Uncategorized Benjamin on 26 Sep 2007 02:12 am
Zusammen ist man weniger allein (Claude Berri, Frankreich 2007)
Seit mittlerweile sechs Wochen läuft Zusammen ist man weniger allein nun schon bei uns im Kino und immer wenn ich an der Kasse sitze fragen die Gäste mich vorher, ob ich den Film schon gesehen hätte, was ich bisher verneinen musste, und hinterher sagten mir alle begeistert, ich müsse den Film unbedingt sehen, da es ein wirklich schöner Film sei. Da der Film ab Donnerstag aus dem Programm geht, und ich morgen arbeiten muss, habe ich dann heute die letzte Chance genutzt, den Film noch zu sehen, weil sonst das eintreten würde, was mir in den letzten Wochen häufiger passiert ist: Ich stehe in der Videothek vor einem Film, der bei uns im Kino gelaufen ist, den ich nicht gesehen habe, und ich muss ihn mir dann ausleihen, weil er mich ja eigentlich doch interessiert.
Philibert Marquet de La Durbellière (Laurent Stocker) ist ein Nachfahre einer alten französischen Adelsfamilie, lebt in einer dementsprechend eingerichteten, riesigen Wohnung, arbeitet als Postkartenverkäufer und hat so gut wie keinen Kontakt zu anderen Menschen. Der einzige Mensch in seinem Leben ist sein Mitbewohner Franck (Guillaume Canet), der das genaue Gegenteil von ihm ist: er ist begeisterter Motorradfahrer, hat ständig oberflächliche Frauengeschichten laufen. Er arbeitet als Koch und hat ein im Grunde leeres Leben. Seinen einzigen freien Tag verbringt er immerhin liebevoll mit seiner Großmutter Paulette (absolut knuffig gespielt von Françoise Bertin).
Im gleichen Haus wohnt die magersüchtige Camille (Audrey Tautou), die Putzfrau (bzw. Fachfrau für Oberflächen) arbeitet und in einer winzigen Wohnung unterm Dach wohnt. Weil sie die Anonymität in solchen Hochhäusern stört nimmt den zufälligen Kontakt mit Philibert als Anlass ihn ein wenig besser kennenzulernen. Als sie auf Grund ihrer Magersucht von einer Grippe sehr schwer mitgenommen wird, beschließt der eher schüchterne, zurückhaltende und stotternde Phillipert Camillie in seiner WG gesund zu pflegen. Trotz anfänglicher Probleme mit Franck zieht Camille dauerhaft dort ein und das Trio beginnt schließlich unfreiwillig sich gegenseitig zu therapieren.
Der Film ist wirklich recht niedlich geworden, auch wenn er eine gewisse Herbstschwere ausstrahlt und durchaus sehr tragische und traurige Momenten hat. Aber das resultiert vor allem daraus, dass er sich an so gut wie jedem Klischee bedient, dass das franösische Kino hergibt, man kann schon fast dankbar sein, dass das Ménage à trois ausgelassen wird. Die Geschichte um die Paulette, Francks Großmutter ist wirklich sehr niedlich und mitfühlsam geworden, und sie gehört auch zusammen mit Philibert zu den symphatischsten Charakteren des Films. Philiberts Geschichte entwickelt sich fast beiläufig, ist aber im Endeffekt viel glaubhafter und schöner als die von Franck und Camille, wobei man wirklich ziemlich lange rätselt, ob er nicht selbst in Camille verliebt ist und wie er das Techtelmechtel von Franck und Camille wohl aufnimmt. Die Geschichte der beiden ist leider auch absolut klischeebeladen. Anfangs können sich beide nicht leiden, er ist der große Frauenheld der alle abschleppt, sie lässt sich, nachdem man sich besser versteht auch von ihm abschleppen und schließlich will er nicht mehr das was er immer hatte, unverbindlichen Sex, sondern mehr: Gefühle, Beziehung, Liebe. Wie das Ganze ausgeht, muss ich wohl nicht noch verraten.
Tautou war nur Ersatz für Ludivine Sagnier, doch ihr Mitwirken dürfte für die recht hohe Popularität des Films gesorgt haben. Letztendlich ist Zusammen ist man weniger allein wohl ein Film der eine gewisse Zielgruppe ansprechen dürfte, die anderen aber vollkommen kalt läßt. Ein luftig leichter, leicht melancholischer Herbstfilm, der einem einen Ausflug in eine französische Parallelwelt erlaubt.
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.