Leute, die sich fürs Filmemachen interessieren, sind die 15 Minuten, die im Nu verfliegen sicherlich eine lohnenswerte Investition. Ansehen kann man sich den Film entweder über Steam oder bei den üblichen Onlinevideoportalen.

Uncategorized Benjamin on 21 Aug 2007

Catch me if you can (Steven Spielberg, USA 2002)

Das letzte Mal habe ich den Film im Kino gesehen, also vor fünf Jahren, und ich hatte ihn als ziemlich schlecht und langweilig in Erinnerung. Im Zuge meiner momentanen Sichtung von Spielbergs Gesamtwerk und dem heutigen Wunsch nach eher seichter, leicht bekömmlicher Filmunterhaltung kam der Film dann gerade recht.  Und ich muss sagen, dass er mir bei der neuerlichen Sichtung ausgesprochen gut gefallen hat, wenn gleich ich ihn nicht unbedingt zu Spielbergs besten Filmen zählen würde.

Aber dennoch hat das Biopic über Frank Abagnale eine gewisse Faszination. Bei Abagnale handelt es sich um einen der berühmtesten und besten Trickbetrüger und Hochstapler in der Geschichte der USA. Noch vor seinem 18. Geburtstag war er als Co Pilot bei Pan Am unterwegs, zeitweise als Arzt und Anwalt angestellt und hat Millionen mit gefälschten Checks gemacht. Bei all seinen Unternehmungen war er stets der Gefahr der Entdeckung ausgesetzt und das FBI saß ihm die ganze Zeit über im Nacken.

In dieser Verfilmung entsteht sogar eine gewisse Bindung zwischen dem Chefermittler, gespielt von Tom Hanks, und Abagale, verkörpert von Leonardo di Caprio, der mal wieder keine Probleme hat, den 17 jährigen darzustellen. Tom Hanks wirkt für mich zeitweise etwas verloren in diesem Film, er passt nicht so wirklich in die Rolle,vielleicht auch ein Problem der deutschen Synchro, wobei er seinen ganz normalen Synchronsprecher hat. di Caprio hingegen geht voll auf in seiner Rolle und kann durchaus überzeugen. Spielberg schafft es, die Geschichte interessant und unterhaltsam zu erzählen, es wäre allerdings schön gewesen, wenn er sich von seinem familiären Haupttheme etwas distanziert hätte und die Vater Sohn Beziehung nicht so dermaßen ausgebreitet hätte. Sie spielt zwar für die Entwicklung und die Hintergründe von Abagale eine Rolle, allerdings steht die Bedeutung und ihre Darstellung im Film in keinem Verhältnis zueinander.

So war Catch Me If You Can letztlich genau das, was ich mir heute Abend gewunscht habe. Eine überhaus gelungene, seichte Unterhaltung, die dem Zuschauer nicht viel abverlangt, aber dennoch eine interessante Geschichte erzählt.

Comicverfilmung Benjamin on 19 Aug 2007

Fantastic Four (Tim Story, USA 2005)

Und noch eine Comicverfilmung, diesmal trifft es die Fantastischen Vier, eine Gruppe von Superhelden, die auf einer Reise im All durch eine kosmische Wolke Superkräfte erworben haben. Anders als die meisten anderen Superhelden, haben sie keine Geheimidentitäten sonder werden sogar zu Medienstars. Dieser erste Film über die Fantastischen Vier besteht im Grunde auch nur daraus, wie die vier zunächst ihre Kräfte bekommen, sie entdecken, und schließlich mit ihnen umzugehen lernen. Ihr eigentliches Ziel ist es, sie wieder loszuwerden, da vor allem Ben absolut entstellt wurde, und als das Ding, zwar ungeheuer stark und robust geworden ist, aber halt auch so hässlich, dass seine Frau sich von ihm distanziert und er die tragische Figur in diesem Vierergespann ist. Eine wirkliche Bedrohung gibt es eigentlich nicht, irgendwann am Ende will der Bösewicht, der ähnliche Fähigkeiten erworben hat, die Vier auslöschen, woran er natürlich gehindert werden kann.

Der Film ist durchaus unterhaltsam, nett in Szene gesetzt, es macht auch Spass den vieren, bzw. fünfen dabei zuzukucken, wie sie mit ihren Fähgikeiten umzugehen lernen, und natürlich ist vor allem Jessica Alba einer der Hauptgründe sich den Film anzusehen. Aber mit der Klasse anderer aktueller Comicverfilmungen wie Batman, Spiderman und den X-Men kann Fantastic Four nicht mithalten. Dafür sind die Schauspieler zu schlecht, die von ihnen dargestellten Charaktere zu oberflächlich und die Geschichte zu dünn. Für Fans der Comics vielleciht ganz sehenswert, für alle anderen dürfte der Unterhaltungswert eher  gering sein

Uncategorized Benjamin on 19 Aug 2007

Contact (Robert Zemeckis, USA 1997)

Contact ist ein Science Fiction Film der anderen Art. Die Suche nach außerirdischem Leben hat Erfolg. Die Wissenschaftlerin Ellie (Jodie Foster) entdeckt ein Signal aus einem wenige Lichtjahre entfernten Sonnensystem. Zunächst kann eine Folge von Primzahlen entschlüsselt werden, schließlich entdeckt man ein Fernsehsignal, dass die ersten von der Menscheit ins All abgestrahlten Signale zeigt (die Eröffnungsrede der Olympiade 1936), in welchem schließlich die Bauanleitung für eine gigantische Maschine ausfindig gemacht werden kann. Schließlich tritt Ellie die Reise ins Ungewisse an.

Der Film hat neben der Faszination für die Wissenschaft den Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft als Thema. Ellie ist durch und durch Wissenschaftlerin, ihr Weltbild stützt sich auf Daten und Fakten. In ihrem Leben ist kein Platz für Gott, da es keinen Beweis für seine Existenz gibt. Später ist sie selbst in der Lage, dass sie ein Erlebnis hat, das scheinbar nicht stattgefunden hat. Sie beginnt ihre Reise und ist 18 Stunden unterwegs, sieht fremde Welten, hat Kontakt zu außerirdischen, doch als sie zurückkehrt stellt sie fest, dass dieses Ereignis gar nicht stattgefunden haben scheint, da auf der Erde keine Zeit vergangen ist, und es für alle anderen den Anschein hat, dass sie nie die Erde verlassen hat. Sie ist nun selbst in der Situation, dass sie ein Erlebnis mit anderen teilen möchte, ohne den geringsten Beweis dafür zu haben, dass es stattgefunden hat. Sie gibt in einer Anhörung sogar zu, dass die Möglichkeit, dass das Ereignis nicht stattgefunden hat, die naheliegenste ist, wenn man das ganze aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet, kann ihre Aussagen aber nicht wiederufen, da sie nunmal erlebt hat, was sie erlebt hat.

Die Geschichte ist unglaublich faszinierend und weckt sicher bei vielen Jugenderinnerungen. Er hat nicht viel gemein mit anderen Science Fiction Blockbustern dieser Zeit und verzichtet weitgehend auf große Action und Spezialeffekte, wenngleich die Reisevorrichtung, die nach den übermittelten Konstruktionsplänen gebaut wird, schon sehr spektakulär aussieht. Leider hat der Film gerade anfangs einige Längen und in der Startsequenz ist Foster manchmal etwas nervig, alles in allem aber ein sehr sehenswerter Film.

HongKong &Polizei &Thriller Benjamin on 14 Aug 2007

Infernal Affairs (Wai Keung Lau/Siu Fai Mak, Hong Kong 2002)

Es fällt naturgemäß schwer etwas über diesen Film zu schreiben, ohne ihn direkt mit The Departed zu vergleichen. The Departed ist offiziell von Infernal Affairs nur inspiriert, es handelt sich aber zweifelsohne um ein Remake, und zwar um ein mehr als geglücktes. The Departed hab ich zwar auch schon mehrmals gesehen, aber bisher noch nie was dazu geschrieben, fragt nicht warum. Die Grundgeschichte ist schnell erzählt und liefert Potential für einen spannenden Film. Im Zentrum stehen zwei Cops, der eine ist Undercoveragent, eingeschleust in eine der Triaden, von dessen Existenz nur zwei Personen im Polizeiapparat wissen, der andere ist ein Cop, der ein Zögling eines Triadenboss ist, und dementsprechend ebenfalls Undercover für die Gangster arbeitet. Infernal Affairs erzählt diese eigentlich recht spannende Geschichte in gerade einmal etwas über 90 Minuten, The Departed geht fast eine Stunde länger. Die Leute die immer erzählen, das Orginal sei unübertroffen sollen mir mal erklären, was genau sie an ihm besser fanden, außer, dass er zuerst da war. Auf Grund der Kürze bekommen die Charaktere leider nicht genug Platz um ihre Geschichte zu erzählen und ihnen so mehr Leben einzuhauchen. Auch die Story an sich entwickelt sich sehr holprig, gerade der anfang geht sehr schnell von statten und wenn ich nicht gewußt hätte, worum es geht, wäre es mir vermutlich schwer gefallen, dem ganzen folgen zu können.

Die Darsteller können sich allerdings durchaus mit dem Remake messen, sie wirken sogar ein wenig passender für ihre jeweiligen Rollen, als ihre amerikanischen Pendants

Steven Spielberg Benjamin on 14 Aug 2007

Der Weiße Hai (Steven Spielberg, USA 1975)

Der guten Steven war gerade mal drei Jahre älter als ich es momentan bin, als er mit diesem Film die Geschichte des modernen Sommerblockbusters begründet hat. Schon erstaunlich. Das von Roy Schneider improvisierte Filmzitat “You’re gonna need a bigger boat” zählt zu meinen Lieblingszitaten, besonders, wenn man sich an die Szene erinnert, in der es enstanden ist… und seiner folgenden andauernden Sorge, dass ihr Boot doch zu klein sein.
Der Film gliedert sich klar in zwei Abschnitte, den “Strand” und das “Meer”. Im ersten Abschnitt versuchen die Verantwortlichen der Ferieninsel den “Zwischenfall” mit dem Hai runterzuspielen. Die Insel lebt vom Tourismus und die Sommersaison steht unmittelbar bevor. Das Schließen der Strände würde eine Abwanderung der Gäste zur Folge haben, und bisher war es ja gerade mal ein Opfer, und das mit dem Hai … das könnte ja auch ne Schiffsschraube gewesen sein, in die das betrunkene Mädchen gekommen ist. Typisches Verhalten von Funktionären in so einem Fall. Die Gefahr solange runterspielen, bis es noch mehr Opfer gibt. Prävention, die einen finanziellen Verlust mit sich bringen könnte, kommt erstmal nicht in Gefahr, man verschließt einfach die Augen. Das wirkt schon irgendwie teilweise verängstigender und bedrohlicher als der zweite Teil.

Auf dem Meer kommt es dann schließlich zum Kampf des Hauptdarstellertrios gegen den Hai, von dem man meinen könnte, er würde sie und ihr Boot absichtlich weit aufs offene Meer hinauslocken. Leichte parallelen zu Moby Dick liegen einfach in der Natur der Handlung und des Schauplatzes. Ursprünglich sollte Quints Abgang noch mehr Ähnlichkeiten mit selbigen Film haben, aber Spielberg hat dann wohl entschieden, dass die Parallelen zu groß werden würden, und das Ende ein wenig geändert. Die ständige Bedrohung des Ungeheuers aus der Tiefe, eingefangen mit, aus heutiger Sicht, relativ einfachen  technischen Mitteln, kombiniert mit der fantastischen, stimmigen Music von John Williams erzeugen auch heute noch eine sehr stimmige Atmosphäre, und auch nach über 30 Jahren wirkt der Film, abgesehen von der schlechten deutschen Synchro, überhaupt nicht alt. Auf jeden Fall ein Klassiker den man sich immer wieder ankucken kann.

Coming of Age &Dustin Hoffman Benjamin on 13 Aug 2007

Die Reifeprüfung (Mike Nichols, USA 1967)

Mittlerweile hat der Film über 40 Jahre auf dem Buckel. Dustin Hoffman, der in diesem Film (trotz seiner dreißig) Jahre den 21 jährigen Benjamin spielt, feierte just seinen 70. Geburtstag. Für seine Rolle waren eigentlich zig andere Leute vorgesehen, aber entweder scheiterte es an Gehaltsfragen, oder daran, dass sie in den Augen des Regisseurs die Rolle nicht richtig verkörpen würden. So ist es bezeichned, dass es gerade Hofman Unsicherheit und Nervosität war beim Vorsprechen war, die ihm schließlich die Rolle einbrachte. Und meiner schöner Vorname Benjamin wird mal wieder völlig unangebracht symbolisch verwendet. Eigentlich heißt er “Sohn der Freude” oder auch “Glückskind”. Hier steht er symbolisch für “der kleine”. Benjamin ist ein junger Mann, der gerade mit dem College fertig geworden ist, bisher immer seinen Weg gegangen ist, den ihm seine Eltern vorgegeben haben, und jetzt kommt ner nach seinem Abschluss heim, und muss seinen weiteren weg finden. Bezeichnederweise sind auf der Willkommensparty nur Freunde seiner Eltern, die wohl irgendwie auch seine Freunde sind. Irgendwie aber auch nicht. Auf dieser Party wird Mrs. Robinson, die Frau eines Freundes seines Vaters auf ihn aufmerksam. Sie fragt ihn, ob er sie nach Hause fahren kann, wo sie ihm, obwohl sie mehr als doppelt so alt ist wie er, das Angebot einer Affäre macht, welches Benjamin nach anfänglichem Zögern auch annimmt.

Dieser Film entstand genau in dem Jahr, in dem der Hayes Code, die amerikanischen Zensurauflagen der 40er, 50er und frühen 60er, aufgehoben wurde. Dementsprechend skandalös muss der Film damals gewirkt haben. Die dargestellte Beziehung eines jungen Mannes zu einer wesentlich älteren, verheirateten Frau widersprachen allen gesellschaftlichen Normen die damals galten, und selbst heute wirkt so etwas noch befremdlich, wenn gleich es heute niemanden mehr ernsthaft schockieren würde. Damals aber, in den 60er lehnte sich der Film gegen alle Regeln auf und gilt seitdem als Prototyp für Filme die von verwirrten Teenagern handeln. Es ist ein Film, den man auf zweierlei Arten genießen kann. Zum einen von der handwerklichen Seite enthält der Film sehr viel an Methapern, Szenen und Einstellungen die mehr verraten als die eigentliche Handlung, kurzum, ein wahres Fest für Freunde von Fellini, Godard und Co, nur verpackt in einen amerikanischen Film, der eben auch unterhält wenn man kein Filmwissenschaftler ist, der einem auf intellektueller Ebene recht will bietet, wenn man will, der aber nicht unbedingt viel auf dieser Ebene verlangt, damit sich der Filmgenuß einstellt. Der vielgepriese Soundtrack von Simon und Garfunkel besteht im Grunde nur aus vier Lieder, die mit ihnen verbundenen Eindrücke und Emotionen wandeln sich aber Film, so dass da wo Bild und Musik am Anfang des Filmes wunderbar harmonieren, sie im späteren Verlauf eigentlich für das genaue Gegenteil stehen. Dementsprechend wandelt sich auch Benjamin. Anfangs ist er wirklich ein zurückhaltender, schüchterner junger Mann, der überaus unsicher wirkt. Von Mrs. Robinson wird er lediglich als sexuelles Objekt zur Befriedigung ihrer Lust benutzt, eigentlich nur aus reiner langeweile. Die Treffen der beiden beschränken sich im Grunde auf den reinen Sex. Als Benjamin nach Wochen sich auch mal unterhalten möchte, ist sie völlig desinteressiert. Doch im entstehenden Dialog gelingt es dem Regisseur uns in ganz wenigen Sätzen, die gesamte Geschichte und Problematik von Mrs. Robison, die Benjamin übrigens auch nach unzähligen Malen des Verkehrs immer noch respektvoll so nennt, aufgedeckt. Und durch dieser sexuelle Beziehung erwacht Benjamin erst und beginnt, mutiger, selbstbewußter und zielgerichteter zu werden, was in einem fulminaten, schnellen und oft parodierten Finale endet, in dem Benjamins Wandel komplettiert wird. Ein wirklich sehr sehenswerter Film, mit einem hervorragened aufspielendem Dustin Hoffman, welchem mit diesem Film der Durchbruch in Hollywood gelang. Zwischen ihm und der Darstellerin der Mrs. Robinson lagen übrigens in der Realität gerade einmal sechs Jahre Altersunterschied. Der Film wird denke ich nie zu meinen wirklichen Lieblingsfilmen gehören, gerade in Anbetracht seines Alters ist es aber ein wirklich mehr als sehenswerter Film, der auch heute nicht viel von seiner Faszination verloren hat.

Deutsch &Drama &Vergewaltigung Benjamin on 13 Aug 2007

Der Freie Wille (Matthias Glasner, Deutschland 2006)

Ein höchst kontroverser Film. Jürgen Vogels Darstellung des Vergewaltiger Theo Stöhr ist erschreckend glaubwürdig und wirkt durch den dokumentarischen Stil des Films sehr real. Der Film kommt wie Theo ohne viele Worte daher. Gesprochenen Dialog gibt es wenig. Um so mehr dominieren die Umgebungsgeräusche. In nahezu allen Szenen sind die sie unnatürlich laut, fast so, als wollen der Film dadurch die inneren Wirrungen seiner Hauptpersonen hinausschreien. Gefilmt wurde der Film fast ausschließlich mit der Handkamera. Dadurch bekommt der Film den eingangs erwähnte dokumentarischen Stil. Doch der äußere formale Eindruck einer Dokumentation wird durch die Nähe der Kamera wieder aufgelöst. Eine Doku bewahrt immer Distanz zum Geschehen, die Kamera bleibt auf Abstand. Im freien Willen ist die Kamera immer ganz nahe am Geschehen, bedrückend nah ist man den Gesichtern der Hauptdarsteller. Dementsprechend nah ist man immer dem Geschehen. Der Film fängt mit einer lang und äußerst detaillierten Darstellung von Theos letzer Vergewaltigung, bevor er im Knast landet. Durch den handwerklichen Stil des Films ist man dem ganzen erschreckend nah, der Film wahrt keine Distanz, der Zuschauer wird zwangsweise zum Voyeur gemacht, ob er will oder nicht. Gleich in den ersten Minuten verspielt die Hauptfigur jegliche Symphatie. Nach einem Sprung von fast 10 Jahren, in denen Theo in einer psychatrischen Anstalt saß muss er nun beim Zuschauer das gleiche leisten, was er in seiner Umwelt zeigen muss: Reue und den Kampf mit Vorbehalten, der automatischen Distanz, die jeder, der von seinen Taten weiß, zu ihm annimmt. Der Wille ist da, aber im folgenden wirft der Film die Frage auf, ob der Wille wirklich so frei ist, oder so eine psychische Störung einfach zu tief in einer Persönlichkeit verankert ist, als dass man sie wie eine “Krankheit” heilen könnte. Dabei verschiebt sich in der zweiten Hälfte der Fokus des Films hin zu Theos Freundin Nettie, die auch nachdem Theo ihr die Wahrheit erzählt und sie verstößt nicht aufhörn kann, ihn zu lieben.

Es ist auf jeden Fall ein Film der zum Nachdenken anregt. Sowohl über das Thema, als auch über den Film an sich und die Frage, ob diese Art der Dar- und Zurschaustellung angemessesn ist, und ob der Film mit dem Thema vernünftig umgeht. Der Film fällt seinem dokumentarischen Stil meiner Meinung nach etwas zum Opfer. Es wird gezeigt, nicht kommentiert, nicht reflektiert. Der Regisseur lässt den Zuschauer komplett allein mit dem Geschehen und man ist verwirrt und geschockt. Ich kann mir vorstellen, dass man gerade als Frau nach dem Film etwas anders durch die Welt geht. Man weiß nie, welche Geschichte der Mann, der so normal und harmlos aussieht, der da neben einem an der Bushaltestelle wartet, hat, und was in ihm vorgeht. Ist er wirklich so normal oder hat er innerlich zu kämpfen.

Der Film an sich ist zweifelsohne gut. Die Macher haben jahrelang recherchiert, sich um eine authentische Darstellung bemüht, und Jürgen Vogel setzt die Rolle wie schon erwähnt sensationell gut um. Es ist auf jeden Fall ein Film der erschüttert und der einen sehr mitnehmen kann. Was man letztlich von ihm halten soll, muss jeder selbst für sich entscheiden.

Polizei &Thriller Benjamin on 11 Aug 2007

French Connection – Brennpunkt Brooklyn (William Friedkin, USA 1971)

Das Beschäftigen mit Filmtheorie scheint Wirkung zu zeigen, man achtet auf zahlreiche Details und bekommt allmählich einen Blick dafür, was in manchen Szenen das besondere ausmacht. Z.b. die Szene in welcher der Scharfschütze “Popeye” (Gene Hackman) auflauert. Zunächst sehen die Einstellung eines Bürgersteiges an einer Straßenkreuzung und den Rücken eines kleinen Kindes, das sich auf einem Dreirad vom Zuschauer entfernt. Zunächst fragt man sich, was es wohl mit diesen Kind auf sich hat, doch dann kommt auch schon Popeye von rechts ins Bild gelaufen, folgt der Kreuzung, geht an dem Kind vorbei und bewegt sich auf uns zu. Das kleine Kind hatte also keine wirkliche Funktion. Schnitt. Wir sehen eine Frau mit einem Kinderwagen, die sich ebenfalls von uns entfernt. Gleiche Situation wie eben, die Frau hat wahrscheinlich nichts zu sagen. Wieder tritt Popeye nach wenigen Augenblicken ins Bild, geht an der Frau vorbei, in dem Moment fällt ein Schuss, und die Frau sackt zusammen. Die Frau hat nicht nur einfach die Funktion, erschossen zu werden. Zusammen mit dem Kind, das im ersten Augenblick keine Funktion zu erfüllen, dient sie dazu, den Zuschauer in die Irre zu führen, ihn in Sicherheit zu wiegen, um dann in einem unerwarteten Moment den Zuschauer aufzurütteln und in Panik zu versetzen, da die vertraute Welt durch den Schuss auf den Kopf gestellt wird. Die ist nur ein Beispiel für einen kleines, aber wirkungsvolles Stilmittel, welches der Regisseur in diesem Film eingesetzt hat, welches einem beim reinen Sehen gar nicht bewußt wird, unterbewußt aber durchaus eine Wirkung hat.

Auch ansonsten ist der Film überaus gelungen. Er hält sich nicht mit langen Erklärungen auf, es gibt noch nicht mal eine großartige Einführungssequenz. Direkt die erste Szene versetzt den Zuschauer mitten ins Geschehen und man muss selbst herausfinden, was los ist, was ist geschieht, und worum es eigentlich geht. Dieser Kunstgriff kompensiert gewissermaßen die dünne Story des Films, sie wird dem Zuschauer nicht platt aufgedrückt, man wird vielmehr selbst schnell Teil der Story und muss erfassen, worum es geht. Drei Szenen aus dem Film bleiben wohl besonders in Erinnerung. Zum einen die Verfolguns Charniers durch Popeye durch die Straßen und U-Bahnstationen New Yorks. Popeye setzt alles daran unentdeckt zu bleiben und an Charnier dran zu bleiben, aber dieser weiß genau, dass er verfolgt wird und beginnt somit ein Katz und Maus Spiel mit Popeye, an dessen Ende Popeye nichts anderes übrig bleibt, als der abfahrenden U-Bahn hinterher zu schauen. Eine sehr unterhaltsame Szene, die aber vor allem wegen ihrer ungeheuren Spannung unterhält.

Dann natürlich die Verfolgungsjagd der entführten S-Bahn, die wohl Maßstäbe im Actionbereich setze. Auch ohne einen Schnitt pro Sekunde kann man so eine Verfolgungsjagd interessant halten, selbst wenn sie einige Minuten dauert. Heutzutage wäre eine solche Szene vermutlich wesentlich kürzer. Ein Crash der Jagd ist übrigens real passiert, man hatte zwar die Straße abgesperrt, aber die Ausfahrten vergessen, bei dem Unfall wurde aber zum Glück niemand verletzt. Nervenkitzel ohne Ende, auch wenn man sich am Ende gewünscht hätte, dass Popeye ein besserer Schütze wäre. Und dann natürlich die Schlusssequenz, die den Zuschauer recht verstört zurücklässt. Ein Schuss aus dem Off und man ist zunächst ratlos, bis der Schlusstext die Szene auflöst. Ein wie ich finde sehr gelungenes und passendes Ende eines überaus spannenden Thrillers. Es gab Oscars für den besten Film, die beste Regie, den besten Schnitt, und das beste adaptierte Drehbuch. Interessant, da die beiden Hauptdarsteller viele Dialoge des Drehbuchs ignorierten und Dialoge improvisierten, die aus ihrer einmonatigen Begleitung zweier Polizeibeamten stammte. Und für Gene Hackman, der irgendwie vor 36 Jahren genau so aussah wie heute, gabs den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller (den ersten hat übrigens ein Deutscher bekommen). Es gelingt ihm in der Tat den überambitionierten, fast schon von seinem Job besessenen, aber eigentlich total kaputten Cop, der auf den Spitznamen Popeye hört zu verköpern. Roy Schneider ist ein seiner Nebenrolle solide, bleibt aber klar hinter Hackman zurück. Ein Thriller, der es auch nach fast 40 Jahren durchaus noch schafft, die Nerven des Zuschauers zu packen.

Schade nur, dass der Film sich der üblichen Klischees bedient. Drogen konsumieren wieder mal nur die Schwarzen, natürlich hat jeder immer was dabei. Die Weißen sind es aber die, das dicke Geld mit den Drogen verdienen, hier mischt kein schwarzer mit. Und die Cops selbst, zumindest einer von ihnen, ist natürlich relativ grundlos ein Rassist. Ich hab zu wenig Filme aus den 60ern/70ern gesehen, um beurteilen zu können, ob solche Schubladen damals Standard waren, zu begrüßen sind sie aber nicht unbedingt. Da scheint der zweite Teil, nach allem was ich bisher so gelesen habe, schon einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, und in Hinblick auf Drogen und Sucht das übliche Rollenmuster zu verlassen. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil, wobei es wohl noch etwas dauern wird, bis ich mir den zu Gemüte führen werde.

Dokumentation &Musik Benjamin on 10 Aug 2007

Shut Up & Sing (Barbara Kopple / Cecilia Peck, USA 2006)

“We do not want this war, this violence, and we’re ashamed that the President of the United States is from Texas.” Ein Satz, gesprochen von Natalie Maines, der Leadsängerin der Dixie Chicks, der derzeit erfolgreichsten amerikansichen Frauenband, hätte beinahe die weitere Karriere der Band ruiniert.

Die Dixie Chicks befinden sich in London, spielen in einer ausverkauften Halle das erste Konzert ihrer Top Of The World Welttournee. Die Band befindet sich auf ihrem vorläufigen Höhepunkt. Es ist der 10. März 2003. Im Irak bahnt sich eine Intervention der USA an, in London protestieren über eine Million Menschen auf den Straßen gegen den drohenden Krieg. Die Dixie Chicks sind mit einem ihnen bisher fremden Antiamerikanismus konfrontiert – und sie verstehen ihn. So kam es, dass Natalie Maines, diesen Satz einfach so aus dem Stehgreif in einer Zwischenansage improvisierte, um die Stimmung des Publikums aufzugreifen, und ein wenig Applaus zu bekommen. Hätte sie geahnt, was sie damit lostrat, wer weiß ob sie diesen Satz dann trotzdem gesagt hätte.

In den USA wurde dieser Satz zu einem Skandal aufgebauscht. Es gehört sich nicht, den eigenen Präsidenten auf fremden Boden zu beleidigen. Eine Beleidigung des Präsidenten sei auch zugleich eine Beleidigung des eigenen Landes, etwas was gerade in der traditionellen rechtskonservativen Countrysparte ein absolutes Nogo ist. Hörer drohten mit dem Boykott der Sender, wenn sie weiter die Dixie Chicks spielen würden, so dass die Songs schließlich aus dem Programm genommen wurden. DJs, die sie trotzdem spielten, wurden gefeuert, die Radiostationen stellen Mülleimer, speziell für die CDs der Dixie Chicks auf, die Menschen haben öffentlich die CDs verbrannt und sie mit Baggern überfahren. Die Dixie Chicks, eine bis dahin absolut unpolitische Band, sahen sich mit einem Schneeballeffekt ohne gleichen konfrontiert und waren auf einmal gezwungen, sich politisch zu äußern. Ihre Single stürzte von Platz 1 auf Platz 46 und sie wurden von zahlreichen Radiosendern tatsächlich nicht mehr gespielt. Ihre Karriere war kurz vor dem aus, und das nur, weil sie etwas getan haben, wofür die USA und Präsident Bush vorgaben, diesen Krieg unter anderem überhaupt erst begonnen zu haben, dem Recht auf freie Meinungsäußerung für alle Menschen.

Der Dokumentarfilm Shut Up & Sing zeigt die Ereignisse rund um dieses Ereignis und was in den folgenden drei Jahren mit der Band passiert ist, wie sie damit umgegangen sind, ihre Reaktionen. Er zeigt die Geschichte dreier starker Frauen, allen voran ihre Frontfrau Natalie, die trotz der Anfeidnungen und sogar Morddrohungen gegen sie nicht einknicken und ihren Standpunkt weiterhin vertreten, selbst auf die Gefahr hin, dass ihre Karriere nicht weiter fortbestehen kann. Dieser Film wird für viele eine Bestätigung ihres Antiamerikanismus’ sein. Sicher, auf der einen Seite sind die USA ein großartiges Land, aber es gibt so viel negatives, was auch weltpolitische Auswirkungen hat. Nicht zu Unrecht halten 60% der Deutschen die USA für gefährlicher als den Iran für die Weltsicherheit. “Es ist gut die eigene Meinung zu sagen, aber nicht vor Publikum”. Das sind nicht die Ansichten, einzelner, sondern einer breiten Masse. Wer den Präsidenten kritisiert, verrät das Land. So ein Denken ist in einer Vielzahl von Amerikanern verwurzelt. Das ist einfach Wahnsinn. Doch der Film beschränkt sich darauf, nur die Dixie Chicks selbst, und ihr näheres Umfeld, Manager, Produzenten, Ehemänner, aber in erster Linie die Chicks selbst zu zeigen. Andere Stimmen von entscheidenden Persönlichkeiten hört man meistens nur über Nachrichtensendungen, die die Chicks zufällig selbst sehen, und die deswegen auch gefilmt wurden. Das ist aber vielleicht gar nicht so schlecht, weil damit eine Wertung reduziert wird, und man sich darauf beschränkt, dokumentarisch das zu zeigen, was die Band selbst bewegt. Und man bekommt einen guten Einblick in die Persönlichkeit der drei Mädels. Schade, dass der Film in den USA gerade mal in 84 Kinos lief und somit lediglich etwas über eine Million $ einspielen konnte, es hätte den Amerikanern sicher gut getan, sich einmal mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen.  So wird der Film weltweit vermutlich eine viel größere Resonanz bekommen, als in den USA selbst.

Schade nur, dass der Film nicht erst ein Jahr später fertig gestellt wurde. So endet er mit der Take The Long Way Home – Tour, mit der sich die Dixie Chicks noch nicht ganz erholt haben. Drei Jahre und ein schlecht laufender Irakkrieg sowie schlechte Umfragewerte für den Präsidenten scheinen nicht dafür zu sorgen, dass die Amerikaner und allen voran die Country Fans umdenken und vergeben und vergessen können. Bezeichnenderweise ist die erste Singleauskopplung Not Ready To Make Nice, in den Billboard Charts auf Platz 4 gestiegen, während es in den Country Charts nur für Platz 36 gereicht hat. Die Tour war trotzdem nicht ausverkauft, und so bleibt man im Film offen, wie sich die Karriere der Band weiter entwickeln würde.

Die nächsten Grammy – Verleihungen haben eine eindeutige Antwort gegeben. Vier Grammies, unter anderem die zwei wichtigsten für das Beste Album des Jahres und den besten Song des Jahres haben die Dixie Chicks abgeräumt. Ein eindeutiges Zeichen, dass der Rest der Musikbranche hinter ihnen steht und ein klares Votum für die freie Meinungsäußerung. Ein Film, den man sich ruhigen Gewissens ankucken kann und der im Gegensatz zu den Moore-”Dokus” auch wirklich eine Doku ist. Ich bin auf jeden Fall ein Fan der Dixie Chicks geworden, und dass nicht in erster Linie wegen ihrer Musik.

Rechtschreib und Satzbaufehler sind auf die späte Uhrzeit und meine langsame Laptoptastatur zurückzuführen :-)

Drama &Highschool &Rassenprobleme Benjamin on 09 Aug 2007

Freedom Writers (Richard LaGravenese, USA 2007)

Der erste wirklich gelungene und tiefergehende Film des Jahres 2007. Er erzählt die Geschichte der Lehrerin Erin Gruwell, von ihren Schülern nur Miss G genannt Die Rassenunruhen des Jahres 1992 haben sie von ihrem Vorhaben, Jura zu studieren und Anwältin zu werden abgebracht. Sie hat erkannt, dass es bei der Verhandlung im Gerichtsraum zu spät ist den Menschen zu helfen. Bei den Folgen bringt Hilfe nicht wirklich viel, wirklich helfen kann man Kindern und Jugendlichen, wenn man direkt bei den Ursachen ihrer Probleme ansetzt. Darum entschloss sie sich Lehrerin zu werden und an der Wilson Classical High School in Long Beach zu arbeiten. Diese Schule setzt auf ein Integrationsprogramm von Schülern unterschiedlicher Rassenherkunft. Dadurch ist aus der einstigen Eliteschule aber ein sozialer Brennpunkt geworden. Auf den Straßen von Long Beach herrscht ein nicht offen ausgesprochener Rassenkrieg. Afroamerikanier, Asiaten, Spanier, Mexikaner, alle bekämpfen sich gegenseitig, jeder macht die anderen Gruppen für die eigenen Probleme verantwortlich, die Weißen sehen zu, dass sie sich raushalten. Die Kids und Jugendlichen schließen sich in Gangs zusammen, denen schon zehnjährige angehören. Ein wirkliches Ziel im Leben haben die Kinder nicht. Das wichtigste für sie ist das Überleben und dafür zu sorgen, dass sich niemand in die Angelegenheiten der eigenen Gang einmisch. Wer sich in fremdes Territorium begibt, wird fertig gemacht.

Auch an der Wilson High School setzt sich diese Feindschaft fort. Der Schulhof ist in Territorien gegliedert und Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen den einzelnen Gruppen sind an der Tagesordnung, selbst im Klassenzimmer machen sich die Kids gegenseitig fertig und prügeln sich regelmäßig, während die Lehrer dem ganzen machtlos gegenüberstehen und einfach versuchen ihren Lehrplan durchzuziehen, egal ob die Kinder nun aufpassen oder nicht. Mit dieser Situation ist Miss G zunächst überfordert. Sie war sich zwar bewußt, dass das keine einfache Aufgabe würde, als sie aber mit der alltäglichen Realität konfrontiert wird, steht sie ihr zunächst ohnmächtig gegenüber. Die Kinder sehen sie einfach nur als Weiße, die ihre Probleme nicht verstehen kann, und deren Verständnis nur geheuchelt ist. Sie haben keinerlei Respekt ihr gegenüber und wissen auhc nicht, warum sie sie respektieren sollten. So versucht sie es zunächst mit dem klassichen Lehrplan, aber sie erkennt, dass sie damit nicht bei den Kids landen kann.

Eines Tages macht eine rassistische Zeichnug die Runde durch die Klasse macht, auf der ein Schüler dargestellt und stigmatisiert wird, ist sie entsetzt, bekommt in der folgenden Diskussion erstmal die Aufmerksamkeit aller und das erste Mal einen Draht zu ihren Schülern und ein Verständnis davon, was die Schüler wirklich bewegt. So beginnt sie umzudenken und ihren Unterricht umzugestalten. Es gelingt ihr, ihren Schülern zu zeigen, dass sie zwar alle eine sehr bedrückende Geschichte haben, aber dass sie trotz aller Rassenunterschiede allesamt sehr ähnliche Schicksale haben. Die Schüler beginnen, ihrer Lehrerin wirklich zuzuhören. Miss G teilt ihnen schließlich Aufsatzhefte aus (die erschreckenderweise so aussehen, wie die Tagebücher des Killers aus Se7en) und gibt ihnen auf täglich etwas reinzuschreiben. Gedanken, Gedichte, Songs, was auch immer ihnen durch den Kopf geht, nur, sie müssen täglich etwas schreiben. Und zu ihrer Überraschung, beinnen die Schüler wirklich zu schreiben und sich in ihren Texten zu öffnen. Als sie sie schließlich mit dem Holocaust und Anne Franks Tagebuch konfrontiert, beginnen die Schüler wirklich nachzudenken und über den Tellerrand hinauszuschauen.

Die Inhaltsbeschreibung wird etwas zu ausführlich, daher habe ich die zweite hälfte Mal stark gekürzt, wer neugierig geworden ist, der möge sich den Film selbst ansehen. Es ist ein sehr bewegender Film, mit hervorragenden Jungschauspielern, die in ihren Rollen unglaublich authentisch wirken und dafür sorgen, dass der Film glaubhaft wird. Hillary Swank als Miss G macht ihre Rolle als aufopferungsvolle Lehrerin ebenfalls ausgezeichnet, wenn gleich sie auch manchmal etwas zu ambitioniert und zu locker wirkt. Manchmal denkt man, das ganze sei einfach nur ein riesiger Spass für sie. Aber vielleicht ist es auch gerade diese Art, die die Schüler dazu veranlasst, das Klassenzimmer, Raum 203, als ihr Zuhause anzusehen. Hier sind sie in einer Welt, in der sie verstanden werden, in der sie sogar Leute die anders sind kennen, respektieren und mögen. Dabei stellt der Film leider die Probleme, die aus dieser Veränderung bei den Schülern resultieren nicht wirklich heraus. Die Kinder leben alle in einem spezifischen sozialen Umfeld, in ihren Gangs, und das was in diesem Klassenzimmer mit ihnen passiert, kann ihren Freunden in der Welt da draußen nicht verborgen bleiben, so dass es zwangsweise zu Konflikten kommen muss. Dieser Aspekt wurde zwar kurz aufgeriffen, hätte aber Meinung nach etwas deutlicher herausgestellt werden müssen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es für die Kinder wirklich so problemlos war, wie es dargestellt wurde.

Vielleicht war es aber acuh einfach wirklich so, der Film basiert immerhin auf einer wahren Begebenheit und ich habe das zugrunde liegende Buch nicht gelesen. Etwas enttäuscht hat mich auch das Ende, wobei es wahrscheinlich auf eben jenes Problem zurückzuführen ist (wer es nicht wissen möchte, darf nicht weiterlesen). So wie es gezeigt wurde, ist es das klassische Ende, das vermeintliche Happy End. Aber ist es wirklich so “happy”. So unterrichtet Miss G ihre Kinder ihre komplette restliche Schulzeit hindurch bis zum Ende, nimmt sie weiter an die Hand und bewahrt sie vor einer möglichen Veränderung. Diese wird aber früher oder später auf jeden Fall auf sie zukommen. Stärker hätte ich es gefunden wenn die Kinder mit dieser Veränderung konfrontiert worden wären, nicht von Miss G weiter unterrichtet werden, und trotzdem in einer neuen Klasse bei einem Lehrer zeigen können, dass sie wirklich was gelernt haben, für sich und für ihr Leben, und dass sie es schaffen, sich neuen Herausforderungen zu stellen, auch ohne von einer überambitionierten Lehrerin an die Hand genommen zu werden. Das hätte Miss Gs Einsatz nochmals aufgewertet und ein wenig Potential des Films wurde so verschenkt. Dies sind aber nur einige Gedanken von mir, und wie ich den Film anders gestaltet hätte, dass soll keine Abwertung des Films sein. Der Film so wie er ist, ist hervorragend. Das eben geschilderte ist das bisschen was fehlt, um genial werden zu lassen. Ein Happy End passt hier einfach nicht.

Eine Stärke des Films ist, dass er auch den europäischen, und gerade den Deutschen, Zuschauer nicht unberührt zu lassen. Die ursprünglichen sozialen Probleme sind zwar in erster Linie amerikanische, aber dadurch dass die Geschichte Anne Franks aufgegriffen wird, werden wir auch mit unserer eigenen Geschichte konfrontiert. Und da das ganze ohne den großen, erhobenen Zeigefinger passiert, nicht anklagend ist, regt es wirklich zum Nachdenken an.  Nach allem, was uns Hollywood bisher dieses Jahr präsentiert hat, ist Freedom Writers ein Film, über den die Academy 2008 nicht hinwegsehen kann, es sei denn, es erscheinen noch ganz besondere Filmperlen dieses Jahr.

Uncategorized Benjamin on 09 Aug 2007

Dänische Delikatessen (Anders Thomas Jensen, Dänemark 2003)

In dänischen Filmen fühlt man sich, wenn man schon ein paar kennt, sehr schnell heimisch. Es sind immer wieder die gleichen symphatischen Gesichter die einem begegnen, zumindest in den Filmen von Anders Thomas Jensen, wobei dieser auch der einzige dänische Regisseur sein dürfte, der momentan Filme für den Weltmarkt produziert.

Dänische Delikatessen einzuorden fällt relativ schwer. Ein Drama ist er nicht wirklich, auch wenn die Story dramatische Züge hat, aber von einer Komödie kann man auch nicht wirklich sprechen, außer man bezeichnet dass Dargebotene als überaus schwarzen, absolut trockenen Humor dänischer Machart.  Und es wird wieder sehr morbide. Die beiden Freunde Svend und Bjarne machen ihre eigene Schlachterei auf. Durch einen unglücklichen Umstand wird ein Elektriker im Kühllager über Nacht eingefroren und ist am nächsten Morgen ziemlich steif. Svend ist noch völlig paralysiert während er eine Großbestellung seines einstigen Arbeitsgebers erhält, der ihn gleich auf die Probe stellen will. In Panik schlachtet Svend den Elektriker und verkauft das Fleisch an seinen ehemaligen Chef. Das Essen kommt außergewöhnlich gut an, so dass am nächsten Tag die Kunden Schlange stehen. Bjarne ist zunächst entsetzt, als er erfährt was vorgefallen ist, schließlich erliegt er aber auch der Versuchung, und so verschwinden immer mehr Leute, die zunächst keiner vermißt, während die Kunden ihres Geschäfts begeistert sind vom vorzüglichen Geschmack der Ware. Doch mit der Zeit werden Fragen gestellt…

Jensen lehrt uns, dass es auf jeden Fall vorzuziehen ist, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, statt sich auf die schiefe Bahn zu begeben. Diese Lehre wird sehr krass rübergebracht. Ohne das der Film willentlich auf Schockmomente setzt und großartig Ekel hervorrufen will, sind einige wenigen Szenen für fragile Gemüter vielleicht dann doch zu realistisch. Auch wenn die abgehangenen Körper und menschlichen Einzelteile insgesamt nur sehr selten zu sehen sind, und auch nie lange im Bild sind, kann einem manchmal schon seltsam werden, ob dieser sehr nüchternen Darstellung der Schlachterkunst, auch wenn sie einfach wie selbstverständlich in das Geschehen integriert wird, ohne das großes Aufheben um sie gemacht wird. Die Kameraarbeit, der Schnitt, die Beleuchtung, die Kulissen, alles ist absolut vorbildlich in diesem Film, aber dennoch fehlt das Gespühr für die Geschichte der Hauptpersonen. Erst die finale Auflösung wertet den Film auf, wobei der Fim auch ohne sie hätte enden können, man dann allerdings ein deutlich schlechteres Gefühl gehabt hätte. So bleiben leider Figuren trotz angedeuteter Tiefe recht oberflächlich, Adams Äpfel geht hier den entscheiden schritt weiter. Die Gesamtinszenierung lässt allerdings über dieses Manko hinwegsehen, so dass man sich auf jeden Fall auf einen interessanten Videoabend mit unseren dänischen Nachbarn einstellen darf. Und als gesichert gilt, dass der nächste Film von Anders Thomas Jensen im Kino gekuckt wird.

« Vorherige SeiteNächste Seite »

kostenloser Counter

kostenloser Counter