Historienfilm &Monumentalfilm Benjamin on 05 Okt 2007 12:21 am

Der Untergang des Römischen Reiches (Anthony Mann, USA 1964)

Caesar Marc Aurelius befindet sich auf dem Schlachtfeld im Norden des Reiches Gegen die Germanen. Er ist seinem Ende nahe und bittet den Soldaten Livius sein Erbe anstelle seines Sohn Commodus anzutreten. Livius fühlt sich unwohl mit dieser Bürde, doch bevor der Caesar seine Entscheidung bekannt geben kann, wird er ermordet. So tritt der ungeeignete Commodus sein Amt an und aus den einstigen Freunden Commodus und Livius werden erbitterte Feinde, die am Schluss des Filmes in einer Arena gegeneinander kämpfen…

Na, klingelts? Wer hätte gedacht, dass der große Gladiator nur ein Remake ist. Man könnte jetzt auch anführen, dass dem Film nur die gleiche Geschichte zu Grunde liegt, aber die ähnlichkeiten sind dennoch auffallend ähnlich, wobei sich die Geschichte im zweiten Teil des Filmes doch etwas unterscheidet und bei Gladiator der Fokus viel mehr auf Maximus gelegt wird, als auf die politischen und militärischen Verstrickungen. Dennoch kann ich nicht umhin, die beiden Filme miteinander zu vergleichen.
Wirklich beeindruckend an Der Untergang des Römischen Reiches sind die kolossalen Massenszenen. Jugendliche, die mit heutigen CGI-Szenen groß geworden sind, werden kaum glauben können, wie solche Szenen ohne Computertechnik realisiert werden können, man ist schier sprachlos wenn man diese unendlichen Herrscharen von Menschenmassen sieht, die da am Horizont aufmarschieren oder sich ins Schlachtgetümmel stürzen. Auch die niedrige Schrittfrequenz in den Schlachtszenen sorgt für dieses beeindruckende Gefühl, da man dadurch ein Gefühl von Authentizität bekommt, man hat nicht das Gefühl, dass man mit Hilfe von Schnitten beschummelt wird.

Sehr schön, wie hier gezeigt wird, dass es auch für Herrscher nicht immer einfach ist, die eigenen Kinder des Glückes zu berauben und sie zwangzuvermählen.

Die Ermordnung Caesars wird hier sehr viel glaubhafter dargestellt als bei Gladiator, und die Stelle kam mir recht bekannt vor, wahrscheinlich hab ich den Film als Kind schonmal gesehen. Jedenfalls wird er hier vergiftet. Ein Apfel wird mit einer zweiseitigen Klinge durchschnitten, deren eine Seite mit einem Gift versehen ist, während die andere ungefährlich ist. So kann der Attentäter dem Caesar einen Apfel reichen, selbst von ihm essen, so dass kein Verdacht erregt wird.
Dieses Ersticken bei Gladiator ist natürlich nicht ganz so galant, dafür ist die gesamte Szene an sich deutlich intensiver, dichter und atmosphärischer und gibt schon erste Einblicke in Commodus bösartigen Charakter.

Geschichtlich ist dieser Film natürlich ebenso wenig korrekt wie Gladiator, man erfährt hier aber einiges mehr über die Geschichte des Commodus, der ja eine tatsächliche historische Persönlichkeit war. In Wirklichkeit ist er in dem Jahr in dem er Rom in Colonia felix Commodiana umbennante ermordet. Die Geschichte des Livius ist natürlich eben wie die das Maximus erfunden. Darstellerisch ist Gladiator DUdRR welten voraus meiner Meinung nach. Vor allem Christopher Plummer kann mit seiner Darstellung des Commodus der Leistung von Joaquin Phoenix nicht das Wasser reichen, wobei er im O-Ton auf jeden Fall düsterer wirkt, als in der deutschen Synchro. Aber vor Phoenix und seinem gespielten Wahnsinn hat man sich wirklich richtig gegruselt. Stephen Boyd macht seine Sache hingegen recht gut, ebenso wie Alec Guiness und die wie immer bezaubernde Sophie Loren. Wer auf Monumentalsandalenschinken steht, sollte dem Film auf jeden Fall Beachtung schenken, auch wenn der Titel täuscht. Es geht nicht wirklich um den Untergang des römischen Reiches, sondern um die Geschichte eines Mannes, aus dessen Taten heraus der Untergang beschleunigt wurde.

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