Dokumentation &Michael Moore Benjamin on 26 Sep 2007 02:53 am

Bowling for Columbine (Michael Moore, USA/Kanada/Deutschland 2002)

Wie schon Elephant nimmt sich auch Bowling for Columbine von Michael Moore des Massakers an der Columbine Highschool in den USA an. Wie ich schon im Beitrag zu Elephant geschrieben habe, halte ich persönlich Bowling for Columbine für den deutlich besseren Film zu diesem Thema.

Und das obwohl eigentlich sehr viel gegen den Film spricht. Es gibt zu Michael Moore eine eigene Dokumentation namens Manufacturing Dissent  in welcher von ehemaligen Fans von Moore aufgezeigt wird, dass Moore in seinen Filmen vieles verdreht, einige Dinige selbst inszeniert und sich vieles so hinbiegt, wie er es gerne hätte. Für mich hat sich daraus die Frage ergeben, was eine Dokumentation überhaupt ausmacht. Moore bezieht in seinen Filmen klar Stellung und versucht seine Sichtweise der Dinge anhand von dokumentarischem Material zu unterstützen. Vielen geht damit zu viel Objektivität verloren. Doch natürlich bleibt die Frage, wie objektiv eine Dokumentation sein kann. Ein Regisseur bzw. Drehteam muss bei einem Projekt immer irgendeine Stellung beziehen und selbst entscheiden, welches Material nun in den fertigen Film kommt, welches nicht, und welche Sichtweise man selbst annimmt. Von daher mögen Moores Filme zwar in erster Linie seine eigene Version der Wahrheit sein, doch das ist in einem von ihm gedrehten Film auch sein gutes Recht. Wer sich zu unrecht angegriffen fühlt, wird sicher auch mit kritischen Fragen kein Problem haben.

So sucht Moore in seinem Film die Antwort auf die Fragen nach den Ursachen für das Massaker. Die Täter spielten Egoshooter und hörten Marylin Manson, was die Medien als Anlass nahmen, diese beiden Dinge als Auslöser für ihre Taten zu nehmen und zu verteufeln, ohne eine wirkliche soziologische Bestätigung dafür zu haben. Da die beiden Täter auch gerne bowlten und am Tag des Massakers auch Bowlingunterricht hatten, hat Moore dementsprechend die Frage aufgeworfen, ob nicht auch das Bowlen Auslöser  für die Taten gewesen sein könnte (ein Punkt den man Moore vorwerfen kann: die beiden Massenmörder haben den Bowlingkurs in Wirklichkeit nie besucht). Diese Geschichte ist aber nur ein kleiner satirischer Seitenhieb auf die Medien.

Im wesentlichen prangert Moore in seinem Film die Waffenpolitik in den USA an und sucht zugleich nach den Ursachen für diese Gewalt. Gemeinhin gilt die gewalttätige Geschichte der USA als Ursache für die hohe Mordrate in den USA (über 11.000 Morde pro Jahr), doch Moore zeigt, dass in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder England, die über eine mindestens ebenso gewaltätige Vergangenheit verfügen (Kolonialzeit, Nazi-Deutschland) die Mordraten um den Faktor 100 niedriger liegen und selbst in Kanada, wo ein prozentual wesentlich größerer Teil der Bevölkerung bewaffnet ist und es in vier von fünf Haushalten Waffen gibt, so gut wie keine Morde gibt.

Es werden grundsätzliche Probleme der amerikanischen Gesellschaft angesprochen, und gezeigt, dass eine der Ursachen für die hohe Gewalt- und Mordrate in den USA die Angst sein könnte, in der die amerikanische Bevölkerung vor allem durch die Medien,  aber auch durch die Politiker gehalten wird. Wenn man sich die Entwicklungen seit 2001 so ankuckt, dann hat man auch wirklich den Eindruck, dass Moore damit gar nicht so falsch liegt. Durch den Antiterrorkampf der USA geraten soziale Probleme ins Hintertreffen und scheinen nur ein notwendiges Übel zu sein. Der nächste Präsidentschaftswahlkampf wird sehr vermutlich auch nicht über soziale- bzw. arbeitspolitische Fragen entschieden. Derjenige Kandidat, der es schafft glaubhaft zu machen, er sei der richtige für den Antiterrorkampf, den Schutz der USA, und den richtigen Umgang mit dem Irak wird das Rennen am Ende machen.

Moore wirft in seinem Film meiner Meinung nach die richtigen Fragen auf und übt sehr starke Kritik an seinem eigenen Heimatland, ein Grund, warum es schwer war, Geldgeber für das Projekt zu finden, so dass schließlich sogar Gelder aus Deutschland in das Projekt geflossen sind. Gelohnt hat es sich allemal, nur all zu oft sitzt man mit offenem Mund vor dem Bildschirm und man ist erstaunt über den tieferen Einblick den man hinter die ansonsten eher euphemistische Sichtweise auf die USA geboten bekommt.  Wenn gleich der Film auch oft polemisch und sehr subjektiv sein mag, ist er für mich ein wichtiger Beitrag auf der Suche nach Ursachen für die tiefergehenden Probleme der amerikanischen Gesellschaft.

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