Alejandro González Iñárritu &Drama &Episodenfilm &Hunde Benjamin on 10 Sep 2007 04:39 am

Amores perros (Alejandro González Iñárritu, Mexiko 2000)

Bei Amores Perros bin ich mir hinterher immer nicht ganz sicher ob ich ihn wirklich mag, oder ob ich nur denke ihn mögen zu müssen. Es ist der erste Film Iñárritus Triologie, welche er letztes Jahr mit Babel abschloss. Hierbei handelt es sich freilich nicht um eine Trilogie wie sie den meisten von Star Wars, der Herr der Ringe oder den Indiana Jones Filmen (welche ja im in ein, zwei Jahren auch keine mehr sind) her kennt. Die Kontinuität ergibt sich nicht aus der Story oder den Protagonisten der Filme sondern aus der behandelten Thematik, den Untersuchungsschwerpunkten, ein wenig aus der Struktur und aus den Handlungsmotiven. Den mittleren Teil, 21 Gramm, hab ich hier auch noch rumliegen, er wird mit Sicherheit in naher Zukunft folgen. Vorwegnehmen kann man, dass die Filme durchaus die Entwicklung des Regisseurs widerspiegeln und uns hier mit dem ersten Teil auch zugleich der schwächste vorliegt. Wobei es sich immer noch um einen außergewöhnlich guten Film aus mexikanischer Produktion handelt.

Amores perros heißt übersetzt Hundeliebe, was umgangssprachlich auch so viel wie Drecksliebe bedeutet. Und so sind es Hunde, und die Beziehung der Besitzer zu ihren Tieren, die in Wahrheit die einzlenen Personen aus den drei Filmepisoden miteinander verbinden. Augenscheinlich ist die Geschichte um einen zentralen Autounfall herum gestrickt, bei dem das Schicksal aller Personen und damit auch sie selbst das erste und einzige Mal aufeinander treffen. Die Episoden sind chronologisch nicht geordnet, behandeln durchaus unterschiedliche Themen, nehmen aber hin und wieder aufeinander Bezug.

Der Ort des Geschehens ist Mexio City, eine eigentlich bunte, schillernde, gigantische Großstadt, die uns hier schon fast Film Noir mäßig als übergroßer Sumpf präsentiert wird. Und dementsprechend ist es auch um das Schicksal der Protaonisten bestellt. Sie alle sind mit menschlichen Abgründen konfrontiert. Neid, Habsucht, Raffgier, Mordlust, Dummheit, aber auch mit Schicksalsschlägen, gescheiterten Beziehungen und dem Unvermögen seinen eigenen Platz im Leben zu finden. Der Film veranschaulicht uns all dieses Übel und gibt über seine gesamte Laufzeit von fast 150 Minuten nie den Anlass Hoffnung zu schöpfen.

Dass der Film dennoch funktioniert und interessant ist, ist in erster Linie Iñárritus Geschick als Regisseur zu verdenken. Die Bilder der Handkamera sind grobkörning und erschaffen zusammen mit der Beleuchung, dem Farbfilter und dem sehr eindringlichen, wieder mal schon an der Grenze zum psychedelisch liegenden Soundtrack eine Atmosphäre und einen Stil, der zu überzeugen weiß. Der Film ist übersät mit kleinen filmischen Höhepunkten und interessanten Ideen bzw. Situationen, die allein schon das Sehen rechtfertigen. Daher ist der Film nichts für Leute die auf große Action stehen, oder Menschen, die vom Regisseur an die Hand genommen werden wollen, und er ihnen dann nach und nach seine Botschaft in schönen Bildern erzählt und das ganze dann mit enem Happy End schließen lässt. Für Menschen, die Interesse an menschlichen Beziehungen, Schicksalsschlägen und Hunden haben, und die auch gerne mal versuchen herauszufinden, was einem ein Regisseur mit einer ruhigen, behäbigen, langsamen Episode, die im Kontrast zu den beiden dynamischen, starken anderen Episoden steht sagen möchte, der ist mit Amores perros gut bedient. Zum Bildungshorizont eines Menschen, der sich eingehender mit Filmen beschäftigen möchte, gehört dieser Film auf jeden Fall, schließlich ist die Zahl an guten mexikanischen Regisseuren, zumindest momentan, arg begrenzt.

Letztendlich bin ich dann aber doch zu dem Schluss gekommen, dass ich den Film durchaus mag. Nur dass er deswegen halt nicht automatisch zu meinen Lieblingsfilmen zählt. :-)

Trackback This Post | Subscribe to the comments through RSS Feed

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

kostenloser Counter