Experimentalfilm Benjamin on 18 Sep 2007 03:40 pm
Wavelength (Michael Snow, USA/Kanada 1967)
Die Fakten: In Wavelength sehen wir die Einstellung eines spartanisch eingerichteten Raumes. Und zwar die vollen 42 Minuten und 48 Sekunden lang. Hinter dem Raum scheint eine Straße entlang zu führen, hin und wieder sehen wir die Dächer vorbeifahrender Fahrzeuge. Die Kamera bleibt statisch, es gibt keinen einzigen Schnitt und keinen einzigen Schwenk. Lediglich der Zoom wird benutzt. Und zwar ebenfalls die vollen 42 Minuten und 48 Sekunden. Dies geschieht allerdings so langsam, dass man den Zoom als solchen fast gar nicht wahrnimmt. Am Ende ist die Kamera auf der gegenüberliegenden Wand angekommen und ruht auf einem Bild, welches Wellen zeigt. Insgesamt viermal betreten Menschen die Szene, einmal scheint sich sogar ein Mord zu ereignen, eine Person läuft ins Bild und sackt in sich zusammen nachdem es vorher ziemlichen Krach gab. Irgendwann im ersten viertel des Film setzt ein Sinuston ein, der die gesamte Spannweite von 50 bis 12000 Hertz durchläuft, und das ebenfalls über die gesamte Dauer des Films.
Sowas nennt sich dann wohl minimalistisches Experimentalkino für eingeweihte. Es ist sicher ein Experiment, dass sich voll und ganz auf eine Technik des Filmens, den Zoom, konzentriert. Die Wirklichkeit wird auf einen immer kleineren Ausschnitt verengt. Vom Mord selbst sehen wir nichts, nur die Auswirkungen. Die Frau die später erscheint und die Polizei ruft sehen wir nur, weil sie in den Bildausschnitt eintritt. Die später eintreffenden Polizeibeamten nimmt man fast gar nicht mehr wahr, da unser Ausschnitt der Realität schon viel zu weit fortgeschritten ist. Der ewig dauernde Ton steht in vollkommenen Kontrast zu dem gezeigten Bild und würde man ihn alleinstehend hören, wäre man wohl nach kurzer Zeit mehr als genervt. In Kombination mit diesem Zoom wirkt er aber eher entspannend, fast transzendal. Ich kiffe zwar selbst nicht, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Film in diesem Zustand eine wesentlich größerere Wirkung auf einen hat. Wers also tut, sollte es mal ausprobieren und mir das Ergebnis berichten. Defintiv ein Film denn man schon sehen wollen muss, aber laut dem Buch “1001 Filme die sie gesehen haben sollten” sollten man ihn gesehen haben. Mit konventionellem Mainstream oder Arthouse Kino hat das ganze aber wenig zu tun. Wer interessiert ist, findet den Film zur Zeit auf Google Video.
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