Apokalypse &ScienceFiction Benjamin on 13 Sep 2007 05:25 pm

Flucht ins 23. Jahrhundert (Michael Anderson, USA 1976)

Es gibt ja immer wieder unsinnige deutsche Titelübersetzungen, aber “Flucht ins 23. Jahrhundert” gehört wohl zu den größten Fehlgriffen. Mit dem Orignaltitel “Logan’s Run” hat der Film nichts gemeinsam, und mit dem Inhalt auch nicht. Der Titel suggeriert einen Film, der zumindest irgendwie einen Zeitreiseaspekt aufgreift. Eine Zeitreise kommt aber nie vor. Vielleicht resultiert der Titel ja auch aus einem Übersetzungsfehler. In einer Szene werden die “Bürger des Jahres 2247″ begrüßt, im Orignal heißt es aber “citizens of city 2247″.

Der Film ist weniger ein Zeitreisefilm, sondern steht vielmehr in der Tradition von THX 1138 oder Soylent Green und ist somit ein typischer Science Fiction Film der die gesellschaftlichen Ängste der Menschheit vor dem Kalten Krieg widerspiegelt. Im Angesicht des nuklearen Krieges ist das Szenario gar nicht so unrealistisch: Die Menschen in dieser unbestimmten Zukunft leben in riesigen Kuppelstädten, die sie niemals verlassen. Sie tragen einen Lebenskristall in die Hand implantiert, der ihr aktuelles Alter anhand einer Farbe anzeigt. Mit 30 ist Schluss und man geht in das “Karussell” zur Erneuerung – Vordergründig der nächste Schritt der Entwicklung durch den sich ein Mensch auf die nächste Bewußtseinsebene hebt, tatsächlich werden die Menschen aber einfach durch Feuerbälle ausgelöscht. Kaum ist jemand ausgelöscht worden ist am nächsten Tag ein neuer Mensch im Brüter – Klonen per Computer, der alles überwacht. Somit ist der Bestand der Menschheit gesichert und eine Überbevölkerung innerhalb der Stadte wird vermieden. So heißt es. Wobei ich mich frage wie das genau funktionieren soll, das Sex in dieser Gesellschaft ein Ereignis wie Kaffeetrinken ist, an jeder Ecke bekommt man legal Drogen und wenns den ganz besonderen Kick geben soll, dann gibts ein Gas, dessen Wirkung noch extremer ist.

Doch wie in jeder Ordnung gibt es Rebellen, die Läufer, welche nicht an die Erneuerung glauben und nicht mit 30 Jahren sterben wollen. Um den Frieden aufrecht zu erhalten gibt es die Sandmänner, die die Läufer verfolgen und töten. Logan ist ein Sandmann der vom Zentralcomputer den Auftrag bekommt, die Läufer zu infiltrieren und herauszufinden was es mit der “Zuflucht” auf sich hat, an die die Läufer glauben. Die Läufer glauben ihm nicht und die Sandmänner denken er sei übergelaufen, daher muss er vor ihnen fliehen. Auf dieser Flucht (hier haben wir den Bezug zum Titel) gelingt es ihm die Stadt zu verlassen, wo er in den Ruinen von Washington D.C. auf einen alten Mann, gespielt von Sir Peter Ustinov, trifft. Von dessen faltigem Gesicht und seinem weißen Haar, sowie der Tatsache dass ein Leben außerhalb der Kuppeln möglich ist, fasziniert kehrt Logan zurück in die CIty 2247, wo er zunächst ebenfalls ins Karusell geschickt werden soll. Beim Verhöhr durch den Computer scheint die Wahrheit über die Welt außerhalb der Stadt den Computer zu überlasten, so dass dieser sich selbst zerstört und die Menschen schließlich die Stadt verlassen.

Kaum zu glauben, dass der Film den Oscar für die besten Spezialeffekte bekommen hat. Zumindest wenn man sich die Darstellung der Laserwaffen ankuckt, die ist hochgradigi primitiv. Ansonsten ist die Darstellung der City 2247 überaus gelungen und die Settings wirken allesamt sehr passend. Allerding hat der ein Jahr später erscheinende “Star Wars” in diesem Bereich ganz andere Maßstäbe gesetzt.

Die Menschen der Stadt wissen nichts über ihre eigene Geschichte, wer die Stadt erbaut hat, was mit der Welt draußen geschehen ist. Es scheint eine sehr große Katastrophe gegeben zu haben, die ein Leben außerhalb der Kuppeln unmöglich macht, weswegen die Verantwortlichen gezwungen waren, die Überlebenden in solchen Städten zusammenzuferchen, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Die Tatsache, dass niemand etwas über die Vergangenheit weiß, und ein Leben außerhalb der Kuppeln wieder möglich ist, lässt darauf schließen, dass die Katastrophe schon sehr lange zurückliegen muss, weswegen dass 23. Jahrhundert recht unwahrscheinlich ist. Wer weiß, vielleicht handelt es sich bei den Bewohnern ja um die Überlebenden aus Stanley Kubricks “Dr. Seltsam”.

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