Der Dunkle Turm ist ein Fantasy-Epos von Stephen King. Die Suche nach dem Dunklen Turm wird in sieben Bänden erzählt, die einen Gesamtumfang von ca. 5000 Seiten haben, und ist damit fast fünfmal so umfangreich wie eines seiner großen Vorbilder Der Herr der Ringe, doch die Geschichte des Revolermanns Roland ist von zahlreichen anderen Werken geprägt, so ist Roland dem namenlosen Cowboy, gespielt von Clint Eastwood in den Sergio Leone Western nachempfunden, Star Wars spielt mit hinein, Die Sieben Samurai und (leider) auch Harry Potter. Eine Inhaltsangabe ist auf Grund des gigantischen Umfangs recht kompliziert. Im ersten Band Schwarz wird man mit der Welt des Revolvermanns, die sich weiterbewegt hat, und mit ihm selbst vertraut gemacht. Dieser Band ist gewißermaßen als Overtüre oder einführendes Kapitel zu sehen, was dazu führt, dass erst der zweite Band Drei ein erster großartiger Höhepunkt der Serie ist. Hier findet Roland seine zukünftigen drei Gefährten, die gemeinsam eine Gemeinschaft, die in Rolands Sprache ka-tet genannt wird, bilden. Das ka-tet begibt sich fortan gemeinsam auf die Suche nach dem Dunklen Turm und reist durch die seltsame, aber sehr atmosphärische Welt von Mittwelt, die wie eine postapokalyptische Version unserer eigenen in einer fernen Zukunft wirkt Drei und Tot beschäftigen sich mit dem Vorankommen des Ka-tets, und ihren Erlebnissen dabei, welche in dem Aufsuchen der Stadt Lud und der Reise in Blaine dem Mono gipfeln. Diese beiden Bücher halte ich persönlich für die stärksten der gesamten Serie, zusammen mit dem letzten. Der vierte Teil schließlich beschäftigt sich mit einem Kapitel aus Rolands Vergangenheit. Dieser Band liefert Antworten auf viele Fragen über den Revolvermann, lässt aber auch sehr viele offen und wirft zahlreiche neue Fragen auf, die größtenteils leider unbeantwortet bleiben werden. Im fünften Teil Wolfsmond schließlich erweist King den Filmen Die Sieben Samurai und Die glorreichen Sieben eine Hommage und erstmals taucht eine Figur aus einem anderen King Werk, Vater Callahan aus Brennen muss Salem auf, etwas, was sich schon durch die vorhergehenden Teile gezogen hat und noch häufiger passiert. Der sechste Teil Susannah schließlich beschäftigt sich Hauptsächlich mit der Geburt von Rolands Kind Mordred durch Susannah, seine ka-tet-Gefährtin. Mordred ist ein Mensch-Spinnen-Hybrid und geboren mit dem Ziel, seinen eigenen Vater zu töten. Der letzte und finale Teil Der dunkle Turm behandelt den letzten Abschnitt der Reise und schließt das Werk letztlich ab.
Diese grobe Übersicht hätte ich mir im Grunde auch schenken können, da es nur eine absolut grobe Übersicht ist, wovon die einzelnen Teile handeln, die ganze Geschichte ist so dermaßen groß und komplex, dass man allein mit der Inhaltsangabe eine Doktorarbeit füllen könnte. Die Welt in der Roland und seine Revolvermänner wandern ist absolut faszinierend, aber im Gegensatz zu Tolkien legt King sein Hauptaugenmerk nicht auf die Landschaften und Schauplätze, sondern auf die Charaktere. Roland, Susannah, Eddie, Jake und Oy wachsen einem mehr ans Herz, als es Froro, Sam, Pippin, Gandalf und Aragon je gelungen ist. Das führt dazu, dass es sehr oft, sehr lange Passagen gibt, in denen die Geschichte bzw. die Suche nach dem Turm nicht wirklich vorankommt, weil sich King sehr viel Zeit für die Protagonisten nimmt. Dadurch wachsen sie einem sehr ans Herz. Die gesamte Geschichte nimmt einen so in seinen Bann, dass man mitfiebert und unbedingt am Ende der Reise angelangen will, den Dunklen Turm beschrieben haben möchte, und miterleben, ob und wie Roland ihn letztendlich erreicht, und was genau der Dunkel Turm eigentlich in Wirklichkeit ist. Das führt dazu, dass man am Ende sehr zwiegespalten ist, weil man nicht möchte, dass diese Reise zuende ist. Am liebsten möchte man mit dem Ka-tet zusammen ganz Mittwelt erkunden, und all die anderen zahlreichen Welten, man möchte jedes Geheimnis, jede Frage, die im Laufe des Zyklus aufgeworfen wurde, ergründen und mehr von dieser Welt und ihren Geheimnissen sehen. So ist man einerseits erfreut zu wissen, wie die Geschichte ausgeht, zum anderen aber sehr betrübt, sich von den sehr vertraut gewordenen Begleitern Eddie, Susannah, Jake, Oy und schließlich auch von Roland verabschieden zu müssen.
Schade ist, dass King es am Ende überstürzt hat. Die Geschichte ist absolut großartig. Jede folgende Kritik soll das Gesamtwerk nicht abwerten. King hätte es noch sehr viel besser, sehr viel größer werden und Enden lassen können, aber die Geschichte, so wie sie ist, ist absolut großartig, schlüssig, wenn auch unversöhnlich.
Die ersten Bücher der Dunklen Turm Reihe wurden im Abstand von ca. fünf bis sechs Jahren , so dass bis 1997 vier von sieben Bänden fertig waren. 1999 war Stephen King bei einem Spaziergang einen schweren Autounfall verwickelt, den er auch später ausführlich im Dunklen Turm verarbeitet. Dieser Unfall wird ihm wohl vor Augen gehalten haben, wie zerbrechlich das Leben ist und hat ihn dazu verleitet, sein Lebenswerk im Eiltempo abzuschließen. Er beschreibt in einem Nachwort, wie ihn der Brief einer Frau erreicht hat, die großer Fan seines Dunklen Turm Zyklus ist, die aber sterbenskrank ist, und ihn gebeten hat, ihr zu verraten, wie die Geschichte ausgeht, damit sie nicht sterben muss, ohne das Ende dieser Geschichte zu kennen. King wollte wohl nicht die Gefahr eingehen, dass er einfach stirbt, bevor er seine Saga vollendet hat, wenn er weiterhin mehrere Jahre zwischen den einzelnen Teilen vergehen lässt. So sind dann im Teil V, VI und VII 2003 – 2004 erschienen und das Epos war vollendet. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich persönlich lieber das Risiko eingegangen wäre, dass das Werk unvollendet bleibt, und damit jeder in seiner eigenen Phantasie ein Ende erdenken kann, als dieses überhastete Vorgehen. Die Energie und Kreativität, die King aus den Pausen geschöpft hat, merkt man den einzelnen Teilen an, gerade bei Susannah merkt dann, dass dieser Bruch mit der bisherigen Vorgehensweise dem kreativen Schaffen nicht förderlich war.
King tritt in den letzten Bänden selbst in seinem Werk auf und spielt eine zentrale Rolle, redet manchmal sogar ganz vergnüglich im Plauderton mit dem Leser. Das ist dem Konzept der vielen Welten, die miteinander auf die eine oder andere Weise verbunden sind durchaus zuträglich und der Leser fühlt sich noch mehr als Teil dieser Welt. Aber es wirkt auch so, als würde er sich für sein überhastetes Vorgehen am Ende entschuldigen wollen, so wird dann auch die Formel “Ka ist ein Rad, dass sich ewig weiterdreht” so oft wiederholt, bis der Leser den Schluss der Geschichte auch als sehr passend hinnimmt. Und in der Tat, die Geschichte kann nicht anders enden. Der Weg ist das Ziel. Das traf niemals besser zu als für Rolands Reise zum Dunklen Turm. Der Schluss, den King gewählt hat, ist unversöhnlich, aber jeder andere Schluss wäre noch unversöhnlicher geworden. Zumindest so, wie sich die Geschichte in den letzten Teilen entwickelt hat. Kings Warnung am Schluss, dass man die Geschichte einfach an einer bestimmen Stelle ausklingen lassen soll, möchte man im Nachhinein am liebsten wahrgenommen haben, aber natürlich kann man nach jahrelangen Warten und tausenden von Seiten nicht ein Wort der Geschichte ungelesen lassen. King bot damit offenkundig einen Kompromiss zwischen offenem und unversöhnlichem Ende an. Aber damit irgendwer das offene Ende gewählt hätte, hätte King das andere nicht schreiben dürfen. Mehr fauler Kompromiss also, aber immerhin.
Wirklich bedauerlich fand ich, wie King die drei Hauptgegner Rolands am Ende dargestellt hat. Der Mann in Schwarz, der Scharlachrote König und Mordred. Mordred wurde über ein gesamtes Buch hindurch als Rolands gefährlichster und bösester Gegner aufgebaut, nur um dann auf gerade mal zwei Seiten abgehandelt zu werden. Der Scharlachrote König wird die ganze Zeit über als das personifizierte Böse und das wohl mächtigste Wesen in all den Multiversen beschrieben, wobei er auch erst in einem späteren Teil eingeführt wurde, aber in der finalen Schlacht wirft er nur mit fliegenden Handgranaten um sich und wird im wahrsten Sinne des Wortes aus der Geschichte ausradiert. Von all der Macht und dem Bösen dass dem Scharlachroten König eigentlich zugeschrieben wird, kommt leider nicht das geringste rüber. Der Mann in Schwarz hat auch kein wirklich rühmliches Ende, [SPOILER] er wird einfach von Mordred gefressen [/SPOILER], was ihm und seiner Rolle in allem sieben Bänden nicht ansatzweise gerecht wird. So glorreich und rühmlich die Abgänge der guten Charaktere waren, so wenig befriedigend gestaltet er die Abgänge der bösen, bzw. im Fall des Scharlachroten Königs, den ganzen Charakter selbst. Das ist ein Punkt aus dem King wirklich deutlich mehr hätte herausholen müssen.
Die Verknüpfungen die King zu seinen anderen Werken zieht, gefallen mir. Der Dunkle Turm ist sein Hauptwerk, welches ihn unterbewußt immer beschäftigt hat, so dass Der Dunkle Turm selbst auf zahlreiche andere Werke verweist und in zahlreichen von Kings Werken Anspielungen auf den Dunklen Turm und Charaktere aus ihm vorkommen. Das erfreut natürlich die Leser, die die Bücher schon kennen, lädt zum anderen aber auch dazu ein, Bücher die man noch nicht kennt noch zu lesen. Ich werde auf jeden Fall demnächst Brennen muss Salem lesen.
Nun ist es vollbracht. Ich habe Roland auf seiner Reise zum Dunklen Turm bis zum letzten Kapitel begleitet und die Reise ist damit für mich abgeschlossen. Die fünf werden mir sicher noch lange nachhängen. Galt doch Der Herr der Ringe als unverfilmbar, so bin ich mir bei Der Dunkel Turm absolut sicher, dass er unverfilmbar ist, und wenn er je verfilmt werden sollte, der / die Film/e nie so gut werden können, wie es die Herr der Ringe Filme waren. Der einzige, der wirklich für die Rolle des Roland in Frage kommen würde, wäre Clint Eastwood, altersmäßig würde das denke ich so gerade eben noch hinhauen, aber bis eine Realisierung des (wohl sicherer irgendwann kommenden) Filmprojektes spruchreif sein würde, wäre Eastwood wohl leider schon entweder deutlich zu alt oder schon tot. Aber nun gut. Hielt ich der Herr Ringe doch bereits für den absoluten Höhepunkt in der Geschichte des Kinos, so könnte eine gelungene Umsetzung des Dunklen Turms, diesen noch übertreffen. Ich frage mich nur ernsthaft wie man diese Geschichte je verfilmen will. Daher bin ich um so gespannter, ob sich irgendwann irgendjemand dieses Mamutprojekt zutraut.