Fritz Lang Benjamin on 24 Sep 2007 03:28 pm

M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Fritz Lang, Deutschland 1931)

Wenn man den Namen Fritz Lang hört, denken die meisten zu allerst an “Metropolis“, seinen großen Stummfilmklassiker aus dem Jahre 1927. Der Film ist sicher ein wichtiges Werk Filmgeschichte, dürfte den meisten aber doch zu abstrakt und zu befremdlich erscheinen.  “M – Eine Stadt sucht ihrem Mörder“ist da viel eingänglicher, bewegt das Thema Kindermord und Selbstjustiz doch jeden und es leider ist es ein scheinbar zeitloses Thema.

Es herrscht Unruhe in Berlin. Ein Kindermörder sorgt für Angst und Schrecken. Die Polizei fahndet zwar eindringlich, aber erfolglos nach dem Mörder, die Mütter haben Angst um ihre Kinder und die Ganoven können nicht mehr vernünftig arbeiten, da auf Grund der Morde die Polizeipräsenz außerordentlich hoch ist und es überall von Polizisten wimmelt. Daher beschließen die Ganoven selbst Jagd auf den Mörder zu machen und sie halten die Bettler an, Ausschau nach ihm zu halten, da sie sich am unauffälligsten in ganz Berlin bewegen können. Sie entdecken ihn schließlich auch, so dass er sich vor einem Tribunal der Ganovengilde für seine Taten verantworten muss, in einem Prozess, dessen Urteil von Anfang an feststeht.

Eigentlich war der Film von Fritz Lang als ein Film über die Themen Selbstjustiz und Todesstrafe gedacht, aber auch über den Umgang mit psychisch gestörten Kriminellen. So führt der Ankläger von Hans Beckert (Peter Lorre), dem Mörder, an, dass ein Mensch der für seine Taten aus einem Zwang heraus begeht, eben aus einer psychischen Störung, für diese nicht verantwortlich gemacht werden kann, während die Mehrheit der Ganoven dies anders sieht und durch ein Todesurteile weitere Morde verhindern möchte, und es auch vermeiden möchte, dass Beckert von der regulären Justiz für geistig verwirrt erklärt wird, ein paar Jahre absitzt, danach als geheilt entlassen wird, nur um dann doch wieder rückfällig zu werden.  In dem “Prozess” führt Beckert seine Zwänge an und bringt sie als Begründung für seine Taten hervor. In dieser Szene merkt man deutlich das Lorre vom Theater stammt und auch während der Dreharbeiten abends noch Theater gespielt hat. Es ist auch fraglich ob er seine Rede als wirkliche Entschuldigung hervorbringt, oder ob er lediglich der angedrohten Todesstrafe entgehen will. Schließlich ist der erste Satz seines Anklägers “Du kommst hier nicht mehr raus!”.  Die Prozessszene am Ende des Films ist aber definitiv der Höhepunkt des Films. Selbstjustiz ist etwas, was in solchen Fälle viele gerne praktizieren würden und so wird man auch als Zuschauer in eine Situation versetzt, die eben das ermöglichen würde. Doch Lang hält am Ende fest dass auch das “unsere Kinder nicht wieder zurückbringt” und somit stellt sich weiterhin die Frage, ob Menschen über das Leben anderer Menschen richten dürfen und ob ein Todesurteil wirklich gerechtigkeit bringt oder ob es das Unglück nicht nur noch vergrößert.

Auf der anderen Seite ist der Film aber zugleich auch ein Film über die gesellschaftlichen Zustände der Weimarer Republik und nimmt viele der Bedrohungen durch die Nationalsozialisten vorweg. Die Ohnmacht und Unfähigkeit der staatlichen Institutionen wird durch das erfolglose Vorgehen der Polizei dargestellt, welchen die Ganoven gegenüberstehen, die das Recht in die eigene Hand nehmen und aus Unrecht kurzerhand einfach Recht machen, sinnbild für die kommende Naziherrschaft, die die normale rechtstaatlichkeit zu einer Farce gemacht und schließlich abgeschafft hat. Auch hier forderen die Ganoven die Polizei heraus, in dem sie ihre Arbeit machen mit dem Ziel für geordnete Verhältnisse zu sorgen. Auch der Chefankläger Schränker erinnert in vielen Details stark an Goebbels.
Ebenso kann man in der Brandmarkung Beckerts durch das M auf dem Rücken eine Parallee zum Judenstern sehen.

Wenn dies alles absicht war, hat Fritz Lang hier sehr viel Feingefühl für die Stimmung in der Gesellschaft zu seiner Zeit bewiesen und auch die Fähigkeit die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und kommende Ereignisse vorweg zu nehmen. Somit hat er einen Film geschaffen, der auf zwei Ebenen funktioniert, sowohl auf der inhaltlichen, als auch auf der formalen, wobei beide Ebenen grundsätzlich andere Bedeutungen und Motivationen haben. Ein Film, der heute noch funktioniert, und der trotz seines Alters von bald 80 Jahren noch keinen Staub angesetzt hat. Für mich Fritz Langs wahres Meisterwerk.

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