Uncategorized Benjamin on 15 Sep 2007 01:34 am
Ein mutiger Weg (Michael Winterbottom, USA / Großbritannien 2007)
Die Geschichte Daniel Pearls dürfte allgemein bekannt sein, wenngleich sie im kollektiven Gedächtnis nicht wirklich präsent sein mag. Der amerikanische Journalist wurde Anfang 2002 in Karatschi, der drittgrößten Stadt der Welt, in Pakistan von Extremisten entführt. Obwohl die Behörden alles mögliche unternommen haben, um Pearl zu finden und zu befreien, um dem Ansehen ihres Landes in der Welt nicht zu schaden, wurde nach zwei Wochen ein Video veröffentlich, welches seine Enthauptung zeichnete.
Ein mutiger Weg basiert auf dem Roman, den seine Frau Marianne, 2003 geschrieben hat. Sie ist ebenfalls Journalistin und befand sich ebenfalls in Karatschi, im fünften Monat schwanger. Da der Roman auf Mariannes Erinnerungen passiert, ist Daniel als handelnde Person ab dem Zeitpunkt seiner Entführung nicht mehr präsent und hat nur noch kurze Auftritte in der Erinnerung Mariannes. Das ist ein wenig ärgerlich, weil man so nicht direkt Anteil an seinem Schicksal nehmen kann, sondern nur aus dem Fortgang der Ermittlungen erkennt, wie es ihm wahrscheinlich ergehen mag, aber im wesentlichen ist man die ganze Zeit genau so unklar über sein Schicksal wie Marianne selbst.
Das führt wiederum dazu, dass die Szenen die zeigen, wie sie mit der Situation umgeht, sie verarbeitet und an die Öffentlichkeit tritt eher mäßig spannend sind, und einen auch nicht wirklich mitfühlend lassen. Interessant wird der Film, wenn die Arbeit der pakistanischen Behörden gezeigt werden, die sich wirklich energisch hinter den Fall klemmen und denen es auch gelint, nahezu alle Hintermänner festzunehmen. Lediglich den Aufenthaltort Daniels konnte man nicht rechtzeitig genug ermitteln, so dass er sterben musste. Diese Szenen sind spannend und interessieren. Aber die hoffenden Angelina Jolie als Marianne bietet wenig Ansatz zum Mitfühlen. Natürlich ist die Geschichte traurig und die Schwangerschaft gibt dem ganzen noch ein wenig Brisanz, aber die Tatsache, dass man das Ende der Geschichte schon kennt, nimmt ihrem Part die Dramatik. Von den Ermittlungsarbeiten hinter den Kulissen bekommt man sonst ja eher weniger mit, daher ist die schon recht spannend, gerade wenn man sieht, wie fortschrittlich auch ein Land wie Pakistan auf diesem Gebiet schon ist.
Ein weiterer heimlicher Stars des Films ist die Stadt Karatschi, die wie ein einziger, riesengroßer Moloch erscheint, in dem man als Einzelner einfach in der Masse ertrinkt. Die Einwohnerzahl wird auf 11,5 Mio geschätzt, aber wer die Bilder dieser riesigen, gigantischen Stadt sieht, die wie ein gewaltiger Organismus wirkt sieht, der wird sich wohl zu recht fragen, wie man diese Masse an Menschen wohl zählen mag.
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