Martin Scorsese &Rober De Niro Benjamin on 03 Sep 2007 04:45 pm
Taxi Driver (Martin Scorsese, USA 1976)
Bisher bin ich ja mit Scorsesefilmen nicht so wirklich warm geworden, Raging Bull hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen und ich hab mir deswegen vorgenommen, zunächst mal gar keine Meinung zu dem Film zu haben, Casino fand ich schlicht langweilig und The Departed fand ich zunächst nur gut, bei der zweiten Sichtung hat er mir besser gefallen und nach der Sichtung des Orginals, “Infernal Affairs”, hielt ich ihn schließlich für ein Meisterwerk. Bei Taxi Driver hat das ganze nicht so lang gedauert, ihn halte ich bereits nach der eben erfolgten Sichtung für ein Meisterwerk und für den besten, bisher von mir gesehenen Film aus Scorseses Filmographie und für eine der besten Rollen De Niros, wobei es da einfach ziemlich viel gab. Dieser Film dürfte ihn nach seinem ersten großen, Aufsehen erregendem Werk Der Pate II wohl endgültig in Hollywoods Oberliga etabliert haben. Schade dass De Niros letzte wirklich gute Rolle in Ronin schon bald 10 Jahre zurückliegt. Sind seine goldenen Zeiten wirklich schon vorbei?Taxi Driver ist wohl die bisher beste, mir bekannte, Charakterstudie und definitiv ein Ausnahmefilm Hollywoods, der gerade in der damaligen Zeit eine ungeheure Wirkung gehabt haben muss, aber dank der grandiosen Leistungen von Scorsese und De Niro mittlerweile zum zeitlosen Klassiker geworden ist. Der Film ist zum einen die erwähnte Charakterstudie des Taxifahrers Travis Bickle (Robert De Niro), gleichzeitig aber auch eine Bestandsaufnahme Amerikas im Jahr nach dem Ende des Vietnamkrieges. Bickle ist Vietnamveteran. Er kann nachts nicht schlafen und nimmt bewirbt sich daher um einen Job als Taxifahrer. Da er auch bereit ist, die Brennpunkte New Yorks wie z.B. Harlem anzufahren, bekommt er den Job. In Amerika herrscht zu dieser Zeit eine Rezension. Bickle ist vornehmlich nachts unterwegs und ist angewiedert von all dem Dreck und dem Schmutz auf den Straßen New Yorks, womit er die Penner, Drogendealer, Nutten, Kiffer, Junkies, etc. meint. Er wünscht sich einen gewaltigen Regen, der sie alle wegspült und die Straßen wieder reinwäscht. Er ist Einzelgänger und hat Schwierigkeiten mit Kontakten. Zwar fällt es ihm nicht schwer Frauen zuzugehen und sie durch seine Charmante Art und zweifelsohne vorhandene Intelligenz für sich zu gewinnen, doch nachdem er die kennengelernte Betsy ins Kino einlädt und mit ihr einen Pornofilm sieht (“I don’t know much about those movies”) erwachen seine angestauten Aggressionen wieder. Er bringt sich körperlich in Form und besorgt sich illegal ein ganzes Arsenal an Waffen.Schließlich lernt er die 12 jährige Prostituierte Ilse (gespielt von der gerade mal 13 jährigen Jodie Foster) kennen, und ist fortan beseelt von dem Gedanken sie von der Straße zu holen. Seine Aggressionen können sich zwar kurzzeitig entladen, in dem er einen Schwarzen Ladendieb erschießt, aber es brodelt weiter in ihm. Schließlich richtet sich sein Hass gegen den Präsidentschaftskandidaten Palantine. Er beschließt, frisch mit Irokesenschnitt versehen, ihn bei einer öffentlichen Rede zu ermorden, wird jedoch von einem CIA Agenten erkannt und flieht. Schließlich entlädt er sich in einem Amoklauf in dem Haus, in dem Iris als Prostituierte arbeitet, wobei er mehrere Menschen tötet und selbst schwer verwundet wird. Eigentlich will er nur noch sterben und wünscht sich von den am Tatort erscheinenden Polizsten erschossen zu werden, doch schließlich wird er als Held gefeiert, der ein junges Mädchen aus den Händen ihres Zuhälters befreit hat.Der Film ist vielleicht ein wenig ein Erklärungsansatz, der zumindest versucht uns verstehen zu lassen, unter welchen Umständen Menschen zu Amokläufern und Attentätern werden könne. Er zeigt aber auch wie Schmal der Grad zwischen Held und Bösewicht manchmal sein kann, und es bleibt letztlich offen, ob das Ende nur ein Traum, eine Vision ist, wie es hätte sein können und Travis in Wirklichkeit in dem Appartment gestorben ist. Die Einstellungen und langen Kamerafahrten direkt nach dem Massaker bieten diese Möglichkeit der Interpretation an und würden das Ende meiner Meinung nach auch passender machen. Die andere Variante wäre den Amoklauf als geballte und endgültige Entladung aller Agressionen, gewissermaßen als Karthasis und Selbstreinigung anzusehen, die für Travis ein glückliches Ende genommen hat, so dass er danach sein Leben als Held weiterführen kann, und nicht, als Serienkiller eingesperrt wird.Gewisse Elemente von Travis wird man auch in selbst wiederfinden können, so gibt es eine, sicher oft in anderen Filmen verwendete Szene, in der Travis durch die Menschenmengen New Yorks läuft und man spürt, dass er selten in diesem Film einsamer ist, als in dieser Menschenmenge. Wie oft kommt dies in der Realität vor, dass man sich unter vielen Menschen aufhält, einen aber nichts mit ihnen verbindet, und man ihnen vielleicht etwas mitteilen möchte, oder mit ihnen reden möchte, aber keine Grundlage für Kommunikation hat, und somit auch in der Masse allein ist. Und wievielen von den Menschen in der Szene im Film wird es vielleicht ähnlich ergehen wie Travis. Mitte der 70er kam in den USA und in NY die Punkbewegung auf, und Robert De Niro dürfte wohl einer der ersten, wenn nicht gar der erste Punk der Filmgeschichte sein. Die Szene in der neben dem CIA Beamten steht, seinen Kopf zu ihm hin dreht und sein typisches De Niro Grinsen aufsetzt hat sich, wie so viele andere Szenen, etwa die Spiegelszene (“You ‘re talkin’ to me?”) ins Gedächtnis von Generationen eingebrannt, wie auch dieses Werk Scorseses, welches zwar bis auf das aufreibende Ende eher durch eine ruhige und gemächliche Erzählweise aus, und schöpft seine Kraft aber gerade aus dieser Ruhe, New York bei Nacht, unterlegt von einem sehr jazzigen, passenden Soundtrack. Ein klarer Top Ten Film und ein Film den man gesehen haben sollte.
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