Ben Kingsley &Biopic &Monumentalfilm Benjamin on 19 Sep 2007 03:17 am
Gandhi (Richard Attenborough, Großbritannien/Indien 1982)
Ich weiß noch ganz genau, wie es war, als ich diesen Film vor ca. vier Jahren das erste Mal gesehen habe. Nachts um eins angemacht, hatte ich ernsthafte zweifel dieses dreistündige Biopic zu Ende zu sehen. Aber es bestand nicht eine Minute die Gefahr des Einschlafens und als die Endtitel liefen habe ich mich gefragt, warum nicht alle Filme so sein können wie “Gandhi” und wie ich je wieder einen normalen Film werde sehen können, ohne das Gefühl zu haben, dass da etwas fehlt.
Dieser Film ist wahrlich ein Monumentalfilm und zugleich ein wahres Epos. Ein filmisches Denkmal für eine Ausnahmepersönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Zwar gibt es einige indische Intellektuelle, die die mit dem Film vollzogene als typisch westlich proklamierte Glorifizierung Gandhi kritiseren, aber dennoch denke ich dass dieser Film ihm gerecht wird. Gleich im Vorspann erklärt auch der Regisseur, dass es unmöglich ist, das Leben eines Menschen annähernd gerecht wiederzugeben, dass man unmöglich jedem Jahr und jedem das richtige Gewicht zukommen lassen kann, sondern dass man lediglich versuchen kann zu vermitteln, welchen Eindruck das Leben dieser Person auf das eigene Herz gemacht hat.
Trotz dieser Erklärung kommt die Verfilmung gänzlich untheartralisch daher und dennoch nimmt man auch durch die reine nüchterne Darstellung der Begebenheiten starken Anteil am Leben und Schicksal Gandhis, welcher perfekt von Ben Kingsley verkörpert wird. Die Ähnlichkeit zwischen Kingsley und Gandhi ist so täuschend, dass einige Inder in Kingsley den Geist Gandhis gesehen haben. Und in der Tat, wenn man einige bekannte Fotos mit Bilder aus dem Film vergleich ist es schwer einen Unterschied ausfindig zu machen, zumindest in der Phase, in der Gandhi ebenso alt war wie Kingsley, als er den Film drehte.
“Gandhi” erzählt die Geschichte eines Mannes, der quasi mit nichts ein Weltreich besiegt hat. Zwar haben Faktoren wie der zweite Weltkrieg ebenfalls dazu beigetragen, dass das englische Kolonialreich nach ihm endgültig zerfallen ist, aber das Prinzip des waffen und gewaltlosen Widerstands wurde selten so konsequent und so erfolgreich durchgeführt, wie von Gandhi. Er wurde zum Vater der Nation Indien und bei außer Kontrolle geratenen Unruhen im Land ging er in der Hungerstreik um ihn zu beenden, und tatsächlich hörten die Inder auf, sich gegenseitig zu töten, um sein Leben zu retten. Seine Liebe zu seinem Land war immer größer als die Liebe zu sich selbst, und es machte ihm nichts aus, Jahre im Gefängnis zu verbringen, da er immer davon überzeugt war, dass die Wahrheit irgendwann siegen muss, und es war damals die Wahrheit, dass die Briten besetzer eines jahrtausende alten Landes waren, die zu Unrecht und mit Gewalt herrschten. Um so mehr hat es ihn getroffen, als nach Abzug der Briten das Land gespalten wurde und die muslimische Minderheit das autonome Land Pakistan gründete. An dieser Teilung hat er sich selbst die Schuld gegeben, ebenso wie einge religiöse Fanatiker, von denen einer dann selbst Richter und Henker spielte und Gandhi 1947 erschoss.
Die am Anfang gezeigte Massenszene zeigt 300.000 Protagonisten, welche an Gandhis Beerdigung teilnehmen. Diese Szene wurde in der Tat am 33. Jahrestag der Beerdigung Gandhis gedreht und war bis dahin, die größte je gedrehte Massenszene. 11 Kamerateams waren im Einsatz und haben 20.000 Fuß Film gedreht, was dann für den Film auf 125 Sekunden heruntergeschnitten wurde. Diese gewaltige Szene ist stellvertretend für den ganzen Film, welcher einen von der ersten Minute an packt und trotz seiner dreistündigen Laufzeit keinen Hänger hat. Ein absolut zeitloses Meisterwerk.
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