Alfred Hitchcock &Thriller Benjamin on 19 Sep 2007 06:40 pm

Psycho (Alfred Hitchcock, USA 1960)

Es ist schon sehr bezeichnend wenn Norman Bates da sitzt und erklärt, dass das Ausstopfen (von Tieren…) sein größtes Hobby und eigentlich auch mehr als das ist und dann zwei Sätze später erklärt dass der beste Freund eines Mannes seine Mutter sei. Immerhin erkennt er, dass sie krank ist. In diesem Gespräch beim Abendessen mit der BLONDEN offenbart Bates im Grunde die tiefsten Abgründe seiner Seele, aber man kann das Gespräch erst nach der Sichtung des Films richtig deuten, so dass man nach dem ersten sehen von Psycho durchaus weiß, dass man etwas großes gesehen hat, aber weiß noch nicht warum. Die wahre Größe entfaltet der Flm erst, wenn man seinen Ausgang kennt, doch gerade dieses Ende ist dass, was den Film beim ersten Sehen so schockierend werden lässt.

Hitchcocks ursprünglicher Gedankengang war es, einen B-Movie zu drehen und zu zeigen, dass auch solche Art von Filmen zu etwas großem werden, wenn nur ein großer Name dahinter steckt. Und in der Tat, wäre der Film über die gesamte Laufzeit so, wie in der zweiten Hälfte, die unter dem Aspekt Whodunit steht und sich in erster Linie um die Aufklärung des Mordes und die Enttarnung von Bates’ Geheimnis dreht, dann wäre er auch nur auf B-Movie-Niveau geblieben. Aber gerade die erste Hälfte, die durch eine ausgefeilte Psychologisierung der beiden Hauptcharaktere hervorsticht und dann schließlich in der wohl berühmtesten Duschszene der Filmgeschichte endet, macht den Film zu etwas besonderem. Die Gewissensbisse die Crane nach ihrer Tat verfolgen, das Gespräch zwischen Bates und Crane in seinem Büro was vieles aus der Auflösung schon erahnen lässt, ohne dass man sich dessen bewußt ist. Eine sofortige zweite Sichtung nach der ersten ist sehr zu empfehlen, da einem dann erst ausfällt wie ausgefeilt die auf den ersten Blick trivialen Dialoge in Wirklichkeit sind. Daher ist es nachvollziehbar, dass viele Leute gar nicht wissen, warum so ein Aufheben um diesen Film gemacht wird, aber es ist wie so oft: es steckt mehr dahinter, als es zunächst den Anschein hat.

Anthony Perkins spielt mit seiner Figur Norman Bates wohl den symphatischsten Serienmörder der Filmgeschichte, und schafft es dennoch in einer der letzten Szenen nocheinmal Gruselstimmung zu erzeugen, obwohl eigentlich alles geklärt ist. Zum Glück endet der Film nicht wie die anderen bisherigen gesehenen Hitchcockfilme unmittelbar nach dem Höhepunkt, sondern liefert hinterher noch eine kurze Erklärung des Gesehenen, was wichtig ist zum Verständnis des Films. Wobei es sicher auch interessant gewesen wäre, wenn man sich das alles aus dem im Film gesehenen selbst erschließen müsste, aber speziell in diesem Fall hätte das wohl die meisten Zuschauer überfordert, zumal dafür, wie schon gesagt, mehrere Sichtungen notwendig sind.  Zusammen mit dem Fenster zum Hof mein bisheriger Favorit von Hitchcock.

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