Oliver Stone &Serienkiller Benjamin on 10 Sep 2007 04:28 pm

Natural Born Killers (Oliver Stone, USA 1994)

Der Film trägt eindeutig die Handschrift seines Drehbuch Autos Quentin Tarantino. Die schlampige Umsetzung darf man dann wohl eher Oliver Stone in die Schuhe schieben. Die Geschichte erinnert auch recht deutlich an True Romance, für den ebenfalls Tarantino das Drehbuch schrieb.
Als der Film in die Kinos kam, wurde er vor allem wegen seiner übertriebenen Gewaltdarstellung kritisiert. Heutzutage mag man das nicht mehr so recht nachvollziehen können, da zahlreiche andere Filme an die Gewaltdarstellungen von Natural Born Killers herankommen oder ihn sogar übertrumpfen. Dennoch ist die Darstellung einer Vielzahl der 52 Morde nach wie vor nichts für zarte Gemüter. Der Film handelt im wesentlichen von einem Pärchen, das drei Wochen lang mordend durch die USA zieht, dabei 52 Menschen sinnlos aus reiner Willkür ermordet und das durch die ständige Berichterstattung zu Medienstars aufsteigt. Schließlich werden die beiden gefasst, können aber durch eine Gefängnisrevolte fliehen. Ihr weiteres Schicksal wird nicht gezeigt, der Film endet mit Orginalfilmmateriel aus verschiedenen belannten amerikanischen Gerichtsverfahren.

Trotz seiner extremen Gewaltdarstellung ist der Film in erster Linie als Mediensatire oder schwarze Komödie zu sehen. Angepgrangert wird in erster Linie der Voyeurismus der Zuschauer und die Macht und Sensatiosngeilheit der Medien. Dadurch steigen Mickey und Mallroy zu Medienstars auf, die trotz ihrer abscheulichen Verbrechen gerade von Jugendlichen bewundert wären (“Ich bin kein Serienkiller, aber wenn ich einer wäre, dann würde ich so wie Mickey und Mallroy sein wollen”). Dabei ist der erste Teil des Films, der die Todesfahrt der beiden bis zu ihrer Verhaftung zeigt überaus gelungen. Hier ist die Kritik der Medien sehr gekonnt platziert und die Medien sind quasi nur ein Nebenprodukt, dass irgendwie wie selbstverständlich immer beim Geschehen dabei ist, ohne sich je selbst groß in Szene zu setzen. Doch im Teil, der im Gefängnis spielt wird das ganze sehr platt und sehr offensichtlich gestellt inszeniert, so dass es nervt und langweilt. Die Gewaltdarstellungen sind teilweise sehr überzogen dargestellt, was gut ist, da sie somit einen Teil ihrer Brutalität verlieren. Die überzogene Darstellung der Medien im zweiten Teil hingegen wirkt einfach deplaziert, wie überhaupt der ganze weitere Verlauf im Gefängnis.

Letzendlich ist der Film selbst dass, was er eigentlich bloßstellen will. Ein voyeuristisches Werk, dass den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen versetzt, und das von seiner Gewaltdarstellung lebt, da sich der eigentliche Inhalt und die wesentliche Aussage mit zunehmder Laufzeit mehr und mehr verliert. Somit bleibt die Frage offen, ob diese Art der Medienkritik angebracht ist, wenn das Töten als cool stilisiert wird. Dieser Film könnte mehr Jugendliche zu Killern machen, als es vermutlich jedes “Killer”Computerpiel je tun wird, schließlich wird man nicht müde, eine Aussage immer und immer wieder zu wiederholen “Nach dem Töten fühlt man sich das erste Mal richtig lebendig”. In so fern halte ich die FSK 18 Freigabe für absolut gerechtfertigt.

Andererseits wirft der Film, gerade in Hinblick auf die Filmographie des Regisseurs noch andere fragen auf. Wie ich es auch getan habe, wird das Zeigen des sinnlosen  Tötens an sich in diesem Film vonvielen Seiten verurteilt, einfach weil es auch einfach absolut sinnlos gezeigt. In Filmen wie Platoon, Apocalypse Now, Saving Private Ryan, etc. pp., wird deutlich mehr gemordet und es kommen viel mehr Menschen ums Leben als NBK. Doch niemand beschwert sich über das Töten an sich und die Darstellung dessen, lediglich über den Irrsinn des Krieges an sich wird debattiert.
Ist es letztlich gar so, dass uns Töten, für das wir Verständis aufbringen können und das als normal angesehen wird (“Im Krieg sterben nunmal Leute”) weniger berührt als sinnloses Töten, obwohl doch beides im Ergebnis auf’s gleiche hinausläuft…?

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