Der erste wirklich gelungene und tiefergehende Film des Jahres 2007. Er erzählt die Geschichte der Lehrerin Erin Gruwell, von ihren Schülern nur Miss G genannt Die Rassenunruhen des Jahres 1992 haben sie von ihrem Vorhaben, Jura zu studieren und Anwältin zu werden abgebracht. Sie hat erkannt, dass es bei der Verhandlung im Gerichtsraum zu spät ist den Menschen zu helfen. Bei den Folgen bringt Hilfe nicht wirklich viel, wirklich helfen kann man Kindern und Jugendlichen, wenn man direkt bei den Ursachen ihrer Probleme ansetzt. Darum entschloss sie sich Lehrerin zu werden und an der Wilson Classical High School in Long Beach zu arbeiten. Diese Schule setzt auf ein Integrationsprogramm von Schülern unterschiedlicher Rassenherkunft. Dadurch ist aus der einstigen Eliteschule aber ein sozialer Brennpunkt geworden. Auf den Straßen von Long Beach herrscht ein nicht offen ausgesprochener Rassenkrieg. Afroamerikanier, Asiaten, Spanier, Mexikaner, alle bekämpfen sich gegenseitig, jeder macht die anderen Gruppen für die eigenen Probleme verantwortlich, die Weißen sehen zu, dass sie sich raushalten. Die Kids und Jugendlichen schließen sich in Gangs zusammen, denen schon zehnjährige angehören. Ein wirkliches Ziel im Leben haben die Kinder nicht. Das wichtigste für sie ist das Überleben und dafür zu sorgen, dass sich niemand in die Angelegenheiten der eigenen Gang einmisch. Wer sich in fremdes Territorium begibt, wird fertig gemacht.
Auch an der Wilson High School setzt sich diese Feindschaft fort. Der Schulhof ist in Territorien gegliedert und Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen den einzelnen Gruppen sind an der Tagesordnung, selbst im Klassenzimmer machen sich die Kids gegenseitig fertig und prügeln sich regelmäßig, während die Lehrer dem ganzen machtlos gegenüberstehen und einfach versuchen ihren Lehrplan durchzuziehen, egal ob die Kinder nun aufpassen oder nicht. Mit dieser Situation ist Miss G zunächst überfordert. Sie war sich zwar bewußt, dass das keine einfache Aufgabe würde, als sie aber mit der alltäglichen Realität konfrontiert wird, steht sie ihr zunächst ohnmächtig gegenüber. Die Kinder sehen sie einfach nur als Weiße, die ihre Probleme nicht verstehen kann, und deren Verständnis nur geheuchelt ist. Sie haben keinerlei Respekt ihr gegenüber und wissen auhc nicht, warum sie sie respektieren sollten. So versucht sie es zunächst mit dem klassichen Lehrplan, aber sie erkennt, dass sie damit nicht bei den Kids landen kann.
Eines Tages macht eine rassistische Zeichnug die Runde durch die Klasse macht, auf der ein Schüler dargestellt und stigmatisiert wird, ist sie entsetzt, bekommt in der folgenden Diskussion erstmal die Aufmerksamkeit aller und das erste Mal einen Draht zu ihren Schülern und ein Verständnis davon, was die Schüler wirklich bewegt. So beginnt sie umzudenken und ihren Unterricht umzugestalten. Es gelingt ihr, ihren Schülern zu zeigen, dass sie zwar alle eine sehr bedrückende Geschichte haben, aber dass sie trotz aller Rassenunterschiede allesamt sehr ähnliche Schicksale haben. Die Schüler beginnen, ihrer Lehrerin wirklich zuzuhören. Miss G teilt ihnen schließlich Aufsatzhefte aus (die erschreckenderweise so aussehen, wie die Tagebücher des Killers aus Se7en) und gibt ihnen auf täglich etwas reinzuschreiben. Gedanken, Gedichte, Songs, was auch immer ihnen durch den Kopf geht, nur, sie müssen täglich etwas schreiben. Und zu ihrer Überraschung, beinnen die Schüler wirklich zu schreiben und sich in ihren Texten zu öffnen. Als sie sie schließlich mit dem Holocaust und Anne Franks Tagebuch konfrontiert, beginnen die Schüler wirklich nachzudenken und über den Tellerrand hinauszuschauen.
Die Inhaltsbeschreibung wird etwas zu ausführlich, daher habe ich die zweite hälfte Mal stark gekürzt, wer neugierig geworden ist, der möge sich den Film selbst ansehen. Es ist ein sehr bewegender Film, mit hervorragenden Jungschauspielern, die in ihren Rollen unglaublich authentisch wirken und dafür sorgen, dass der Film glaubhaft wird. Hillary Swank als Miss G macht ihre Rolle als aufopferungsvolle Lehrerin ebenfalls ausgezeichnet, wenn gleich sie auch manchmal etwas zu ambitioniert und zu locker wirkt. Manchmal denkt man, das ganze sei einfach nur ein riesiger Spass für sie. Aber vielleicht ist es auch gerade diese Art, die die Schüler dazu veranlasst, das Klassenzimmer, Raum 203, als ihr Zuhause anzusehen. Hier sind sie in einer Welt, in der sie verstanden werden, in der sie sogar Leute die anders sind kennen, respektieren und mögen. Dabei stellt der Film leider die Probleme, die aus dieser Veränderung bei den Schülern resultieren nicht wirklich heraus. Die Kinder leben alle in einem spezifischen sozialen Umfeld, in ihren Gangs, und das was in diesem Klassenzimmer mit ihnen passiert, kann ihren Freunden in der Welt da draußen nicht verborgen bleiben, so dass es zwangsweise zu Konflikten kommen muss. Dieser Aspekt wurde zwar kurz aufgeriffen, hätte aber Meinung nach etwas deutlicher herausgestellt werden müssen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es für die Kinder wirklich so problemlos war, wie es dargestellt wurde.
Vielleicht war es aber acuh einfach wirklich so, der Film basiert immerhin auf einer wahren Begebenheit und ich habe das zugrunde liegende Buch nicht gelesen. Etwas enttäuscht hat mich auch das Ende, wobei es wahrscheinlich auf eben jenes Problem zurückzuführen ist (wer es nicht wissen möchte, darf nicht weiterlesen). So wie es gezeigt wurde, ist es das klassische Ende, das vermeintliche Happy End. Aber ist es wirklich so “happy”. So unterrichtet Miss G ihre Kinder ihre komplette restliche Schulzeit hindurch bis zum Ende, nimmt sie weiter an die Hand und bewahrt sie vor einer möglichen Veränderung. Diese wird aber früher oder später auf jeden Fall auf sie zukommen. Stärker hätte ich es gefunden wenn die Kinder mit dieser Veränderung konfrontiert worden wären, nicht von Miss G weiter unterrichtet werden, und trotzdem in einer neuen Klasse bei einem Lehrer zeigen können, dass sie wirklich was gelernt haben, für sich und für ihr Leben, und dass sie es schaffen, sich neuen Herausforderungen zu stellen, auch ohne von einer überambitionierten Lehrerin an die Hand genommen zu werden. Das hätte Miss Gs Einsatz nochmals aufgewertet und ein wenig Potential des Films wurde so verschenkt. Dies sind aber nur einige Gedanken von mir, und wie ich den Film anders gestaltet hätte, dass soll keine Abwertung des Films sein. Der Film so wie er ist, ist hervorragend. Das eben geschilderte ist das bisschen was fehlt, um genial werden zu lassen. Ein Happy End passt hier einfach nicht.
Eine Stärke des Films ist, dass er auch den europäischen, und gerade den Deutschen, Zuschauer nicht unberührt zu lassen. Die ursprünglichen sozialen Probleme sind zwar in erster Linie amerikanische, aber dadurch dass die Geschichte Anne Franks aufgegriffen wird, werden wir auch mit unserer eigenen Geschichte konfrontiert. Und da das ganze ohne den großen, erhobenen Zeigefinger passiert, nicht anklagend ist, regt es wirklich zum Nachdenken an. Nach allem, was uns Hollywood bisher dieses Jahr präsentiert hat, ist Freedom Writers ein Film, über den die Academy 2008 nicht hinwegsehen kann, es sei denn, es erscheinen noch ganz besondere Filmperlen dieses Jahr.