Uncategorized Benjamin on 27 Sep 2007 08:03 pm

Panzerkreuzer Potemkin (Sergei M. Eisenstein, Sowjetunion 1925)

Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Eisenstein gilt als einer der einflußreichsten Filme der Filmgeschichte und hat auch schon des öfteren den Titel als “bester Film aller Zeiten” verliehen bekommen. Ein guter Grund also, sich den Film einmal anzukucken, wobei meine Erwartungen gelinde gesagt mal wieder sehr niedrig waren. Metropolis war zwar sicherlich eindrucksvoll und auch einflußreich, aber die Story war einerseits verwirrend andererseits merkte man deutlich das Lang mehr Wert auf die Optik und das Handwerkliche bei seinem Film legte, statt eine interessante und gute Geschichte zu entwickeln. Auch die anderen bisher gesehenen Stummfilme haben allenfalls historischen Wert, wirklich unterhalten konnten sie mich bisher nicht wirklich.

Panzerkreuzer Potemkin ist anders. Seine Laufzeit beträgt nur erfrischend kurze knackige 75 Minuten und man ist binnen drei Minuten mitten im Geschehen und im Film und bereits nach fünf Minuten hat der Film seinen ersten Höhepunkt mit dem (auf realen Ereignissen des Revolutionsjahres 1905 basierenden) Aufstand der Besatzung. Die Crew wird von den Offizieren diktatorisch regiert und unmenschlich behandelt. Sie lehnt das Fleisch ab, dass ihr vorgesetzt wird, weil es absolut madenversucht und schlecht ist, der Schiffsarzt hält es aber für unbedenklich und meint, wenn man es abwäscht, sei es wieder wie neu. Die Besatzung reagiert empört, und rührt die ihnen aufgetischte Suppe nicht an. Im zweiten Teil beschließt der beschließt ein Exempel zu statuieren und einige Besatzungsmitglieder erschießen zu lassen, doch in letzter Sekunde werfen die Schützen ihr Vorhaben und es kommt zur Meuterei, wobei einer der Anführer, Vakulencuk, getötet wird. Im dritten Teil erreicht die Potemkin die Hafenstadt Odessa wo sich die Einwohner mit der Besatzung solidarisieren und um den verstorbenen trauern.  Doch im vierten Teil marschiert das Militär auf, und auf der berühmten Treppe von Odessa kommt es zu einem Massaker,  Im fünften Teil schließlich berät die Besatzung ob sie landen, und den Menschen helfen soll , oder ob sie das sich nähernde Admiralsgeschwader abfängt, wofür man sich schließlich entscheidet. Beim Aufeinandertreffen kommt zunächst Spannung auf und es ist ungewiss, ob die Geschwaderschiffe tatsächlich das Feuer auf die Potemkin eröffnen, doch es kommt zur Verbrüderung der Soldaten, worauf die Potemkin in freie Gewässer vorstoßen kann.

Der Film ist ganz klar ein Propagandawerk und weiß dennoch zu überzeugen. Man wird direkt auf emotionaler Ebene angesprochen und symphathisiert sofort mit den Soldaten. Die Potemkin ist dabei stellvertretend für ganz Russland. Auch im Russland dieser Tage litten die Menschen hunger und erhoben sich schließlich gegen ihre Unterdrücker, was der Auslöser für die Revolution war. So wurde der Film dann auch am 20. Jahrestag der Revolution uraufgeführt. Die Treppenszene dürfte wohl die bekannteste sein. Im Eifer des Gefechts stürzt ein Kinderwagen mit einem Baby drin die Treppe hinunter, eine Szene die auch schon in dem ein oder anderen Film zitiert wurde. Für mich ist Panzerkreuzer Potemkin  gazu klar der erste große Höhepunkt in der Filmgeschichte und damit das älteste, bisher mir bekannte Meisterwerk. Auf jeden Fall eine Empfehlung wert und das trotz des hohen Alters nicht nur aus filmhistorischen Gründen. Der Film unterhält wunderbar und ist, obwohl es sich um einen Stummfilm handelt sehr emotional und mitreißend.

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