Alfred Hitchcock Benjamin on 25 Sep 2007 04:31 am

Cocktail für eine Leiche (Alfred Hitchcock, USA 1948)

Ich hab in den letzten Tagen Filme wie “The Beach” oder “Ocean’s Eleven” und “The Killing Fields”, sagen wir mal, konsumiert, aber irgendwie konnten die mich nicht so wirklich fesseln. Ocean’s Eleven ist einfach nur eine leere, starbesetze Hülle, The Beach weißt formal und inszenatorisch einige interessante Ansätze auf hat aber eine Story der hinten und vorne etwas fehlt und The Killing Fields hat gerade am Anfang einen unsäglich dummen amerikanischen Hauptdarsteller bzw. Hauptcharakter. Allesamt Filme die mich wenig fesseln konnte und so war die Vorfreude groß, wieder einen alten Film von Alfred Hitchcock mit Charakter zu sehen. Und auch diesmal hat mich der Meister, wie er so schön genannt wird, nicht enttäuscht.

Cocktail für eine Leiche” hat mich in erster Linie auf Grund seiner formalen Struktur gereizt. Ein Kammerspiel dass ohne sichtbare Schnitte auskommt und dadurch wirkt wie ein 80 minütger, durchgehend gedrehter Film. Ganz so, wie es oft angepriesen wird, ist es natürlich nicht. 1948 hatten die üblichen Filmrollen eine Länge von ca. 10 Minuten, so dass der Film zwingend mindestens acht Schnitte beinhalten musste. Auch waren diese Schnitte keineswegs so kunstvoll, wie erwartet, der Film beinhaltet neben acht weichen Schnitten, die wirklich unsichtbar sind auch vier harte Schnitte, die sehr deutlich ins Auge stechen. Aber das waren halt die Beschränkungen der damaligen Zeit, ich bin mir sicher, wenn es möglich gewesen wäre, hätte Hitchcock das Experiment gewagt und die 75 Minuten durchgedreht. Aber dennoch bleibt ein Film der mit sehr wenigen Schnitten auskommt und in Echtzeit spielt.

Die 75 Minuten beginnen mit dem Mord an David Kentley, begangen durch die beiden Studenten Brandon Shaw (John Dall) und Phillip Morgan (Farley Granger). Sie sehen den Mord als Kunstwerk und als zusätzlichen Nervenkitzel findet in ihrem Heim direkt im Anschluss eine Party statt. Die Leiche befindet sich zu der Zeit noch in einer Truhe in der Wohnung, auf der das kalte Buffet serviert wird. Gast auf dieser Party ist auch Rupert Cadell (James Stewart), ein ehemaliger Lehrer der beiden. In einer Diskussion vertritt er ebenfalls die Ansicht, dass das Töten ein Privileg einiger weniger ist und durchaus gerechtfertigt und als Kunstwerk angesehen werden kann, wodurch er quasi die Taten und die Gedankengänge von Brandon und Phillip bekräftigt und unterstützt. Zugleich ist er aber auch ein sehr wachsamer Charakter, dem nicht entgeht, dass Phillip sehr starke Zeichen von Nervosität zeigt. Brandon ist eigentlich der gelassenere von den beiden, der recht abgebrüht wirkt, aber im Gespräch mit Cadell fängt er an, leicht zu stottern, was Cadell aus früheren Zeiten noch als Zeichen für Nervosität von ihm kennt.  Auf Grund kleinerer Ungereimtheiten wird er mißtrauisch und beschließt somit, die beiden nach der Party zu rede zu stellen, zumal der getötete eigentlich ein Gast auf dieser Party sein sollte, entgegen seiner Gepflogenheiten nicht erschienen ist, und Cadell beim Gehen zunächst den Hut des Opfers erwischt, in dem seine Initialien D.K. eingenäht sind.

Auch hier gelingt es Hitchcock wieder, die Spannung über fast die gesamte Laufzeit aufrecht zu erhalten. Das ergibt sich schon allein aus der Situation heraus: Die Party im Raum in dem die Kiste mit dem Opfer steht und einem immer nervöser werdenden Phillip, bei dem man von Minute zu Minute mehr erwartet, dass er gleich die Nerven verliert und alles auffliegt. Wenn dann noch in einer endlos erscheinden, eigentlich simplen Einstellung die Haushälterin nach dem Buffet die Truhe abräumt und die Bücher wieder in ihr verstauen möchte ist die Spannung am Siedepunkt. Die Kamerafahrten an sich sind schon auf Grund der formalen Struktur sehr gelungen, und es gibt auch wieder einzelne Szenen und Kamerfahrten, die herausstechen. Alles in allem wieder ein ausgezeichneter Film, der mich besser unterhalten hat, als die zuletzt gesehenen aktuellen Streifen und nach fast 60 Jahren kann man durchaus sagen, dass es sich auch bei diesem Hitchcockfilm um einen zeitlosen Klassiker handelt. Schade dass Filme solcher Art heute nicht mehr gedreht werden.

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