Alfred Hitchcock Benjamin on 26 Sep 2007 01:46 am

Der Fremde im Zug (Alfred Hitchcock, USA 1951)

Und der nächste Hitchcock. Ich denke, die nächsten Gänge in die Videothek werden nicht mehr so lange dauern, da in der Hitchcockecke noch viele ungesehene Filme stehen und die Wahl somit nicht schwerfällt.

Genau wie Cocktail für eine Leiche hat Der Fremde im Zug eine sehr reizvolle Ausgangssituation: Der Tennisspieler Guy Haines (Farley Granger) wird im Zug vom mitreisenden Bruno Anthony (Robert Walker) erkannt und in ein Gespräch verwickelt. Bruno scheint recht viel über Guys Leben zu Wissen, etwa über die unglückliche Ehe, und das Guys Frau ein Kind von einem anderen erwartet. Bruno möchte im Leben nichts auslassen und träumt schon lange vom “perfekten Mord” und macht Guy einen perfiden Vorschlag: Bruno tötet Guys Frau, wenn dieser sich bereiterklärt im Gegenzug Brunos Vater zu ermorden. Guy selbst hat zwar auch schonmal den Gedanken gehabt, seine Frau zu ermorden, allerdings nie die konkrete Absicht gehabt und somit ist er entsetzt von Brunos Vorschlag, betitelt ihn als einen irren und verläßt ihn bei der nächsten Gelegenheit, ohne sein Angebot konkret abzulehnen.

Bruno sieht dies als Bestätigung für seinen Vorschlag und kommt seinem Teil der Abmachung schon sehr bald nach. Guy ist entsetzt, erkennt aber, dass er nicht zur Polizei gehen kann, da es für Bruno ein leichtes wäre, zu erklären, dass er Guys Komplize ist, da Guy ein handfestes Motiv hat. Also beschließt er, zunächst nichts zu sagen, und zu hoffen, dass sich mit der Zeit einfach alles beruhigt.

Doch Bruno besteht darauf, dass Guy seinen Teil der Abmachung erfüllt, er trifft ihn an öffentlichen Orten, besucht Partys auf denen Guy ebenfalls ist, und schickt ihm einen Plan ihres Anwesens, sowie einen Schlüssel. Guys Konflikt wird immer größer: Erfüllt er nun doch seinen Teil der einseitigen Abmachung und hat damit Ruhe vor Bruno oder geht er zur Polizei, auf die Gefahr hin, selbst für etwas verurteilt zu werden, womit er eigentlich gar nichts zu tun hat…?

Auch dieser Film des Meisters hat meine Erwartungen die ich auf Grund der durchaus interessanten Ausgangssituation in ihn gesetzt habe wieder voll erfüllt. Die Figuren haben wieder einmal sehr viel Symbolik und Tiefe. So kann man Bruno als das personifizierte Böse aus Guys Gedankenwelt ansehen. Guy möchte seine Frau am liebsten Tot und damit seine Probleme gelöst sehen, für Bruno kein Problem. Bruno ist gewissermaßen der Spiegel von Guys Seele. Man könnte sogar Parallelen zu Fight Club ziehen und ihn als sein Alter Ego sehen, wobei Bruno in diesem Film doch relativ real ist. Die Szene in der Guy sich in das Anwesen von Brunos Familie schleicht ist überaus gelungen. Bis zu Letzt weiß man nicht, was er vorhat, sein Eindringen in das dunkle Anwesen und der Moment kurz vor der potentiellen Tat sind wieder einmal erstklassig von Hitchcock eingefangen worden, aber auch das Tennissspiel und das actionreiche Finale auf dem Karusell bleiben einem durchaus im Gedächtnis. Ein hervorragender Film bei dem Hitchcock auf weitestgehend alle Zügel selbst in der Hand hatte und seine Linie durchziehen konnte. Einen wirklich schlechten oder auch nur mittelmäßigen Hitchcock habe ich bisher noch nciht gesehen. Die Filme befanden sich bisher alle an der Grenze zwischen hervorragend und Meisterwerk.

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